Wirtschaft

Kambodscha steigt in die Riege der Öl-Nationen auf

Der Einstieg in die Rohöl-Förderung stellt eine dringend benötigte Diversifikation der Energiequellen des südostasiatischen Landes dar.
04.01.2021 15:01
Aktualisiert: 04.01.2021 15:01
Lesezeit: 3 min
Kambodscha steigt in die Riege der Öl-Nationen auf
Studenten feiern den 62. Jahrestag der Unabhängigkeit von Frankreich im November 2015 in Phnom Penh. (Foto: dpa) Foto: Mak Remissa

Kambodscha hat erstmals in seiner Geschichte mit der Förderung von Rohöl begonnen. Wie der Premierminister des südostasiatischen Landes, Samdech Hun Sen, mitteilte, wurde am 28. Dezember mit der Förderung von Rohöl im Golf von Thailand rund 160 Kilometer von der im Südwesten des Landes gelegenen Großstadt Sihanoukville begonnen.

Das Ölfeld wird vom kambodschanischen Staat zusammen mit der in Singapur ansässigen Gesellschaft KrisEnergy ausgebeutet, welche mit einer Beteiligung von 95 Prozent der Mehrheitsaktionär des Projektes ist. Nach einer erfolgreich verlaufenden Testphase, die bis Ende Februar des laufenden Jahres angesetzt wurde, sollen die Förderkapazitäten auf bis zu 7.500 Barrel Rohöl pro Tag gesteigert werden. Ein Barrel entspricht einem Faß von 159 Litern.

Ein Projekt mit langer Vorgeschichte

Der Förderstart Ende Dezember 2020 markiert den vorläufigen Höhepunkt langjähriger Bestrebungen, in den kambodschanischen Gewässern des Golfs von Thailand Erdöl zu fördern. Bereits im Jahr 2004 hatte der US-amerikanische Energiekonzern Chevron die Vorkommen in der Region entdeckt und Ansprüche angemeldet, war in den Folgejahren jedoch nicht im Stande, ein Abkommen mit der Regierung in Phnom Penh abzuschließen.

Als der globale Ölmarkt schließlich im Jahr 2014 infolge starker Preiseinbrüche in die Krise rutschte, verkaufte Chevron seine Konzessionen für 65 Millionen Dollar an Kris Energy. 2017 schloss das Unternehmen aus Singapur dann ein Förderabkommen mit Kambodscha zur Entwicklung eines 3.083 Quadratkilometer großen Gebietes auf hoher See ab.

„Das Jahr 2021 kommt und wir haben ein riesiges Geschenk für unsere Nation erhalten – die erste Ölförderung auf unserem Staatsgebiet. Dies ist ein signifikanter Schritt für Kambodscha, nationale Kapazitäten in der Öl-, Erdgas- und Energieindustrie aufzubauen. Zu den wichtigsten Vorteilen gehören Einnahmen für den Staatshaushalt und wirtschaftliche Vorteile mit Blick auf die Diversifikation, welche durch den Aufbau einer Ölindustrie einhergehen“, wird der Premierminister vom englischsprachigen Dienst der Deutschen Welle zitiert.

Die Regierung erhofft sich einer Schätzung aus dem Jahre 2017 zufolge jährliche Einnahmen von etwa 500 Millionen US-Dollar (rund 410 Millionen Euro) resultierend aus Steuern und Abgaben in der ersten Phase des Projekts.

Probleme mit der Wasserkraft: Öl ist hoch willkommen

Für Kambodscha – eines der ärmsten Länder Südostasiens – ist der Einstieg ins Ölgeschäft ein Segen, weil dieser eine willkommene Möglichkeit zur Diversifikation des Energiemixes darstellt. Derzeit generiert das Land drei Viertel seiner Energie selbst – zu etwa gleichen Teilen aus Wasserkraft und aus Kohlekraft.

Infolge mehrerer Dürreperioden war die Leistung der Wasserkraftanlagen in den vergangenen Jahren jedoch gesunken und litt verstärkt unter Schwankungen und Unberechenbarkeiten. Zuletzt kam es ab Anfang des vergangenen Jahres zu einer lang anhaltenden Dürre, welche auch die Anrainerstaaten Vietnam, Laos und Thailand heimsuchte. Die Regierung reagierte auf die zunehmenden Schwächephasen der wichtigen Energiequelle Anfang des Jahres 2020 mit ambitionierten Plänen, die Kapazitäten im Bereich der nicht so stark von externen Faktoren abhängigen Kohleverstromung zu verdreifachen.

Konzerne kritisieren die neue Energiepolitik

Die Pläne zum Ausbau der Kohleenergie stießen bei einigen der im Land tätigen internationalen Konzernen auf Bedenken. Wie Nikkei Asia berichtet, schrieben der Textilgigant H&M, die Sportbekleidungshersteller Adidas, Puma und Gap sowie der amerikanische Fahrradproduzent Specialized und die Betonfirma Chip Mong Insee im August einen offenen Brief an die Regierung, in welchem sie ihr Unbehagen darüber äußerten, dass Kambodscha an dem fossilen Energieträger Kohle festhalten anstatt auf Wind- und Wasserkraft zu setzen.

Diese Entscheidung, so die Unterzeichner, mache den Standort Kambodscha „weniger attraktiv“, weil sie die Erreichung ihrer firmeninternen „Klimaziele“ erschwere. „Die Entscheidung fixiert Kambodscha in einer Zukunft, die im Gegensatz zu globalen und regionalen Trends steht und weniger attraktiv für unsere Industrie ist. Länder, welche heute erneuerbare Energieformen und eine grüne Zukunft priorisieren, vermeiden es, Geld für altmodische Technologien auszugeben, welche bald obsolet und teuer sein werden“, zitiert Nikkei Asia aus dem Brief.

Tatsächlich kann es sich ein armes Land wie Kambodscha derzeit jedoch nicht leisten, Milliarden in den Aufbau einer alternativen Energiestruktur zu investieren, welche überdies im Falle der Sonnen- und Windkraft nicht voraussagbaren Umwelteinflüssen unterliegt und daher keine berechenbare Grundenergie bieten kann.

Mit dem nun forcierten Ausbau der Kohlekraft liegt Kambodscha im Trend bei Schwellenländern aller Kontinente, welche seit einigen Jahren in großem Stil in den Bau von Kohlekraftwerken investieren. So sind dem damaligen deutschen Entwicklungsminister Müller zufolge beispielsweise alleine in Afrika 950 neue Kohlekraftwerke in Planung oder Bau. Auch China treibt die Nutzung der Kohlekraft massiv voran. Der Ausbau im Reich der Mitte machte im vergangenen Jahr Schätzungen zufolge rund 90 Prozent der weltweit geplanten Kapazität, 86 Prozent der Baubeginne und 62 Prozent der Inbetriebnahmen aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...