Finanzen

Russlands Staatsfonds kehrt dem US-Dollar den Rücken

Das russische Finanzministerium hat den Staatsfonds angewiesen, einen Prozess der „Ent-Dollarisierung“ einzuleiten.
31.03.2021 12:00
Lesezeit: 2 min
Russlands Staatsfonds kehrt dem US-Dollar den Rücken
Ein Mann geht im Jahr 2015 an einer Wechselkurs-Anzeige in Sankt Petersburg vorbei. (Foto: dpa) Foto: Anatoly Maltsev

Das russische Finanzministerium hat den staatlichen Vermögensfonds dazu angehalten, künftig weniger in Dollar-Wertanlagen und stattdessen verstärkt in alternative Wertanlagen zu investieren. Wie die staatliche Nachrichtenagentur RT berichtet, gehören zu diesen alternativen Anlagen auch Gold und andere Edelmetalle.

Bereits im Februar hatte das Finanzministerium – welches den Staatsfonds kontrolliert – den Anteil von in Dollar und Euro notierten Wertpapieren im Gesamtportfolio von 45 Prozent auf 35 Prozent herabgesenkt. Von der Umschichtung profitiert hatten demnach der japanische Yen und der chinesische Yuan, auf welchen nun 15 Prozent der Devisenallokation (zuvor 12 Prozent) des Fonds entfällt. Der Anteil des britischen Pfund wurde bei 10 Prozent konstant gehalten.

Der Staatsfonds soll in erster Linie das russische Rentensystem absichern, kann in Krisenzeiten aber auch herangezogen werden, um Defizite im Staatshaushalt auszugleichen. Zum 1. November 2020 verwaltete der Fonds Wertanlagen im Gegenwert von etwa 167 Milliarden US-Dollar.

Zentralbank mit starken Goldkäufen

Die angeordneten Investitionen des Staatsfonds in Gold und andere Edelmetalle passen ins Bild. Denn in der jüngsten Vergangenheit hatte die Zentralbank in großem Umfang Gold erworben. Zwischen 2014 und 2020 sollen die Bestände jährlich um mehr als 200 Tonnen gestiegen sein. Im Jahr 2018 soll Russland dann China – welches ebenfalls seit Jahren Gold kauft – als fünftgrößten Goldhalter der Welt abgelöst haben.

Der Kurs der „Ent-Dollarisierung“, welchen das Finanzministerium nun dem Staatsfonds verschrieben hat, wurde von der Zentralbank vorgezeichnet. Diese hatte sich in den vergangenen Jahren von einem Großteil ihrer US-Staatsanleihen getrennt. Im Januar schließlich überstieg das Gold-Volumen jenes der in Dollar notierten Wertpapiere erstmals überhaupt, wie der Blog Schiffgold damals berichtete. Nur noch das Euro-Volumen ist derzeit umfangreicher als das Gold-Inventar der Zentralbank.

Hintergrund der Entwicklung ist die von Präsident Wladimir Putin vorgegebene Strategie einer schrittweisen Abkehr vom Dollar, um das Land und die Volkswirtschaft weniger anfällig für Sanktionen der US-Regierung zu machen. Diese Strategie äußert sich beispielsweise konkret darin, dass der Euro den Dollar im russisch-chinesischen Handel inzwischen von der Spitzenposition verdrängt oder dass Russland in den vergangenen Jahren seinen Bestand an US-Staatsanleihen massiv reduziert hat.

Zuletzt hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow die Welt bei seinem Besuch in China zu einer Abkehr vom Dollar aufgerufen, wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten vergangene Woche berichteten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

 

DWN
Politik
Politik Streit um Nitrat im Grundwasser: Wasserversorger lehnen regionale Düngeregeln ab
25.09.2026

Die Nitratbelastung des Grundwassers durch die Landwirtschaft sorgt seit Jahrzehnten für Diskussionsstoff. Während die Landwirte auf...

DWN
Politik
Politik Etatdebatte im Bundesrat: Länder formieren Widerstand gegen geplante Steuererhöhungen
25.09.2026

Die Pläne der Bundesregierung zur Konsolidierung des Haushalts stoßen in den Bundesländern auf geschlossene Ablehnung. Vor allem die...

DWN
Politik
Politik Drei Szenarien für den EU-Gasmarkt: Wie teuer wird die amerikanische Gas-Umarmung?
25.09.2026

Studie von Wood Mackenzie: Ohne Investitionen in Gasfelder könnte die Gasförderung in der EU bis 2050 nahezu verschwinden, während die...

DWN
Politik
Politik Kampf gegen hohe Ölpreise: Frankreich sichert wichtiges Terminal in Saudi-Arabien
25.09.2026

Frankreichs Streitkräfte greifen einer Schlüsselanlage der saudischen Ölförderung unter die Arme. Durch die Absicherung mit Soldaten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wachsender Druck durch Wohnkosten: Immer mehr Menschen auf Wohngeld angewiesen
25.09.2026

Für immer mehr Bürger wird das Wohnen zu einer unbezahlbaren Last. Weil die eigenen finanziellen Mittel angesichts der steigenden Miet-...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teure Energie dämpft Konsumlust: Sparneigung der Deutschen zieht spürbar an
25.09.2026

Angesichts hoher Energiekosten zeigen sich die Bürger in Deutschland beim Geldausgeben wieder deutlich zurückhaltender. Nach...

DWN
Politik
Politik Einheit ohne Gleichstellung: Die Linke fordert Bürgerrat zur Überwindung der Ost-West-Kluft
25.09.2026

Selbst 36 Jahre nach der Wiedervereinigung hinken die östlichen Bundesländer bei Gehältern und Vermögen hinterher. Da sich die...

DWN
Technologie
Technologie Unbemerkte Aufnahmen im Alltag: Steht Smart Glasses ein Verbot bevor?
25.09.2026

Das heimliche Filmen anderer Personen in der Öffentlichkeit gelingt mit Smart Glasses noch unauffälliger als mit dem Smartphone. Dies...