Politik

Österreich und Bayern: Schlag gegen militante Rechtsextremisten – Festnahmen, Waffenlager gefunden

Die österreichischen Behörden haben im Verlauf von Razzien ein Waffenlager militanter Rechtsextremisten ausgehoben. Die Waffen waren für den Aufbau einer „rechtsradikalen Miliz“ in Deutschland bestimmt. In Bayern fanden ebenfalls Razzien statt.
12.12.2020 16:44
Aktualisiert: 12.12.2020 16:44
Lesezeit: 2 min
Österreich und Bayern: Schlag gegen militante Rechtsextremisten – Festnahmen, Waffenlager gefunden
Sebastian Kurz (r), Bundeskanzler von Österreich, spricht neben Karl Nehammer, Innenminister von Österreich, bei der ersten Sitzung des Nationalrates nach der Sommerpause im Parlamentsausweichquartier in der Wiener Hofburg. (Foto: dpa) Foto: Robert Jaeger

Bei einem Schlag gegen ein rechtsextremes Netzwerk hat es fünf Festnahmen in Österreich und zwei in Bayern gegeben. Das wurde am Samstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des österreichischen Innenministers Karl Nehammer (ÖVP) und Vertretern des Wiener Landeskriminalamts (LKA) mitgeteilt, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA meldete.

Im Rahmen der Untersuchungen seien in den vergangenen drei Tagen über 70 automatische und halbautomatische Schusswaffen sowie Munition im sechsstelligen Bereich sichergestellt worden. Laut Nehammer waren die Waffen für die rechtsextreme Szene in Deutschland bestimmt, „um eine rechtsradikale Miliz“ aufzubauen. Nehammer sprach von einem „massiven Schlag gegen die rechtsextreme Szene in Österreich, gegen die organisierte Kriminalität“.

Bei einer Hausdurchsuchung am Mittwoch waren Maschinenpistolen und Sturmgewehre samt Munition sichergestellt worden. Bei einer weiteren Durchsuchung am Donnerstag wurden dann ein Container mit weiteren Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden. Freitag wurden in einer Lagerhalle in Niederösterreich rund 100.000 Schuss Munition und zahlreiche Langwaffen gefunden.

Eine Drogenlieferung aus Deutschland im Oktober habe die Polizei zu dem Netzwerk geführt. Mit den Erlösen wurden laut Michael Mimra, dem stellvertretenden Leiter des Wiener LKA, die gefundenen Waffen angekauft, die für Deutschland bestimmt waren. Hauptverdächtiger ist ein 53-jähriger vorbestrafter Österreicher, der mit mehreren Mittätern den Handel aufgezogen haben soll. Weitere Ermittlungen soll es auch in Nordrhein-Westfalen geben.

Aus dem Global Terrorism Index (GTI) geht hervor, dass sich der rechtsextremistische Terrorismus im Aufwind befindet. Während die Todesanzahl durch rechtsextremen Terrorismus in den vergangenen fünf Jahren um 709 Prozent gestiegen sei, sei bei allen anderen Formen des Terrorismus ein Rückgang von 15 Prozent zu beobachten gewesen. „Einer der besorgniserregenderen Trends in den letzten fünf Jahren ist der Anstieg des rechtsextremen politischen Terrorismus, obwohl die absolute Zahl der rechtsextremen Angriffe im Vergleich zu anderen Formen des Terrorismus gering bleibt“, heißt es in dem 109-seitigen Bericht.

Fast 50 Prozent der 332 rechtsextremen Angriffe seit 2002 ereigneten sich in den USA, gefolgt von Deutschland mit 48 und Großbritannien mit 35 Vorfällen.

Steve Killelea vom Institute for Economics and Peace (IEP) sagt nach Angaben von Voice of America (VoA), dass die Einflüsse, die zum Terrorismus führen eingedämmt werden müssen: „Um diese Einflüsse zu brechen, sind drei wichtige Initiativen erforderlich: Zerschlagen Sie ihre Medienberichterstattung (rechtsextreme Medien, Anm.d.Red.) und ihre sozialen Online-Netzwerke. Stören Sie die Finanzierung und verringern Sie die Anzahl der Sympathisanten.“

„Man muss sich auch mit der Infiltration weißer Supremacisten (weiße Rassisten, Anm.d.Red.) sowohl im Militär als auch in den Polizeidienststellen befassen und eine Polizeistrategie für diese rechtsextremen Gruppen entwickeln“, fügt Carolyn Gallaher von der American University in Washington hinzu.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Dieselpreis im November: Oktober deutlich billiger – doch Diesel bleibt teurer als E10
02.11.2026

Der Dieselpreis hat sich im Oktober nach den Rekordwerten des Septembers zwar spürbar entspannt. Laut der am 2. November veröffentlichten...

DWN
Finanzen
Finanzen Technologieaktien versprechen gigantische Renditen und globale Marktmacht – sind aber „nur für Einsteiger geeignet“
02.11.2026

15.288 Prozent Rendite seit dem Börsengang, steigende Gewinne und 64 Kaufempfehlungen von Analysten: Die Alphabet-Aktie gehört zu den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft GTA 6 legt Amerikas Wirtschaft lahm: Wer vom Milliarden-Geschäft profitiert
02.11.2026

Millionen Fans warten auf GTA 6. Doch der Verkaufsstart könnte für die amerikanische Wirtschaft teuer werden: 1,5 Millionen Beschäftigte...

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Aktie: Eine Warnung aus Korea für meine KI-Investition
02.11.2026

Die Gewinne sind auf Rekordniveau, und für die Chips der kommenden Jahre gibt es größtenteils bereits Käufer. Trotzdem macht mir als...

DWN
Politik
Politik Kampf um die Arktis: Die EU will ein Stück vom Kuchen
02.11.2026

Russland mit Eisbrechern, die USA mit Militär, China mit Handelsschiffen. Und die EU mit einer Strategie, allerdings ohne klare...

DWN
Technologie
Technologie Einem Slowenen gehört die Domain spacex.si: Kann Elon Musk sie ihm einfach wegnehmen?
02.11.2026

Tomaž Gojkošek aus Hajdina besitzt die Domain spacex.si seit 2021, während Musks Unternehmen eine deutlich ältere Marke hält. Wer hat...

DWN
Unternehmen
Unternehmen UniCredit-Chef Orcel wirbt im Übernahmekampf um Commerzbank-Mittelstand
02.11.2026

Im Übernahmeringen um die Commerzbank geht UniCredit in die Offensive: Konzernchef Andrea Orcel verspricht deutschen Firmenkunden mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Welthandel zieht an: Chinas Containerboom könnte täuschen
02.11.2026

Der weltweite Containerumschlag steigt im September kräftig. Vor allem chinesische Häfen treiben den Zuwachs. Doch ein Feiertagseffekt...