Politik

US-Atomkommando behauptet: Ein kleines Kind hat auf unser Twitter-Konto zugegriffen

Das US-Atomkommando Stratcom behauptet, dass das Kind eines seiner Offiziere auf das Stratcom-Twitter-Konto zugegriffen habe, während sich der betroffene Offiziere im Homeoffice befand. Hinter dieser amüsanten Mitteilung steckt in Wirklichkeit ein anderer Gedanke.
31.03.2021 12:14
Aktualisiert: 31.03.2021 12:14
Lesezeit: 2 min
US-Atomkommando behauptet: Ein kleines Kind hat auf unser Twitter-Konto zugegriffen
Ein unbewaffneter Interkontinentalraketen-Minuteman III-Luftwaffen-Global-Strike-Command startet während eines Betriebstests um 23.49 Uhr (PT 23. Februar 2021) auf der Vandenberg Air Force Base, Kalifornien. (Foto: stratcom.mil)

Das Rätsel um den bizarren und scheinbar unsinnigen Tweet, der am Sonntagabend vom verifizierten Twitter-Account des US Strategic Command (Stratcom) verschickt wurde, ist offenbar gelöst. Der folgende Screenshot-Tweet war mindestens 30 Minuten lang live und wurde über 4.000 Mal retweetet, was eine Welle von Spekulationen und Witzen auslöste. „Gut zu sehen, dass USSTRATCOM in qualifizierten Händen ist“, witzelte ein Kommentator.

Doch einige Twitter-Nutzer zeigten sich auch beunruhigt, zumal Stratcom das amerikanische Atomarsenal überwacht. Es ist verantwortlich für das Management der strategischen Abschreckung des US-Militärs und die Überwachung der Kommunikation mit der zivilen Führung Amerikas sowie der Öffentlichkeit, wenn es um ernsthafte Bedrohungen der USA geht. Nachdem der Tweet gelöscht wurde, teilte Stratcom mit: „Entschuldigung für die Verwirrung. Bitte ignorieren Sie diesen Beitrag.“

In einer Erklärung von Stratcom gegenüber einem Journalisten, der einen Antrag auf Informationsfreiheit (FOIA) gestellt hatte, heißt es, dass ein Kind Zugang zum Twitter-Konto erhalten habe.

„Der Twitter-Manager des Kommandos hat während seines Telearbeitsstatus das Twitter-Konto des Kommandos vorübergehend geöffnet und unbeaufsichtigt gelassen. Sein sehr kleines Kind nutzte die Situation und begann mit den Tasten zu spielen und veröffentlichte leider und unwissentlich den Tweet“, sagte Stratcom-Beamter Kendall Cooper.

Dem „Märchen“ von Stratcom ist kein Glauben zu schenken. Es stimmt zunächst, dass sich auch eine Reihe von Beamten des Pentagons im Homeoffice befindet. Bisher wurde den Beamten mitgeteilt, wie sie sich im Rahmen der Pandemie verhalten sollen. Allerdings gibt es noch keine Grundlage für verbindliche Regeln im Homeoffice, die auch überwacht und kontrolliert werden können. Es ist oftmals dem Beamten selbst überlassen, ob er die Regeln umsetzt. Zudem gibt es keine Garantie dafür, dass mögliche Verschlusssachen oder klassifizierte Informationen im Homeoffice von Externen eingesehen werden können. Kurzum: Die Pandemie bietet auch neue Felder und Möglichkeiten von Spionageaktivitäten.

Es ist davon auszugehen, dass Stratcom durch den Hinweis, dass sogar ein Kleinkind auf das Twitter-Konto des Atomkommandos zugreifen kann, einen schnellen Prozess der Reglementierung des Homeoffices durchsetzen möchte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Rente und Pension im Vergleich: Wie groß die Unterschiede wirklich sind
12.08.2026

Die Renten sind im Schnitt deutlich niedriger als die Beamtenpensionen. Eine neue Auswertung aus dem Bundestag zeigt erhebliche...

DWN
Politik
Politik EU-Verpackungsverordnung tritt in Kraft: Welche schärferen Regeln gelten
12.08.2026

Ein Coffee-to-go, eine Pizza zum Mitnehmen und eine Bestellung aus dem Internet, die im riesigen Karton kommt: Ab heute gelten in der EU...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Reform: BND und Verfassungsschutz bekommen mehr Macht
12.08.2026

Die geplante Reform der Geheimdienste soll laut dem CDU-Politiker Henrichmann mehr Befugnisse bringen: Nachrichtendienste sollen künftig...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg verändert sich: Putins Hinterland wird zur neuen Front
12.08.2026

Die Front bewegt sich kaum noch, doch der Ukraine-Krieg bekommt eine neue Dimension. Ukrainische Drohnen und Raketen treffen Raffinerien,...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Wagenknecht könnte AfD zur Macht verhelfen
12.08.2026

Knapp vier Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD in Umfragen weit vorn. Und das BSW kann sich Hoffnung auf den Sprung über...

DWN
Technologie
Technologie KI-Wasserzeichen: Claude wird unsichtbar markiert und Unternehmen müssen reagieren
12.08.2026

Claude soll künftig unsichtbare Spuren in Texten und Dateien hinterlassen. Anthropic reagiert damit auf neue Vorgaben des EU AI Act, doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Neues DAX-Rekordhoch: Warum Anleger Deutschlands Krise ignorieren
12.08.2026

Deutschlands Industrie verliert Arbeitsplätze, Investitionen fehlen und die Konjunktur kommt kaum vom Fleck. Trotzdem jagt der DAX von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland: Arbeitszeit pro Kopf sinkt leicht - Ältere arbeiten mehr
12.08.2026

Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf ist besonders bei Männern und Jüngeren gesunken. Bei Frauen hingegen blieb sie stabil. Woran...