Politik

Lafontaine: Weiß Baerbock nicht, dass das Hauptziel der USA ist, ein deutsch-russisches Bündnis zu verhindern?

Der Linkspolitiker hält an seiner Kritik an den Grünen und Annalena Baerbock fest, die er als anti-russisch ausgemacht hat. Über Baerbock meint er: „Vielleicht weiß sie noch nicht, dass es seit einem Jahrhundert das Hauptziel der USA ist, ein deutsch-russisches Bündnis zu verhindern.“ Was Lafontaine übersieht: Nicht nur die USA sind gegen ein deutsch-russisches Bündnis.
27.04.2021 20:49
Aktualisiert: 27.04.2021 20:49
Lesezeit: 3 min

Der Linkspolitiker Oskar Lafontaine hatte Annalena Baerbock und die Grünen als kriegsfreudig umschrieben – HIER. Er hatte gesagt, dass die Grünen von den USA gesteuert werden und dass Baerbock eine Einkreisung Russlands unterstütze.

Lafontaine soll nach eigenen Angaben sehr viel Zustimmung, aber auch Kritik erhalten haben. Jetzt reagiert er

auf die Reaktionen. Über Facebook teilt er mit: „Mein Post zu Annalena Baerbock hat sehr viel Zustimmung gefunden, aber auch heftige Kritik hervorgerufen. Die Kritiker haben sich besonders darüber erregt, dass ich Annalena Baerbock als kriegsfreudig bezeichnet habe. Aber so falsch ist das nicht. Die grüne „Kanzlerkandidatin“ fordert jetzt mehr Druck auf Moskau, mehr Härte gegen China und ein Ende der Unterstützung der Gaspipeline Nordstream 2. Vielleicht weiß sie noch nicht, dass es seit einem Jahrhundert das Hauptziel der USA ist, „ein deutsch-russisches Bündnis zu verhindern“, wie der US-Sicherheitsberater George Friedman sagt: „Es ist doch eine banale Erkenntnis, dass die Vereinigten Staaten ein Problem hätten, wenn deutsche Technologie und russische Rohstoffe zueinanderfänden.“

Wissen müsste sie allerdings, dass die deutsche Automobilwirtschaft und ihre Beschäftigten im letzten Jahr froh darüber waren, dass die Chinesen so viele deutsche Autos gekauft haben – in Zukunft werden es immer mehr Elektroautos sein. Ob die Manager, die jetzt mit den Grünen schmusen, sich klar darüber sind, was Baerbocks Härte gegen China für ihre Unternehmen bedeuten würde? Dass sie auch Dialog fordert, sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt.

Dass sie das Ende von Nordstream 2 fordert, ist gar nicht grün. Grün wäre es, einen Stopp der Lieferung des die Umwelt erheblich stärker belastenden US-Fracking-Gases nach Deutschland und Europa zu fordern. Aber davon habe ich noch nichts gehört

Gefährlich wird es aber, wenn Annalena Baerbock zum Wunsch der ukrainischen Regierung nach Aufnahme in die Nato nur die Propaganda-Formel derjenigen einfällt, die Russland einkreisen wollen: ,Souveräne Staaten können über ihre Bündnisse selbst entscheiden.' Dann könnte sie ja auch nichts dagegen haben, wenn Havanna einen militärischen Beistandspakt mit Russland abschließen würde und auf Kuba russische Raketen und Truppen stationiert würden. Dasselbe gälte für Venezuela, das seit Jahren vom US-Imperialismus kujoniert wird. Allein durch die US-Sanktionen sind dort laut Untersuchungen der US-Ökonomen Weisbrot und Sachs zwischen 2017 und 2018 mehr als 40.000 Menschen zu Tode gekommen. Venezuela könnte mit dem mächtigeren China einen Beistandspakt abschließen, mit der Folge, dass dort chinesische Truppen und Raketen stationiert würden. Was wohl ihre US-Freunde zu solchen Überlegungen sagen würden?

Mehr noch würde mich interessieren, was Annalena Baerbock und ihre Unterstützer zu meiner „naiven Schlussfolgerung“ für die souveränen Staaten Kuba und Venezuela sagen. Wetten, dass ich keine Antwort bekomme?“

In einem Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten hatte George Friedman zuvor deutlich gemacht: „Es sind nicht nur die USA, die eine Allianz zwischen Deutschland und Russland verhindern wollen. Es gibt kein einziges Land in Europa, das eine derartige Allianz befürworten würde. Polen und Frankreich sind beispielsweise vehemente Gegner einer derartigen Allianz. Eine Allianz zwischen Deutschland und Russland würde in Europa zu Angst und Schrecken führen.“

In einem weiteren Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagte Friedman: „Die deutsche Öffentlichkeit hatte immer einen latenten Antiamerikanismus, an den ich mich in den 1980er Jahren erinnere. Der vernünftige Grund, warum Deutschland Russland braucht, liegt darin, einen Hebel gegenüber den USA zu haben. US-Truppen werden in Polen gegen einen möglichen russischen Schritt eingesetzt, daher wollen die USA Deutschland nicht zu nahe an Russland heranlassen. Ich denke, dass die deutschen politischen Entscheidungsträger dies als wichtigen Verhandlungschip mit den USA nutzen. Die Stimmung in der Öffentlichkeit und die Berechnung der Regierung erreichen also aus sehr unterschiedlichen Gründen den gleichen Punkt (…) Eine russisch-deutsche Entente würde Europa dominieren, die Gründe für die NATO beenden und das genaue Ergebnis erzielen, das die USA sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch im Kalten Krieg verhindern wollten. Es gab eine Zeit, in der Deutschland diese Sichtweise auf Russland teilte.“

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