Deutschland

Russen wollen in Schwaben Corona-Impfstoff Sputnik V produzieren

Der russische Pharmakonzern hat bei der europäischen Arzneimittel-Agentur die Produktion des Impfstoffes Sputnik V in Deutschland beantragt.
24.03.2021 09:36
Aktualisiert: 24.03.2021 09:36
Lesezeit: 2 min
Russen wollen in Schwaben Corona-Impfstoff Sputnik V produzieren
Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: dpa) Foto: Alexei Druzhinin

Der russische Pharmakonzern R-Pharm will von Juni oder Juli an im bayerisch-schwäbischen Illertissen den in Moskau entwickelten Corona-Impfstoff Sputnik V produzieren. "Wir unternehmen alle Anstrengungen, damit es im Sommer losgehen kann", sagte R-Pharm-Manager Alexander Bykow der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. In Illertissen könnten monatlich Millionen Dosen produziert werden. "Wir haben die Ausrüstung schon dort und die Kader", sagte Bykow. Die genaue Produktionskapazität nannte er nicht. Im Moment prüft die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Zulassung des Präparats.

"Wir warten auf die Entscheidung der EMA, weil das eine legitime Grundlage ist, auf der wir produzieren können", sagte Bykow. Von Illertissen aus könnten dann auch andere Staaten in der EU mit Sputnik V versorgt werden. Der bei dem Konzern für Gesundheitsökonomie zuständige Direktor warb um Vertrauen in die russische Biotechnologie, die eine lange Erfolgsgeschichte habe - etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Kinderlähmung.

Bei einer Veranstaltung in Moskau zur deutsch-russischen Zusammenarbeit in der Pharmazie sagte der EU-Gesundheitsexperte Jérôme Lepeintre, dass erst im Juni oder Juli mit einer EMA-Zulassung des Präparats zu rechnen sei. Im April seien zwei EMA-Inspektionen in Russland geplant. Dabei würden einmal die Produktionsanlagen und einmal die Lagerstätten begutachtet, sagte der Mitarbeiter der EU-Vertretung in Moskau am Dienstagabend.

Sputnik V wurde vom Gamaleja-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Der Impfstoff ist inzwischen in mehr als 50 Ländern zugelassen und wird international vom staatlichen Direktinvestmentfonds RDIF vertrieben.

Bundesregierung für Sputnik-Produktion in Deutschland

Die Bundesregierung bringt Vorgespräche für Bestellungen des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V ins Gespräch. Die EU-Kommission könne bereits jetzt Bestellwünsche der EU-Länder aufnehmen, auch wenn das Mittel noch nicht von der europäischen Arzneimittelbehörde EMA genehmigt sei, sagte ein Regierungsvertreter am Mittwoch in Berlin.

Bei einem Exportverbot für Impfstoffe aus der EU an Drittstaaten sei die Bundesregierung zurückhaltend, sagte der Vertreter. Der Import von Vorprodukten dürfe nicht gefährdet werden. Dennoch müsse man sehen, dass andere Länder ihrerseits Exportbeschränkungen für Impfstoffe hätten, hieß es mit Verweis auf Pläne der EU-Kommission, auf Reziprozität zu dringen. Viele Mitgliedstaaten sähen keine Notwendigkeit, den Verteilmechanismus der Impfstoffe innerhalb der EU zu ändern, wie dies etwa Österreich fordert. Beides werde möglicherweise Thema auf dem virtuellen EU-Gipfel am Donnerstag sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...

DWN
Immobilien
Immobilien Schlafen überm Edeka: Wie das Baurecht Wohnen im Gewerbegebiet blockiert
20.09.2026

Obwohl bundesweit 1,4 Millionen Wohnungen fehlen und Millionen Quadratmeter Gewerbefläche leer stehen, verbietet die Baunutzungsverordnung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein Group: Draghi versammelt Europas Machtelite
19.09.2026

Mario Draghi hat Europas wirtschaftliche Schwächen analysiert. Jetzt will er handeln: Mit der Rhein Group versammelt der frühere...