Finanzen

Kleinanleger treiben Silberpreis, Establishment hält mit Futures-Manipulationen dagegen

Der Preis für Silber war am Montag erstmals seit Jahren über die Marke von 30 Dollar gestiegen, gerät derzeit aber wieder unter Druck.
02.02.2021 10:25
Aktualisiert: 02.02.2021 10:25
Lesezeit: 2 min
Kleinanleger treiben Silberpreis, Establishment hält mit Futures-Manipulationen dagegen
Silberbarren. (Foto: dpa) Foto: Wolfgang Hartmann

Kleinanleger drängen verstärkt in den Silbermarkt. Am Montagvormittag stieg die Notierung für eine Feinunze (31,1 Gramm) Silber erstmals seit Anfang 2013 über die Marke von 30 US-Dollar. Der starke Preisanstieg setzte bereits am vergangenen Donnerstag ein und hatte zwischenzeitlich ein Ausmaß von etwa 15 Prozent erreicht.

Wie zuvor bei den heiß gehandelten Aktien angeschlagener Firmen wie Gamestop oder der Kinokette AMC führen Marktbeobachter die Kursrally maßgeblich auf konzertierte Käufe von Privatanlegern zurück, die sich in Internetforen organisieren. Angetrieben von Hobby-Spekulanten auf der Onlineplattform Reddit waren die Aktien von Gamestop, AMC und einigen anderen Unternehmen zuletzt extrem in die Höhe geschossen. Auch die Papiere von Varta erwiesen sich als Spielball. Sie waren in der Vorwoche zeitweise um über ein Drittel nach oben geschossen waren, rutschten am Montag aber wieder ab.

Durch die enorme Kursrally erlitten einige große Hedgefonds, die gegen Gamestop und Co. gewettet hatten, hohe Verluste. Einer davon, auf den sich die Reddit-Community stark eingeschossen hat, ist Melvin Capital. Dessen verwaltetes Vermögen sank nach Informationen des "Wall Street Journal" im Januar zeitweise um mehr als die Hälfte - vor allem wegen der gescheiterten Wette gegen Gamestop. Nach einer Finanzspritze von anderen Hedgefonds verfüge Melvin Capital inzwischen aber wieder über Mittel von rund 8,0 Milliarden Dollar.

Establishment hält mit Futures-Manipulationen dagegen

Inzwischen sind die Preise für Silber wieder auf rund 26,50 Dollar pro Feinunze gesunken. Dahinter stehen konzertierte Aktionen großer Banken im Futuresmarkt sowie eine Anhebung der Sicherheitshinterlegungen bei der Chicago Mercantile Exchange.

Der Finanzdienstleister Solvecon kommentiert den Sachverhalt in seinem aktuellen Forex-Report:

Die gerichtlich mehrfach nachgewiesene und seit Jahren offenkundige Manipulation über die Future-Märkte (Papiersilber) sah sich Angriffen der „kleinen Marktteilnehmer“ ausgesetzt, die sonst regelmäßig wurden. In der Folge konnte Silber kurzfristig die 30 USD-Marke überspringen. Dann folgte der gewöhnliche „Modus Operandi“ seitens des Finanzestablishments. Die CME (Chicago Mercantile Exchange) erhöhte die erforderliche Sicherheitsleistung pro Future-Kontrakt um 18% (Initial Margin).

Regelmäßig werden Investitionswellen im Edelmetallsektor über dieses Mittel der erhöhten liquiden Einschüsse gebrochen. Für die Verkäufer (Establishment) stellt die erhöhte Liquiditätsanforderung regelmäßig kein Problem dar, für die restliche Marktkulisse sehr wohl (ansatzweise Zwangsliquiditation). In der Folge verlor der Silberpreis an Boden (aktuell (28,51 USD). Um die Divergenz zwischen dem physischen Markt und dem Papiermarkt zu verdeutlichen, wenden wir uns Fakten zu: Gestern handelte 1 Unze Silber (Silver Eagle) bei USD 43,20. Dieser Preis liegt sage und schreibe mehr als 51% über dem Papierpreis. Fraglos ist das eine Momentaufnahme und überzeichnet das Problem. Diese Momentaufnahme beschreibt das Problem dennoch trefflich. Vergleichbar ist die Situation mit den Preisen für Güter, die in den DDR-Läden offiziell ausgewiesen wurden, aber kaum zu diesen Preisen verfügbar waren und dem, was der freie Markt bezahlte. Wer hätte sich schon vorstellen können, dass nach dem Fall des Kommunismus 1990 mit seiner Mangelwirtschaft 2021 derartige Zustände im Finanzsektor des Kapitalismus in Teilen Raum greifen. „Chapeau!“

