Unternehmen

Porsche will in Tübingen Batteriezellfabrik bauen

Die VW-Tochter Porsche will in Tübingen eine Fabrik für Hochleistungszellen bauen. Denn noch sind die deutschen Autobauer vor allem auf Zulieferungen aus Asien angewiesen.
24.04.2021 13:51
Lesezeit: 1 min
Porsche will in Tübingen Batteriezellfabrik bauen
Produktion eines elektrisch angetriebenen Porsche Taycan in Stuttgart. (Foto: dpa) Foto: Marijan Murat

Der Volkswagen-Konzern kommt mit seinem geplanten Netz aus sechs europäischen Batteriezellfabriken offenbar schnell voran. Die Sportwagentochter Porsche will eine Batteriefabrik für Hochleistungszellen in Tübingen bauen, wie Porsche-Chef Oliver Blume im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sagte. "Die Batteriezellen sind eine Kerntechnologie für die deutsche Autoindustrie, die wir auch im eigenen Land haben müssen", sagte Blume.

Zwar werde Porsche auch Batterien vom Volkswagen-Konzern beziehen. "Aber zusätzlich wird es ein Segment für Hochleistungszellen geben", sagte Blume. "Das ist eine Porsche-Domäne. Genauso wie wir Hochleistungs-Verbrennungsmotoren entwickelt haben, wollen wir jetzt bei den Hochleistungsbatterien ganz vorn sein."

Bisher sind die deutschen und europäischen Autobauer für die Zukunft mit einem stark wachsenden Anteil von Elektroautos vor allem auf Zulieferungen asiatischer Batteriezellproduzenten angewiesen. Viele Zulieferer und Autobauer scheuen wegen hoher Investitionskosten den eigenen Einstieg in die Zellfertigung von Batterien, die technische Grundlage für Auto-Akkus.

VW-Chef Herbert Diess hatte Mitte März allerdings die Batteriestrategie des Wolfsburger Autoriesen kräftig ausgeweitet: VW will in Europa bis 2030 insgesamt sechs Batteriezellfabriken hochziehen, um den Bedarf an Akkus zu decken. Eine dieser Fabriken in Salzgitter soll die sogenannte "Einheitszelle" liefern, mit der VW kostensparend seine Massenmodelle ausstatten will. Mit dem schwedischen Batterie-Start-Up-Partner Northvolt entsteht darüber hinaus im nordschwedischen Skellefteå ein Werk für Hochleistungszellen.

Ein weiteres davon ist den Worten Blumes zufolge nun in Tübingen geplant. Damit könnte sich die Stadt in Baden-Württemberg gegen weitere mögliche Kandidaten in Deutschland durchgesetzt haben. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil (SPD) hatte etwa ein weiteres Zellwerk in Deutschland gefordert und eine Fabrik an der norddeutschen Küste ins Spiel gebracht. Darüber hinaus werden auch der spanischen VW-Tochter Seat gute Chancen eingeräumt, einen Batteriestandort nach Spanien zu holen. Volkswagen hatte weitere Standorte neben Salzgitter und Skellefteå bisher offengelassen.

Blume rechnet damit, dass bis Ende des Jahrzehnts 80 Prozent des Porsche-Absatzes auf Fahrzeuge mit elektrischem oder teilelektrischem Antrieb entfallen werden. Der seit 2019 gebaute batterieelektrische Sportwagen Taycan verkauft sich mittlerweile fast so gut wie das Porsche-Traditionsmodell 911 mit Verbrennungsmotor.

Die VW-Edeltöchter Porsche und Audi wollen ihre E-Modelle künftig vor allem auf der eigens für Premiumautos gedachten Elektroplattform PPE bauen, die bei den PS-starken Autos und ihren Akkus unter allem schnelleres Laden und höhere Reichweiten sicherstellen soll. Dazu will der VW-Konzern eine spezielle Hochleistungszelle entwickeln.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Sechs Gründe, warum die Micron-Aktie zum Kauf einlädt
09.10.2026

Das Problem besteht nicht darin, einen Grund für den Kauf zu finden, sondern sich zu vergewissern, dass man davon nicht bereits zu viel im...

DWN
Politik
Politik Per Haftbefehl gesucht: Mehr als 148.000 offene Haftbefehle in Deutschland
09.10.2026

Warum bleiben Tausende Haftbefehle in Deutschland offen? Welche Rolle spielen Ersatzfreiheitsstrafen und die Staatsangehörigkeit dabei?

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entstehung eines Mega-Reeders stockt: Israel hat ZIM-Übernahme noch nicht genehmigt
09.10.2026

Hapag-Lloyd will mit der Übernahme von ZIM einen der größten Deals seiner Geschichte abschließen. Doch Israel hat dem 4,2 Milliarden...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 46: Die Woche im Rückblick – KW 41
09.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Führerscheinreform: Führerschein könnte bis zu 1.000 Euro günstiger werden
09.10.2026

Wie viel spart man wirklich durch die Führerscheinreform? Verkehrsminister Steffen Bilger nennt erstmals konkrete Zahlen – und erklärt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold schützt nicht vor jedem Risiko
09.10.2026

Gold gilt als sicherer Hafen – doch wer sein Vermögen schützen will, sollte sich nicht auf ein einziges Edelmetall verlassen....