Finanzen

Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?

Ein Finanzanalyst spricht von einem „Bitcoin-Casino“, bei dem der Preis über eine „Buy & Hype“-Taktik künstlich in die Höhe getrieben wird. Ein großer Preisverfall ist nicht ausgeschlossen. Doch die US-Notenbank könnte als Retter der Bitcoin-Besitzer einspringen.
02.03.2021 10:00
Lesezeit: 3 min
Springt die US-Notenbank als Retter ein, wenn es zum Preis-Krach beim Bitcoin kommt?
Der Chef der US-Notenbank ist Jerome Powell. (Foto: dpa) Foto: Patrick Semansky

Bitcoin wird derzeit mit rund 48.000 Dollar gehandelt. „Die Marktkapitalisierung liegt bei über einer Billion US-Dollar. Dieser herrliche Moment hat mein Gedächtnis erschüttert, also habe ich diese alte E-Mail ausgegraben. Im August 2012 wurde ich über meine Website von einem Typen über Bitcoin kontaktiert. Zu der Zeit lag der Bitcoin-Kurs bei zehn Dollar. Er wollte mein Buch kaufen und mit Bitcoin bezahlen. Für das Taschenbuch, das bei Amazon für etwa 15 Dollar verkauft wird, hätte er mehr als eineinhalb Bitcoin geben müssen. Der Erlös aus dem Verkauf dieses Taschenbuchs würde heute also rund 85.000 verachtete Fiat-Dollar betragen. Er nannte Bitcoin eine ,Währungsrevolution,. Er schrieb: ,Es gibt eine große und wachsende Gemeinschaft von Bitcoin-Nutzern, die von Dollar und Euro abwandern, weil diese Währungen zu nichts aufgeblasen werden‘. Und er sagte: ,Der Wert eines Bitcoin hat sich in den letzten 4 Monaten verdoppelt.‘ (…) Vielleicht hätte ich ihm ein Buch verkaufen können, plus drei weitere Bücher an einige andere Leute in den Internetforen, die er besuchte, insgesamt vier Bücher für insgesamt sechs Bitcoin. Heute hätten sich diese sechs Bitcoin auf 342.000 verachtete Fiat-Dollar belaufen“, so der Analyst Wolf Richter in einem Beitrag auf der Webseite „Wolf Street“.

Doch Richter kritisiert, dass der Bitcoin-Kurs in den kommenden Jahren von den Mainstream-Medien künstlich in die Höhe getrieben wurde. Alle seien nach dem Prinzip „kaufen und übertreiben“ vorgegangen. „Diese beiden Faktoren waren das wahre Genie hinter Bitcoin“, meint Richter.

Dies habe nichts mit Geld zu tun, sondern sei eine Form des Glücksspiels, bei der immer mehr neue Spieler das Casino betreten und den Preis erhöhen. Immer mehr Spieler würden sich gegenseitig das Bitcoin verkaufen, alle vereint in dem einzigartigen Zweck den Preis in die Höhe zu treiben, um noch reicher zu werden. Dies sei ein reines Glücksspiel. Richter behauptet: „Der zweite Teil, den ich nicht ganz verstanden habe: Dass diese Form des Glücksspiels davon abhängt, dass immer mehr neue Spieler das Casino betreten und den Preis erhöhen, und dass es jedermanns Aufgabe wäre, neue Spieler zu gewinnen, wie ein riesiges Pyramidensystem. Und den dritten Teil habe ich damals auch nicht ganz verstanden, aber jetzt wurde zweifelsfrei bewiesen: Alle diese Spieler im Casino sind sich einig in dem einzigartigen Zweck, den Preis zu erhöhen, damit jeder reich werden kann.“

Nach Bitcoin seien die anderen Kryptowährungen gekommen. Mittlerweile gibt es über 4.000 Kryptowährungen. Der gesamte Kryptoraum zusammen habe jetzt eine Marktkapitalisierung von fast zwei Billionen US-Dollar. Über die Hälfte davon gehe auf den Bitcoin zurück.

Richter meint, dass er erfahrungsgemäß niemals die sechs Bitcoins für einen Preis in Höhe von 342.000 Dollar hätte verkaufen können, wenn er den Deal mit seinen Buchverkäufen eingegangen wäre. Es sei wahrscheinlicher, dass er die Bitcoins bei einem Kurs von 1.000 Dollar verkauft hätte. So müsste es auch anderen gegangen sein. Dann führt er aus: „Ich hätte verkauft, weil Bitcoin kein Eigentum an etwas anderem als an der digitalen Einheit darstellt. Es ist kein Eigenkapital eines Unternehmens oder einer Immobilie oder irgendetwas anderem. Bitcoin produziert nichts. Es hat keine physische Präsenz wie Gold. Bitcoin hat keine Einnahmen oder Erträge, zahlt keine Zinsen oder Dividenden und verfügt über keine andere Metrik, anhand derer der Wert beurteilt werden kann. Und das ist der Schlüssel zu seinem Preis. Niemand kann jemals sagen, dass Bitcoin über- oder unterbewertet ist. Es hat keinen Wert. Es hat nur einen Preis, und was der Preis von einem Moment zum nächsten ist, wird von Spielern bestimmt, die versuchen, ihn durch Gaunerei höher zu treiben.“

Es gebe daher keine theoretische Begrenzung für den Preis. Der theoretische Bereich liege zwischen Null und Unendlich. Der Preis sei jenseits der Vorstellung, dass etwas Sinn macht oder nicht. Es sei nur eine Zahl. Es gebe keine Dividendenrendite oder eine andere Rendite, kein Ergebnis je Aktie, kein KGV und keine Cap-Raten.

Und im Gegensatz zu Gold, das auch keine Leistungsmetriken hat, habe Bitcoin keine physische Präsenz.

Niemand brauche Bitcoins. Es sei nur ein Spielgerät. Die Nachfrage sei künstlich und diese künstliche Nachfrage kann in kürzester Zeit verschwinden. Die große Verpflichtung bestehe darin, dass alle Spieler in diesem Casino „jedes Megaphon“ verwenden müssen, um den Preis zu erhöhen. Und es scheine, dass sich die großen Spieler, die größten Wall Street-Spieler und Kreaturen wie Tesla und eine Reihe von Hedgefonds mit riesigen globalen Megaphonen zusammengetan haben. Wenn die künstliche Nachfrage schwinden sollte, werde es zu einem drastischen Kurseinbruch kommen, meint er.

Vielleicht würden die großen Bitcoin-Besitzer auch hoffen, dass die US-Notenbank, wenn die Nachfrage plötzlich verschwindet, einspringt und sie aus ihrem Bitcoin herausholt, indem sie ihre Bitcoins kauft und ihnen Milliarden von Fiat-Dollar übergibt. Und erst an jenem Tag, an dem die US-Notenbank die größten am meisten gehebelten Bitcoin-Spieler rettet, weil der Preisverfall von Bitcoin droht, wird der Bitcoin in der Welt des realen Finanzsystems angekommen sein, so Richter.

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