Deutschland

Bundesregierung muss Prognose für Wirtschaftswachstum absenken

Bundesregierung hat ihre früheren Prognosen zur wirtschaftlichen Erholung deutlich nach unten korrigiert. Hintergrund ist der erneute Lockdown.
27.01.2021 10:19
Lesezeit: 2 min
Bundesregierung muss Prognose für Wirtschaftswachstum absenken
Bundeskanzlerin Angela Merkel. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Die Bundesregierung rechnet mit einem schwierigeren und längeren Weg aus der coronabedingten Wirtschaftskrise. Sie schraubt die Konjunkturprognose für dieses Jahr herunter. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde weiter maßgeblich vom Pandemieverlauf und den Maßnahmen zur Eindämmung beeinflusst, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) stellt den Bericht am Mittwochmittag vor.

Nach einem Einbruch der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr laut Bericht mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,0 Prozent. Die Wirtschaftsleistung vor der Krise dürfte erst zur Mitte des Jahres 2022 wieder erreicht werden.

In seiner Ende Oktober vorgelegten Herbstprognose hatte Altmaier für 2021 noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 4,4 Prozent gerechnet. Damals hieß es, das Vorkrisenniveau werde frühestens zum Jahreswechsel 2021/2022 wieder erreicht werden.

Angesichts hoher Infektionszahlen hatten Bund und Länder mit Wirkung ab November einschneidende Maßnahmen beschlossen, etwa die Schließung der Gastronomie sowie von Einzelhandelsgeschäften.

Der Lockdown habe eine erhebliche Verlangsamung der Konjunkturdynamik bewirkt, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Es sei davon auszugehen, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal noch deutlich von der Pandemie beeinträchtigt werde. Weiter heißt es: "Im weiteren Verlauf nach Stabilisierung der pandemischen Lage durch die Impfung größerer Bevölkerungsgruppen und der Rücknahme der Einschränkungen des öffentlichen Lebens dürfte die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen."

Der Jahresprojektion liegt die Annahme zugrunde, dass der im Dezember verschärfte Lockdown bis in den Februar hinein bestehen bleibt und die Wertschöpfung in den betroffenen Bereichen schrittweise wieder anläuft. Der Lockdown ist bisher bis Mitte Februar befristet. Angesichts der Gefahr durch mutierte Corona-Varianten gilt es aber auch als möglich, dass der Lockdown noch einmal verlängert wird.

Altmaier steht seit längerem in der Kritik von Wirtschaftsverbänden. Sie werfen ihm eine schleppende Umsetzung staatlicher Finanzhilfen für Unternehmen und zu viel Bürokratie vor. Die Bundesregierung hatte Nachbessrungen angekündigt.

Die Entwicklung der Wirtschaft bleibe zunächst grundsätzlich zweigeteilt, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht. Einem von sozialen Kontakten stärker abhängigen und daher durch die Pandemie stärker beeinträchtigten Dienstleistungssektor stehe eine sich robust entwickelnde Industrie gegenüber. Im Jahresverlauf sei mit der allmählichen Überwindung der Corona-Pandemie und einer Erholung der Dienstleistungsbereiche zu rechnen.

Die vor dem zweiten Lockdown beobachtete positive Entwicklung am Arbeitsmarkt dürfte sich erst im Frühjahr fortsetzen, heißt es weiter. "Steigende Erwerbstätigkeit und Löhne sorgen dann für Einkommenszuwächse und stützen den privaten Konsum."

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr gesenkt, und zwar um 0,7 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Erst in der vergangenen Woche hatte der IWF Deutschland in einer separaten Länderstudie ein vergleichsweise gutes Corona-Krisenmanagement bescheinigt, zugleich aber gemahnt, wirtschaftliche Hilfen nicht zu früh wieder einzustellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Zinsen bleiben bei 2 Prozent bei sinkender Inflation im Euroraum
05.02.2026

Die Inflation im Euroraum fällt überraschend deutlich – doch hinter der scheinbaren Entspannung verbergen sich neue Risiken. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Silbermarkt: Zwischen Boom, Knappheit und hoher Volatilität
05.02.2026

Der Silberpreis stürmte monatelang nach oben – dann folgte ein abrupter Absturz. Hinter der Achterbahnfahrt stehen knappe Reserven,...

DWN
Immobilien
Immobilien Absage bei der Wohnungssuche: Wann ist eine Wohnungsabsage rechtswidrig?
05.02.2026

Die Wohnungssuche kann frustrierend sein, selbst wenn Einkommen und Bonität stimmen. Manchmal steckt hinter Absagen mehr als nur Zufall....

DWN
Finanzen
Finanzen Siemens Healthineers-Aktie: Stark belastet durch Euro und US-Zölle
05.02.2026

Die Siemens Healthineers-Aktie startet schwächer ins neue Geschäftsjahr. Euro und US-Zölle belasten Umsatz und Ergebnis spürbar.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahnrechte im Winter: Entschädigung bei Schnee und Eis – welche Fahrgastrechte gelten?
05.02.2026

Schnee, Eis und Verspätungen bringen den Bahnverkehr regelmäßig durcheinander. Doch nicht jedes Winterwetter gilt als...

DWN
Finanzen
Finanzen Renaissance Europas: Warum der Kontinent den US-Aktien-Markt übertrifft
05.02.2026

Seit Trumps Wahlsieg 2024 schwächelt der US-Dollar massiv gegenüber dem Euro. Europäische Aktien laufen hingegen zu Höchstformen auf,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kartellamt schränkt Amazons Preisvorgaben ein: Geldzahlung
05.02.2026

Die Marktmacht von Amazon ist enorm: Rund 60 Prozent des Online-Handels in Deutschland entfallen auf den US-Konzern. Nun geht das...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie unter Druck: Analysten senken Kursziele deutlich
05.02.2026

Die Rheinmetall-Aktie hat am Donnerstag stark nachgegeben. Analysten senken ihre Prognosen, charttechnische Signale verschärfen den...