Future-Märkte wurden einmal ins Leben gerufen, um den physischen Markt effizienter zu gestalten (Preis, Flexibilität). Das war auch lange der Fall. Erst seit der zweiten Hälfte der 90er Jahre lassen sich auch durch den Konzentrationsprozess der entscheidenden US/UK-Banken (circa 7), die den FutureMarkt faktisch kontrollieren, in diversen Märkten Anomalien feststellen (=monopolistisches Oligopol- perfekter Markt erfordert ein Polypol!). Am offensichtlichsten waren die Anomalien über die letzten 20 Jahre am Edelmetallmarkt. Trotz einer Phalanx von Urteilen gegen die Manipulatoren mit grundsätzlich überschaubaren Strafzahlungen (!) änderte sich bis heute nicht wirklich etwas. Was sagt das über die Börsenaufsicht und das System in den USA aus? Futures wurden nach meiner Kenntnis nicht ins Leben gerufen, um Preise zu manipulieren.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Nach der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Trump:Standard Chartered sieht XRP als potenziell renditestärkste Kryptowährung im Jahr 2026

Vor dem Hintergrund der Genehmigung eines XRP-ETFs durch Donald Trump und einer deutlich verbesserten regulatorischen Lage in den USA...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Cybergefahr für Bankkunden: Sicherheitsamt warnt vor Betrugswelle
09.01.2026

Phishing-Mails, gefälschte Webseiten und Anrufe unter falschem Namen nehmen zu – Betrüger versuchen gezielt, an das Geld von Bankkunden...

DWN
Panorama
Panorama Berliner Blackout: Wegner startet Analyse des Krisenmanagements
09.01.2026

Nach dem öffentlichen Wirbel um sein Tennismatch während des Stromausfalls will Berlins Regierungschef Wegner verlorenes Vertrauen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zwischen Pflichtgefühl und Selbstfürsorge: So entscheiden sich Beschäftigte bei Krankheit
09.01.2026

Viele Arbeitnehmer stehen täglich vor der Frage, ob sie trotz Beschwerden zur Arbeit gehen oder eine Pause einlegen. Diese Entscheidung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen EU-Regulierung für digitale Dienste: Strafverfolgung verlagert Verantwortung auf Firmen – Ihre Rechte
09.01.2026

Eine unscheinbare EU-Verordnung verändert das Machtgefüge zwischen Staat und Unternehmen. Digitale Dienste geraten stärker in die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mittelstand vor Umbruch: Viele Firmen stehen ohne Nachfolger da
09.01.2026

Der deutsche Mittelstand steht vor einem grundlegenden Wandel: Zahlreiche Unternehmen sehen sich mit einer Herausforderung konfrontiert,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kälte zehrt an den Reserven: Wie sicher ist die Gasversorgung im Winter?
09.01.2026

Anhaltende Minusgrade lassen den Gasverbrauch in Deutschland deutlich steigen, die Speicher leeren sich schneller als in den vergangenen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarifkonflikt spitzt sich zu: Verdi erhöht Druck auf Autobahn GmbH
09.01.2026

Im Tarifstreit bei der Autobahn GmbH wächst der Druck auf die Arbeitgeberseite. Die Gewerkschaft Verdi fordert ein deutliches Lohnplus und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Protest mit Traktoren und Feuer: Bauern verschärfen Widerstand gegen Mercosur
09.01.2026

Mit brennenden Barrikaden und blockierten Verkehrsachsen erhöhen französische Landwirte den Druck auf die Politik. Unmittelbar vor der...