Politik

Hacker-Angriff auf US-Regierung: Politiker sprechen von "Vergeltung"/ Experten: USA würden das Gleiche gern mit Russland tun, können es jedoch nicht

In den USA herrscht nach den Hacker-Angriffen auf Regierungs- und Sicherheitseinrichtungen große Aufregung.
01.01.2021 18:07
Aktualisiert: 01.01.2021 18:07
Lesezeit: 2 min
Hacker-Angriff auf US-Regierung: Politiker sprechen von "Vergeltung"/ Experten: USA würden das Gleiche gern mit Russland tun, können es jedoch nicht
Arlington, US-Bundesstaat Virginia: Eine Mitarbeiterin sitzt an einem Computer im «National Cybersecurity and Communications Integration Center (NCCIC)», eine Einrichtung des "Ministeriums für Innere Sicherheit" der USA. (Foto: dpa) Foto: Cliff Owen

Microsoft hat gestern bekannt gegeben, dass Hacker sich Zugang zu seinem Quellcode verschafft haben. Quellcodes sind – sehr vereinfacht ausgedrückt - die Grundlagen eines Software-Programms. Es handelt sich dabei also um Unternehmens-Interna, für die absolute Geheimhaltung gilt.

Das Tech-Unternehmen sowie Experten sind sich sicher, dass es sich bei den Hackern um die gleichen handelt, die seit einiger Zeit – seit wann genau, ist nicht bekannt – sowohl große US-Unternehmen als auch Ministerien und Behörden angreifen, darunter 425 der größten 500 US-Konzerne sowie das US-Außen-, Verteidigungs- und Finanzministerium. Sogar die „National Nuclear Security Administration“ (NNSA/ zu Deutsch: Nationale Behörde für nukleare Sicherheit) wurde gehackt.

Peinlich für die US-Regierung: Auf den Angriff wurde nicht etwa das mehrere Milliarden Dollar teure Sicherheitssystem „Einstein“ der „Cybersecurity & Infrastructure Security Agency“ (Behörde für Cyber- und Infrastruktur-Sicherheit) aufmerksam, sondern das Privat-Unternehmen „FireEye“.

Weder der Umfang des Angriffs noch der angerichtete Schaden sind bisher abzuschätzen. Da die Hacker schon tief in die Systeme eingedrungen sind, könnte es Jahre dauern, um sie wieder zu entfernen. US-Politiker nahmen sogar das Wort „Krieg“ in den Mund, um die Schwere des Falls zu verdeutlichen, und sagten, „Amerika müsse Vergeltung üben“.

Als Täter wird – nicht nur von Seiten der Politik, beispielsweise von Außenminister Mike Pompeo, sondern auch von Seiten seriöser US-Medien wie der New York Times und ausländischer Medien wie dem Guardian sowie von Microsoft– so gut wie durchgehend Russland bezeichnet, wobei damit der russische Staat gemeint ist, keine russischen Kriminellen (die in der Vergangenheit regelmäßig auf „Raubzug“ in den USA gegangen sind und teilweise Summen im dreistelligen Millionen-Bereich erbeuteten).

Aber: Ein Beweis für die russische Täterschaft wurde bisher nicht vorgelegt. Eine ganze Reihe von Beobachtern hat auf diesen Umstand hingewiesen, darunter die Neue Züricher Zeitung, die schreibt: „Zutreffend ist allerdings, dass weder die Regierung in Washington noch die betroffenen Sicherheitsfirmen genauere Angaben darüber gemacht haben, weshalb sie auf Russland als Urheber geschlossen haben.“ Russland hat eine mögliche Täterschaft weit von sich gewiesen. Das besagt selbstverständlich überhaupt nichts – zumal unterschiedliche Experten sagen, dass sowohl Umfang als auch Professionalität der Angriffe auf einen staatlichen Urheber schließen ließen.

Der Fernsehsender CNN hat eine Reihe von ehemaligen hochrangigen Cybersicherheits-Mitarbeitern der US-Regierung interviewt. Diese glauben, dass Russland hinter der Aktion steckt, haben jedoch ihre eigene Sichtweise. Es handele sich nicht um einen Angriff, um etwas zu zerstören (wie es bei vielen Hacker-Angriffen der Fall ist), sondern um Spionage. Und die sei im Umgang zwischen großen konkurrierenden Nationen ein normales und erwartbares Vorgehen. Gary Brown, ehemaliger Pentagon-Mitarbeiter und jetziger Professor an der „National Defense University“ der US-Streitkräfte, sagte CNN: „Es handelt sich um eine sehr erfolgreiche Spionage-Operation. So etwas würden wir auch gerne tun. Das Ganze ist ein Weckruf: Wir müssen besser werden. Die Russen sind viel besser, als wir uns jemals vorstellen konnten.“

Und Jamil Jaffer, ehemaliger Senior-Berater des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses und nun Vorstandsmitglied bei „IronNet Security“: „Wenn wir Zugang zu Russlands oder Chinas Nuklear-Programmen bekommen könnten, würden wir das tun.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Refurbed-Checkliste: 5 Qualitätsstandards, die herkömmliche gebrauchte iPhones nicht erfüllen

Preisbewusstsein, Nachhaltigkeit und Qualität sind die Dinge, die für die meisten heutzutage beim Kauf von Smartphones im Mittelpunkt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Rechenzentrumsgeschäft treibt Nvidias über den Erwartungen liegende Ergebnisse an
26.02.2026

Nvidia gab am Mittwoch nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das vierte Quartal bekannt, die die Erwartungen der Analysten sowohl beim...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street im Aufwind dank Technologie-Rallye
25.02.2026

Die US-Aktienmärkte schlossen am Mittwoch mit starken Gewinnen, wobei Technologiewerte die Wall Street antrieben. Die Anleger bereiteten...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie klettert: Quartalszahlen des US-Chipkonzerns übertreffen Erwartungen
25.02.2026

Die Nvidia-Aktie hat nach Bilanzvorlage deutlich zugelegt, die Nvidia-Zahlen katapultieren den Chipriesen in neue Dimensionen. Doch wie...

DWN
Politik
Politik China-Reise mit Wirtschaftsdelegation: Strategische Balance auf schwierigem Terrain für Bundeskanzler Merz
25.02.2026

Der Bundeskanzler macht sich bei seiner ersten China-Reise für eine enge Kooperation stark. Ein seit einigen Jahren eingeschlafenes...

DWN
Politik
Politik Reform Heizungsgesetz: Schutz vor steigenden Mietnebenkosten unklar
25.02.2026

Die Reform des Heizungsgesetzes sorgt für Unsicherheit: Welche Kosten kommen auf Mieter und Eigentümer zu? Details zum Schutz vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stromausfälle in der Ukraine: Industrie und Wirtschaft geraten ins Stocken
25.02.2026

Die anhaltenden Stromausfälle verschärfen die wirtschaftliche Krise in der Ukraine und setzen Industrie, Staatsfinanzen und Wachstum...

DWN
Politik
Politik Neuwahl in Brandenburg: Stopp von Bürgermeisterwahl - Post weist Vorwürfe zurück
25.02.2026

Der erste Durchgang einer Bürgermeisterwahl in Brandenburg wird annulliert. Im Raum steht der Vorwurf der Wahlfälschung im Zusammenhang...

DWN
Technologie
Technologie Studie: KI-generierte Gesichter tricksen Experten und Super Recognizer aus
25.02.2026

Selbst Experten für Gesichtserkennung können KI-generierte Gesichter kaum von echten unterscheiden. Wie schnitten sie im Vergleich zu...