Politik

Gemeinsam mit Deutschland: Biden will den Rest der Welt „demokratisieren“

Der künftige US-Präsident Joe Biden plant, gemeinsam mit den demokratischen Verbündeten Deutschland und Frankreich den Rest der Welt „zu demokratisieren“. Auf Deutschland kommen offenbar „große Aufgaben“ zu.
25.12.2020 22:14
Aktualisiert: 25.12.2020 22:14
Lesezeit: 2 min
Gemeinsam mit Deutschland: Biden will den Rest der Welt „demokratisieren“
Joe Biden, gewählter Präsident (President-elect) der USA, spricht im The Queen Theater. Biden stellt dort seinen Kandidaten für den US-Bildungsminsiter vor. (Foto: dpa) Foto: Carolyn Kaster

Der künftige US-Präsident Joe Biden plant, im kommenden Jahr einen internationalen Gipfel zur Demokratisierung der Welt einzuberufen. „Eine globale Abrechnung ist im Gange, wobei autoritäre Führer von gebrochenen Versprechungen und gescheiterten Richtlinien profitieren. Um diesen Trend umzukehren, hat der gewählte Präsident Joe Biden vorgeschlagen, einen Gipfel für Demokratie einzuberufen. Seine Kampagne bietet den Gipfel als Gelegenheit, ,den Geist und den gemeinsamen Zweck der Nationen der Freien Welt zu erneuern‘. Wenn sich die USA erneut ,an die Spitze des Tisches‘ stellen, können andere Nationen ihre Sitze finden, und die Aufgabe, die Gegner der Demokratie zurückzuschlagen, kann beginnen“, so der Guardian.

Der geplante „Welt-Gipfel der Demokratien“ setze die Teilung der Erde zwischen den Nationen der Freien Welt und den anderen voraus. Unklar ist, ob der Gipfel wirklich stattfinden kann. Denn Polen, Ungarn und die Türkei sind zwar institutionell des Westens, driften jedoch aus Sicht der Demokratischen Partei ab. Die Zeitung „Corriere della Sera“ berichtet: „Der Neu-Präsident Joe Biden hat angekündigt, zu einem noch nicht bestimmten Datum im Jahr 2021, einen Welt-Gipfel der Demokratien organisieren zu wollen. Mit dem Ziel, eine möglichst enge Abstimmung zwischen den Demokratien des Planeten zu schaffen. Offensichtlich ist die Ankündigung vor allen Dingen ein Anti-Trump-Schachzug und eine Art, dem Rest der Welt zu sagen: jetzt spielt eine andere Musik. Trump war im Umgang mit anderen Staaten gleichgültig im Hinblick auf ihr politisches Regime: Demokratisch oder autoritär, es machte keinen Unterschied. Es zählten nur die Vorteile, die die Vereinigten Staaten daraus ziehen konnten. Biden sagt: Man kehrt zurück zu alten Zeiten, Washington wird wieder anfangen, die Länder nach ihrem politischen Regime zu unterscheiden und den Umgang mit den Demokratien zu bevorzugen.“

„The Times“ wörtlich: „Er hat bereits den Wunsch signalisiert, Amerikas Führungsrolle auf der Weltbühne wiederherzustellen, den multilateralen Institutionen, die Trump aufgegeben hat, wieder beizutreten und internationale Vereinbarungen wie das Pariser Klimaabkommen und den Atomdeal mit dem Iran wiederherzustellen. Er will die Beziehungen zu demokratischen Verbündeten, insbesondere Frankreich und Deutschland, wiederbeleben. Und er hat sich für eine neue D10-Gruppe demokratischer Nationen ausgesprochen, um der Aggressivität Chinas entgegenzuwirken und zugleich Trumps Bemühungen zurückzuweisen, das autoritäre Russland zu umarmen. Niemand kann sich Illusionen über das Ausmaß der Aufgabe machen, am wenigsten Joe Biden selbst. Amerika war schon vor Trump ein stark geteiltes Land. Aber ein neuer demokratischer Präsident, den ein republikanischer Senat im Zaum hält, der nicht mehr von Trump geknechtet wird, könnte Amerika und der Welt die bestmögliche Chance bieten, einen Schlussstrich unter vier turbulente Jahre zu ziehen.“

Die neue US-Regierung wird versuchen, Deutschland im Interesse der USA auf dem geopolitischen Schachbrett der Welt einzusetzen. Deutschland steuert auf sehr angespannte Beziehungen mit China, Russland, Großbritannien und der Türkei zu. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten hatten zuvor eine diesbezügliche Spezial-Analyse veröffentlicht (HIER).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Vielleicht ist alles, was man Ihnen über Geld erzählt hat, falsch?
12.07.2026

Vielleicht gelten die jahrhundertealten Investitionsweisheiten nicht mehr? Vielleicht sind es Mythen, die früher einmal funktioniert...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungswirtschaft: Neubau droht der "Kollaps"
12.07.2026

Schon 2025 sank die Fertigstellung neuer Quartiere auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Auch für dieses Jahr schlägt...

DWN
Technologie
Technologie Cyberrisiken erkennen: 5 typische Schwachstellen im Mittelstand und was Unternehmen tun können
12.07.2026

Cyberangriffe treffen den Mittelstand oft nicht durch spektakuläre Hackertricks, sondern durch alltägliche Versäumnisse. Eine Analyse...

DWN
Panorama
Panorama Von der Pandemie zur erschöpften Gesellschaft: Verschwindet die Menschlichkeit immer mehr?
12.07.2026

Alles begann mit der COVID-19-Pandemie, seitdem geht es weiter bergab. Es entstehen immer neue militärische Konflikte, wirtschaftliche...

DWN
Technologie
Technologie Verliebt in einen Bot – Sind KIs die besseren Partner?
12.07.2026

Immer verfügbar, stets zuvorkommend, keine Ego-Touren: Im Gespräch mit KI-Bots fehlt der menschliche Faktor. Kann das unter Umständen...

DWN
Immobilien
Immobilien Vom Leerstand zum Lebensraum – der Staat will leere Büros in Wohnraum verwandeln
12.07.2026

Die deutschen Innenstädte stecken in einer bizarren Identitätskrise: Auf der einen Seite suchen Menschen verzweifelt nach bezahlbarem...

DWN
Panorama
Panorama Porträt: Er erbte Milliarden und ein Schloss – so hält er das Erbe seines berühmten Großvaters am Leben
12.07.2026

Er erbte Tausende von Werken des vielleicht größten Künstlers der Welt. Nun widmet er seine Zeit dem Verleihen dieser Werke an Museen...

DWN
Politik
Politik Renteneintritt: Die Babyboomer-Welle trifft den Arbeitsmarkt hart
11.07.2026

Der bevorstehende Rentenboom der Babyboomer-Generation wird die deutsche Wirtschaft weitaus härter treffen als bislang prognostiziert. Zu...