Politik

Syrien wirft Merkel-Regierung Unterstützung von Terrorgruppen vor

Die syrische Regierung hat der Bundesregierung die Unterstützung von Terrororganisationen vorgeworfen, weil es ein ehemals führendes Mitglied der Rettungsorganisation Weißhelme aufgenommen hat. Doch der Betroffene weist die Vorwürfe gegen ihn und die Bundesregierung entschieden zurück.
22.12.2020 12:52
Aktualisiert: 22.12.2020 12:52
Lesezeit: 2 min

Die syrische Regierung hat Deutschland die Unterstützung von Terrororganisationen vorgeworfen, weil es ein ehemals führendes Mitglied der Rettungsorganisation Weißhelme aufgenommen hat, meldet die dpa. Es bestätige sich erneut, dass Deutschland an feindseligen Aktionen gegen Syrien beteiligt sei, hieß es aus dem Außenministerium in Damaskus, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete. Der Leiter der Weißhelme, Raid al-Saleh, wies die Vorwürfe am Dienstag zurück.

Das Auswärtige Amt hatte Anfang des Monats bestätigt, dass das Mitglied der Weißhelme und seine Familie in Deutschland eingetroffen seien. Weitere Angaben machte es aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht. Nach Informationen des Spiegel handelt es sich um Chalid al-Saleh. Er war demnach 2018 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit mehr als 400 Weißhelmen und deren Familien aus Syrien nach Jordanien in Sicherheit gebracht worden.

Die Weißhelme sind eine von Freiwilligen gegründete Gruppe von Zivilschützern, die vor allem in der syrischen Provinz Idlib aktiv sind. 2016 wurde die Organisation mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Videoaufnahmen der Organisation dokumentierten immer wieder Angriffe und Bombardierungen des syrischen und russischen Militärs. Syrien und Russland werfen den Weißhelmen hingegen Nähe zu Terrorgruppen vor.

Weißhelme-Chef Saleh erklärte, es sei bekannt, dass das syrische Regime fern jeder Realität lebe. Es sehe seine Aufgabe darin, seine Organisation zu diffamieren, weil diese Zeuge der syrischen und russischen Gräueltaten sei.

Auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE, die am 26. Juni 2018 gestellt wurde, antwortete die Bundesregierung: „Die Bundesregierung hat ,Syria Civil Defence’ (White Helmets, Anm. d. Red.) mit insgesamt 12 Mio. Euro (2016: 7 Mio. Euro, 2017: 5 Mio. Euro) zum Zweck der Ausbildung und Ausrüstung der Weißhelme unterstützt (...) Die an die ,Syria Civil Defence’ geleisteten Zahlungen werden in erster Linie für die Anschaffung von Rettungsausstattung, Ausbildung und Ausrüstung investiert. Die Bundesregierung hat im Rahmen der Förderung die Anschaffung von Helmkameras für 190 000 Euro gefördert, mit denen die Rettungsarbeit der ,Syria Civil Defence’ dokumentiert wird. Das Erstellen von Bild- und Videomaterial selbst ist nicht Teil der Förderung (...) Durch den Einsatz von Helmkameras zur Dokumentation ihrer Arbeit fällt bei den syrischen Weißhelmen umfangreiches Bild-, Film- und Tonmaterial über deren Einsätze an. Dieses wird durch Bild-, Film- und Tonaufnahmen von Augenzeugen ergänzt. Die syrischen Weißhelme haben auf dieser Grundlage über die Jahre eine intensive Öffentlichkeitsarbeit entwickelt, die der großer, weltweit agierender humanitärer Organisationen ähnelt.“

Das russische Verteidigungsministerium meldet in einer Mitteilung vom 29. Oktober 2018 im Zusammenhang mit den Weißhelmen: „Das russische Versöhnungszentrum erhielt von den Bewohnern der Provinz Aleppo Informationen, dass Militante illegaler bewaffneter Formationen sich auf neue Provokationen mit chemischen Kampfstoffen vorbereiten. Dadurch sollen die Regierungstruppen beschuldigt werden, dass sie chemische Waffen gegen Zivilisten einsetzen. Für die Umsetzung kamen einige Dutzend Mitglieder der Organisation White Helmets in den Siedlungen Azaz, Marea und Chobanbey in der Provinz Aleppo an. Zuvor wurden Container mit giftigen Substanzen, vermutlich mit Chlor, in geschlossenen Siedlungen aus der Stadt Dschisr al-Schughur in Lastwagen geliefert. Gegenwärtig führen die Mitglieder der White Helmets Dreharbeiten unter Beteiligung von Zivilisten durch, die den Anwohnern unbekannt sind.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Der neue Anleger der DWN stellt sich vor

Wie können Sie ein Vermögen an der Börse aufbauen, wenn Sie weder Erfahrung bei der Aktienanalyse haben noch die Zeit für den...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Renditen von US-Staatsanleihen belasten die Wall Street
07.10.2026

Steigende Renditen und neue Zinsängste bringen die US-Märkte ins Wanken – erfahren Sie, welche Schwergewichte es besonders hart trifft.

DWN
Finanzen
Finanzen Beitragsbemessungsgrenzen 2027: Millionen Bürger müssen mehr vom Lohn abgeben
07.10.2026

Für Gutverdiener steigen kommendes Jahr die maßgeblichen Beitragsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung. Besonders deutlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
07.10.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wang Fengying von XPeng im Porträt: Eine Chinesin mit amerikanischer Erfolgsgeschichte
07.10.2026

Wang Fengying gehört zu den einflussreichsten Managerinnen der chinesischen Autoindustrie. Bei Great Wall Motor prägte sie Vertrieb,...

DWN
Immobilien
Immobilien Superreiche fliehen aus London: Luxusimmobilien stürzen ab
07.10.2026

Londons Luxusimmobilien verlieren dramatisch an Wert, in manchen Nobelvierteln beträgt das Minus mehr als 25 Prozent. Während die...

DWN
Politik
Politik Nach Landtagswahlen: Mehrheit hält Merz' Kanzlerschaft für gescheitert
07.10.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz kommt aus dem Umfragetief nicht heraus, die Mehrheit der Deutschen sieht keine Zukunft für ihn als Kanzler....

DWN
Politik
Politik Festanstellung adé: Verlängerte Befristungen für Arbeitsverträge geplant
07.10.2026

Die Koalition will die sachgrundlose Befristung für Arbeitnehmer verlängern. Eine Befristung des Arbeitsvertrages soll bald vier statt...