Unternehmen

Auch Aktionäre von Fiat Chrysler stimmen Fusion mit PSA zu

Nach der Zustimmung der Aktionäre des Opel-Mutterkonzerns PSA haben auch die Anteilseigner von Fiat Chrysler die Fusion gebilligt. Zwei Autohersteller mit europäischen Wurzeln bilden mitten in der Corona-Krise einen neuen Branchengiganten.
04.01.2021 16:42
Aktualisiert: 04.01.2021 16:42
Lesezeit: 2 min
Auch Aktionäre von Fiat Chrysler stimmen Fusion mit PSA zu
Opel ist nur eine der zahlreichen Marken im entstehenden Superkonzern. (Foto: dpa) Foto: Boris Roessler

Weg frei für den neuen Autoriesen Stellantis: Die Aktionäre haben die Megafusion ihrer Konzerne PSA und Fiat Chrysler (FCA) mit überwältigender Mehrheit gebilligt. In getrennten Hauptversammlungen gab es am Montag jeweils fast einhundert Prozent Zustimmung, wie die Unternehmen berichteten.

«Wir sind bereit für diese Fusion», resümierte PSA-Konzernchef Carlos Tavares. Der 62-Jährige wird auch den künftig viertgrößten Autohersteller der Welt mit rund 400 000 Beschäftigten führen. Zu PSA gehört schon seit längerem der deutsche Hersteller Opel.

Der Termin für den Zusammenschluss mit dem italienisch-amerikanischen Hersteller FCA solle sehr bald mitgeteilt werden, sagte Tavares bei dem Aktionärstreffen seines Unternehmens. Konkreter wurde er nicht. Bisher war davon die Rede gewesen, den milliardenschweren Deal bis Ende März abzuschließen. Der aus Portugal stammende Topmanager sagte, dass sich zwei gesunde Unternehmen zusammenschließen. «Das ist ein historischer Augenblick.»

«Stellantis wird einer der weltweit führenden Fahrzeughersteller sein», sagte FCA-Verwaltungsratsvorsitzender John Elkann. Noch wichtiger sei, dass ein Unternehmen mit der Größe, den Ressourcen, der Vielfalt und dem Know-how entstehe, «um erfolgreich die Möglichkeiten einer neuen Ära zu ergreifen». Der 44-Jährige soll im neuen Verbund Verwaltungsratschef bleiben - er ist Enkel des legendären Fiat-Patriarchen Giovanni «Gianni» Agnelli (1921-2003).

Wegen der Corona-Beschränkungen in Frankreich gab es für die Anteilseigner von PSA keine Präsenzveranstaltung. PSA-Aktionäre bekommen laut Unternehmen für einen Anteil 1,742 Stellantis-Anteile. Das neue Unternehmen wird seinen offiziellen Sitz in den Niederlanden haben.

Die EU-Wettbewerbshüter hatten der Autohochzeit «unter Gleichen» bereits im Dezember mit Auflagen zugestimmt. Der neue Verbund mit großen Standbeinen in Europa und in Nordamerika wird 14 Marken führen, darunter sind Opel, Peugeot, Citroën, Chrysler, Jeep, Alfa Romeo, Lancia, Abarth und Dodge. Die Marken sollen auch weiter Bestand haben.

Fiat Chrysler und PSA setzten vor der Corona-Krise zusammen rund 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr ab und hatten einen Umsatz von 170 Milliarden Euro. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund waren 2019 größer.

Tavares bestätigte frühere Aussagen, wonach es jährlich Synergien im Umfang von fünf Milliarden Euro geben soll. Vor dem Ausbruch der Corona-Krise mit dramatischen Auswirkungen auf die Autobranche hatte er versichert, es sollten keine Werke geschlossen werden.

In seiner Rede lobte Tavares zwar die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern bei der Vorbereitung der Fusion, ging aber auf die Beschäftigung nicht im Detail ein. In französischen Medien hieß es, eine Restrukturierung des neuen Verbundes sei vor dem Hintergrund der Krise unvermeidlich. Allein in Frankreich waren nach Branchenangaben im vergangenen Jahr über 25 Prozent weniger Personenwagen neu zugelassen worden.

Tavares sagte, dass PSA und FCA gemeinsam besser aufgestellt seien. Die Branche ist mit einer Doppelbelastung aus Pandemie-Folgen und Technik-Umbruch konfrontiert, eine große Herausforderung ist beispielsweise die E-Mobilität.

Wie die Regionalzeitung «Le Parisien - Aujourd-hui en France» berichtete, wird die Familie Agnelli mit rund 14,4 Prozent im neuen Konzern vertreten sein. Es folgt demnach die Familie Peugeot mit 7,4 Prozent. Der französische Staat sei über eine Beteiligungsgesellschaft mit 6,1 Prozent im Boot. Etwa zwei Drittel der Anteile seien im Streubesitz.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäischer Medtech ist günstig, Goldrückgang ist vorübergehend
27.09.2026

Die Wall Street glänzt nahe seinen Rekordhöhen, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Künstliche Intelligenz die...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.09.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Andalusien: „In meinem Herzen habe ich zwei Seelen“
27.09.2026

Jens Halbroth und seine Frau Claudia suchten jahrelang nach einem neuen Lebensmittelpunkt. Sie reisten mit Motorrad und Wohnmobil durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
27.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Technologie
Technologie KI und Burnout: Warum ausgerechnet Entlastung krank machen kann
27.09.2026

KI soll Beschäftigte entlasten, Routinearbeit übernehmen und Unternehmen produktiver machen. Doch ausgerechnet die neue Effizienz schafft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Horacio Pagani im Porträt: Seine Autos sind verkauft, bevor die Öffentlichkeit sie sieht
27.09.2026

Horacio Pagani baut keine Autos für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr sollen es gerade einmal rund 50 gewesen sein, das günstigste...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmensnachfolge: Mehr Schließungs- als Übergabepläne im Mittelstand
27.09.2026

Erstmals wollen mehr Mittelständler dichtmachen als übergeben. Betroffen sind auch profitable Betriebe mit vollen Auftragsbüchern. Oft...