Deutschland

Corona-Fiasko: Kurzarbeitern drohen spürbare Steuernachzahlungen

Kurzarbeit ist Rettungsanker für Millionen Beschäftigte und ihre Arbeitgeber in der Pandemie. Auf viele Betroffene dürften dabei spürbare Steuernachzahlungen zukommen.
11.03.2021 10:28
Lesezeit: 1 min
Corona-Fiasko: Kurzarbeitern drohen spürbare Steuernachzahlungen
Zwei Kugelschreiber liegen auf einem Antragsformular für Kurzarbeitergeld. (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Arbeitnehmern in Kurzarbeit drohen Steuernachforderungen, obwohl das Kurzarbeitergeld selbst steuerfrei ist. Wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag mitteilte, nimmt der Fiskus für das Steuerjahr 2020 1,6 Milliarden Euro durch den sogenannten Progressionsvorbehalt beim Kurzarbeitergeld ein. Die Antwort liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. Dieser Vorbehalt bedeutet, dass das Kurzarbeitergeld den Steuersatz für den regulären Lohn und sonstige Einkünfte der Beschäftigten erhöht.

Kurzarbeit dürfte auch an diesem Freitag bei einem gemeinsamen Auftritt von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und dem Vorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, mit im Zentrum stehen. Beide wollen eine arbeitsmarktpolitische Bilanz zu „Ein Jahr Corona“ ziehen. Nach Einschätzung Scheeles sichert die Kurzarbeit in großem Umfang Beschäftigung und verhindert Arbeitslosigkeit.

Zwischen dem 1. und dem 24. Februar waren bei der Bundesagentur Kurzarbeitsanzeigen für 500.000 Personen eingegangen. Im Dezember wurde für 2,39 Millionen Menschen Kurzarbeitergeld gezahlt. Der Höchststand war im April vergangenen Jahres mit knapp sechs Millionen Menschen erreicht worden.

Im vergangenen Jahr war monatelang darüber diskutiert worden, ob der sogenannte Progressionsvorbehalt beim Kurzarbeitergeld für das Jahr 2020 ausgesetzt werden soll. Dass dies nicht geschah, wurde in der Koalition mit der Gerechtigkeit anderen Arbeitnehmern gegenüber begründet.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann geht davon aus, dass Kurzarbeitenden Steuernachforderungen in Höhe von mehreren hundert Euro pro Person drohen. Der Progressionsvorbehalt gilt auch für das Arbeitslosengeld. Zu den damit verbundenen Steuermehreinnahmen konnte die Bundesregierung jedoch keine Auskunft geben.

Zimmermann kritisierte: „Wer Kurzarbeitergeld bezieht, hat schon dadurch erhebliche Einkommenseinbußen erlitten.“ Dass nun auch noch Steuernachforderungen drohen, sei niemandem zu erklären, sagte Zimmermann der dpa. Sie forderte, den Progressionsvorbehalt beim Kurzarbeitergeld abzuschaffen.

Das Bundesfinanzministerium weist darauf hin, dass der Bezug von Kurzarbeitergeld nicht automatisch zur Steuernachzahlung führt. Das hänge etwa von der Steuerklasse, den Lohnsteuerabzügen vor Corona oder etwaigen anderen Einkünften ab. „Wird fast ausschließlich steuerfreies, dem Progressionsvorbehalt unterliegendes Kurzarbeitergeld erhalten, ergibt sich keine festzusetzende Steuer.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Politik
Politik Energiewende: CO2-Preis soll stabil bleiben im nächsten Jahr
16.10.2026

Der CO2-Preis, der Heizen und Tanken teuer macht, soll mit dem Jahreswechsel nicht steigen. Das soll Verbraucher vor Preissprüngen...

DWN
Finanzen
Finanzen Unicredit: EZB genehmigt Übernahme von Commerzbank-Anteilen
16.10.2026

Seit zwei Jahren pirscht sich die Unicredit an die Commerzbank heran. Mit einem Übernahmeangebot im Sommer verfehlte sie eine Mehrheit nur...

DWN
Finanzen
Finanzen Reform Erbschaftsteuer: Firmenerben bevorzugt? Karlsruhe prüft Steuervorteile
16.10.2026

Die Erbschaftsteuer soll reformiert werden, zumindestens in dem Punkt ist sich die schwarz-rote Koalition einig. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dow schließt deutlich höher, während sich die Wall Street erholttitle
15.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren und Einzelwerte die jüngste Erholung an den US-Börsen angetrieben haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerbesteuer auf Rekordhoch: Warum Kommunen trotzdem Milliarden fehlen
15.10.2026

Deutschlands Gemeinden haben 2025 so viel Gewerbesteuer eingenommen wie nie zuvor. Allerdings stiegen die Einnahmen nur geringfügig, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank-Aktien: US-Banken überraschen mit Zahlen, Dimon warnt vor wachsenden Risiken
15.10.2026

Während Goldman Sachs und Citigroup mit ihren jüngsten Quartalszahlen die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen haben, blieb...

DWN
Technologie
Technologie Solar-Aufschlag ab 2029: Drohen Mehrkosten für Photovoltaik-Besitzer – was hinter dem Prosumer-Aufschlag steckt
15.10.2026

Solaranlagen auf dem Dach könnten ab 2029 einen höheren Grundpreis für die Stromnetznutzung auslösen. Elf Verbände fordern, den...

DWN
Politik
Politik Berlin-Sondierungen gehen weiter: Linke, SPD und Grüne einigen sich auf zentrale Grundsätze
15.10.2026

Nach tagelangem Streit setzen Linke, SPD und Grüne in Berlin ihre Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung fort. Beim Umgang mit...