Deutschland

Auch Ärzte verwickelt: Anklagen wegen mutmaßlichem Millionenbetrug bei Pflegediensten

Die Staatsanwaltschaft München I Anklage hat wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in einer Vielzahl von Fällen Anklagen erhoben.
13.03.2021 10:25
Lesezeit: 1 min

Es geht um millionenschweren Betrug bei Pflegediensten in München und Augsburg: In drei Verfahrenskomplexen hat die Staatsanwaltschaft München I Anklage wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in einer Vielzahl von Fällen erhoben. Dutzende Pflegedienst-Mitarbeiter, Ärzte und Patienten seien in die Abzocke verwickelt gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft in München mit. Zunächst sind nun in den drei Verfahren 13 Personen angeklagt, doch es laufen noch Ermittlungen gegen rund 100 weitere Beteiligte. Die Anklagen wurden zum Landgericht München I und zum Landgericht Augsburg erhoben.

Der Inhaber eines Augsburger Pflegedienstes soll von Anfang 2014 bis Oktober 2019 unberechtigt rund 2,3 Millionen Euro abgerechnet haben. Gemeinsam mit drei Komplizen habe der Mann vor allem russischsprachige Pflegebedürftige angeworben, hieß es. Anstelle der abgerechneten Pflegeleistungen bekamen diese dann Hilfen im Alltag - etwa Unterstützung beim Einkauf.

Außerdem seien die Prüfungen zur Einstufung des Pflegrades gezielt manipuliert und ärztliche Verordnungen durch falsche Angaben zum Gesundheitszustand der Patienten erschlichen worden. Der Kopf der Gruppe soll zudem Arbeitslosengeld und Sozialhilfe erschlichen haben - letztere sogar noch, als er bereits in Untersuchungshaft saß. Die Fahnder beschlagnahmten bei ihm rund sieben Millionen Euro Bargeld. 3,2 Millionen Euro Schaden sollen mit einer ähnlichen Masche zunächst vier, später fünf Verantwortliche eines anderen Augsburger Pflegedienstes angerichtet haben.

Mindestens zwei Millionen Euro Schaden sollen Verantwortliche eines Münchner Pflegedienstes zwischen Februar 2015 bis Oktober 2019 verursacht haben - auch hier unter dem Mitwissen von weiteren Ärzten, Angestellten und Patienten. Die vier Angeschuldigten sitzen bereits in U-Haft, doch es laufen noch Ermittlungen gegen rund 50 eingeweihte Ärzte und Patienten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Perlon-Gruppe: Deutscher Weltmarktführer geht an China
10.06.2026

Die deutsche Chemie ist in einer schwierigen Lage, geplagt von hohen Kosten, schwachem Weltmarkt und chinesischer Konkurrenz. Ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toxische Chefs: Wie schlechte Führung Mitarbeiter vertreibt – und welche Lösung es gibt
10.06.2026

Viele kündigen nicht wegen des Jobs, sondern wegen des Chefs: Toxische Führung ist ein zentraler Kündigungsgrund, zeigt eine aktuelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sinkende Ausbildungszahlen: Falsche Wirtschaftspolitik kostet Ausbildungsplätze
10.06.2026

Hohe Ausbildungskosten, wirtschaftliche Unsicherheiten: Viele Unternehmen sparen inzwischen am Nachwuchs und fahren systematisch...

DWN
Technologie
Technologie Spotify gegen Apple: Machtkampf um die Zukunft der App-Ökosysteme
10.06.2026

Der Konflikt zwischen Spotify und Apple spitzt sich zu. Im Zentrum steht nicht nur Musik-Streaming, sondern die grundlegende Frage der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Personalabbau bei Chemieriese Evonik: 1.850 Arbeitsplätze fallen weg
10.06.2026

Deutschlands Industrie baut weiter ab: Der Essener Chemiekonzern Evonik streicht 1.850 Stellen bis Ende 2026. Die Krise der deutschen...

DWN
Finanzen
Finanzen Schaeffler-Aktie im Fokus: Erholung nach Vortagsrutsch - Was das Kursziel erhöht
10.06.2026

Aktie im Fokus: Für die Aktien von Schaeffler ist im vorbörslichen Handel am Mittwoch direkt wieder eine Erholung angesagt.

DWN
Politik
Politik FDP-Chef Kubicki rechnet mit Merz ab: “Erwartungsmanagement ist unterirdisch“
10.06.2026

In der ARD-Sendung Maischberger warf Kubicki dem CDU-Chef vor, "unglaublich schlecht" zu kommunizieren. Seine Kritik fällt deutlich aus...

DWN
Politik
Politik Nach Trump-Ansage: Netanjahu zu Alleingang gegen den Iran bereit
10.06.2026

Israel hat seine Angriffe auf den Iran auf US-Wunsch eingestellt - schließt aber einen Alleingang nicht aus. Ein Iran-Experte warnt vor...