Wirtschaft

Marktbericht: Chinas Ölnachfrage wird überschätzt

Viele setze darauf, dass Chinas Ölnachfrage eine Stabilisierung auf dem Ölmarkt herbeiführen könnte. Doch Analysten zufolge wird die chinesische Nachfrage überschätzt.
06.03.2021 11:48
Lesezeit: 1 min
Marktbericht: Chinas Ölnachfrage wird überschätzt
Ein Arbeiter auf Ölbohrinsel "Kantan Nummer 3" in den Gewässern des Südchinesischen Meeres. (Foto: dpa) Foto: Pu Xiaoxu

Der hohe Bedarf in Asien hat die optimistische Stimmung auf dem Ölmarkt in den letzten Wochen gestützt, aber die steigenden Preise könnten (und werden wahrscheinlich) die Nachfrage der weltweit wichtigsten Ölimportregion zurückgehen lassen. Fakt ist: Die asiatischen und insbesondere chinesischen Ölimporte waren seit Jahresbeginn stark. Es sind jedoch bereits Anzeichen dafür erkennbar, dass im zweiten Quartal nicht der erhoffte Kaufrausch stattfinden wird, da Ölpreise über 60 US-Dollar die Raffinerie-Margen belasten und darüber hinaus in chinesischen Raffinerien ab März und April Wartungsarbeiten geplant sind.

Die Rallye an den Öl-Futures- und Öl-Termin-Märkten ist derzeit stärker als der tatsächliche physische Rohölmarkt sowie die Preise für Ladungen, die nach China und in andere Länder Asiens gehen, schreibt der Reuters-Kolumnist Clyde Russell.

Die starken Importe Chinas im Januar 2021 trugen zur Unterstützung der globalen Ölnachfrage bei, als die Marktsperren in Europa - und in einer Reihe von chinesischen Städten - den Markt belasteten. Das Rohöl, das China im Januar importierte, wurde jedoch im Oktober und November gekauft, als die Ölpreise niedriger waren.

Da Brent-Öl nun regelmäßig mit der 65-Dollar-Marke zu beziffern ist, hat sich die Kauflust nicht nur in China, sondern auch in Indien verlangsamt. Diese beiden Märkte waren in den letzten Jahren im Allgemeinen die größten Wachstumstreiber der Nachfrage. Darüber hinaus werden chinesische Raffinerien in diesem und im nächsten Monat mit der geplanten Frühjahrspflege beginnen, was den Rohöleinkauf des weltweit führenden Ölimporteurs im zweiten Quartal weiter dämpfen könnte. „Die Nachfrage ist jetzt sehr langsam und es stehen viele Lieferanten zur Auswahl“, zitiert „Oilprice.com“ einen Insider.

Berichten zufolge steht China auch kurz vor dem Erreichen seiner Lagerkapazitätsgrenzen. Indien, der drittgrößte Ölimporteur der Welt, der für rund 80 Prozent seines Ölverbrauchs von Importen abhängig ist, ist auch beunruhigt über die höheren Ölpreise in den letzten Wochen, die seine Ölimportrechnung und die Inflation in die Höhe treiben.

Anfang dieser Woche forderte Indien die OPEC + erneut auf, die Produktion ab April anzukurbeln, und erklärte, es unterstütze keine „künstlichen Kürzungen, um den Preis in der Höhe zu halten“. Bereits im Januar, als die Ölpreise wieder auf den höchsten Stand seit 13 Monaten stiegen, forderte Indien die OPEC + auf, die Auswirkungen höherer Ölpreise auf den Verbrauch in den sich erholenden Volkswirtschaften zu berücksichtigen.

Die Ölnachfrage von Asiens Top-Importeuren ist derzeit sicherlich höher als zu Beginn der Pandemie, aber die „robuste asiatische Nachfrage“ ist heutzutage sicherlich nicht der einzige Treiber der Öl-Futures-Preise.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Robert Habeck warnt vor Putins nächster Falle: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“
01.11.2026

Europa hat die Gefahr durch Putin lange unterschätzt. Der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet, dass sich dieser Fehler in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Logistikkonzern C.H. Robinson verblüfft mit KI-gestütztem Gewinnsprung: So ist das gelungen!
01.11.2026

28 Prozent weniger Mitarbeiter, über 60 Prozent mehr Produktivität und Frachtangebote in nur 31 Sekunden: Der US-Logistikkonzern C.H....

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...