Deutschland

Lufthansa kündigt Abbau weiterer 10.000 Stellen in Deutschland an

Die Lufthansa hat den Abbau weiterer 10.000 Vollzeitstellen in Deutschland angekündigt.
29.04.2021 11:03
Aktualisiert: 29.04.2021 11:03
Lesezeit: 2 min
Lufthansa kündigt Abbau weiterer 10.000 Stellen in Deutschland an
17.11.2018, Hessen, Frankfurt/Main: Ein Airbus A380 der Fluggesellschaft Lufthansa befindet sich kurz nach dem Start am Flughafen im Steigflug. (Foto: dpa) Foto: Silas Stein

Trotz eines bereits umfangreichen Personalabbaus will die Lufthansa in Deutschland weitere rund 10.000 Vollzeitstellen streichen oder im vergleichbaren Maße Personalkosten einsparen. Erreichen will das der Konzern über freiwillige Abgänge oder Teilzeitlösungen, wie Finanzvorstand Remco Steenbergen am Donnerstag bei der Vorlage der Quartalszahlen sagte. Er verwies auf laufende Verhandlungen mit den Gewerkschaften für die Piloten und das Bodenpersonal zu Neuregelungen ab 2022. Er sagte aber auch: «Wir bereiten uns auf Entlassungen vor.» Dieses Mittel könne Anfang des kommenden Jahres eingesetzt werden.

In den zurückliegenden zwölf Monaten hat der Konzern nach eigenen Angaben weltweit rund 24.000 Vollzeitstellen abgebaut, was rund 25.700 Beschäftigten entspricht. Der Großteil entfiel auf die Catering-Tochter LSG, deren Europageschäft an die Gategroup verkauft wurde. In Deutschland ging die Zahl der Vollzeitstellen meist durch Fluktuation um 8.000 auf 52.200 zurück. Außerhalb Deutschlands wurden im selben Zeitraum 16.000 Stellen gestrichen. Konzernweit - also unter Einbeziehung der Tochtergesellschaften wie Swiss und Austrian - nannte Lufthansa zum Monatsende März noch 93.500 Stellen, die sich rund 111.000 Lufthanseaten teilen.

In der Verlustzone

Der staatlich gestützte Konzern bleibt wegen der Corona-Krise tief in der Verlustzone. Das Unternehmen machte im ersten Quartal dieses Jahres bei einem um 60 Prozent reduzierten Umsatz einen Verlust von 1,05 Milliarden Euro, wie es am Donnerstag in Frankfurt berichtete. Der MDax-Konzern zeigte sich damit 2021 aber deutlich stabiler als zu Beginn der Corona-Krise im ersten Quartal des Vorjahres, das man mit einem doppelt so hohen Verlust von 2,12 Milliarden Euro abgeschlossen hatte.

Neben Kosteneinsparungen etwa durch Stellenabbau, Kurzarbeit und stillgelegte Jets flog die Frachtsparte Lufthansa Cargo mit einem operativen Rekordgewinn von 314 Millionen Euro wieder in der Gewinnzone. Die Lufthansa Technik konnte von einem erstarkten Wartungsgeschäft in den USA und Asien profitieren und lieferte einen operativen Gewinn von 16 Millionen Euro ab.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet zwar weiterhin eine stark ansteigende Nachfrage ab dem Sommer. «Ermutigende Signale, wie die Ankündigung der EU-Kommission, geimpften Fluggästen aus den USA die Einreise nach Europa wieder zu ermöglichen, bestätigen unsere Zuversicht», erklärte er laut einer Mitteilung.

Auf der anderen Seite kippte der Konzern aber seine Prognose, dass er im Gesamtjahr bis zu 50 Prozent seiner Jahreskapazität von 2019 werde fliegen können. Nun werden bei einer starken Konzentration auf touristische Ziele noch etwa 40 Prozent erwartet, wie es hieß. Im ersten Quartal hatten Lufthansa und die übrigen Konzernmarken nur 21 Prozent ihres 2019er-Angebots geflogen und mit 3 Millionen Fluggästen nur ein Zehntel der damaligen Passagierzahl erreicht.

Das Unternehmen hat aber im Verlauf der Krise den Geldabfluss im laufenden Geschäft besser in den Griff bekommen. Er lag im Startquartal 2021 laut Bericht bei 235 Millionen Euro monatlich und damit unter der Prognose von 300 Millionen Euro. Im zweiten Quartal soll der Wert des «Cash-Burn» auf 200 Millionen Euro im Monat sinken. Laut Mitteilung wurde der operative Aufwand im Jahresvergleich um 51 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro gesenkt. Nahezu jede fünfte Stelle wurde gestrichen, so dass die Zahl der Beschäftigten in der Jahresfrist um 19 Prozent auf 111.262 sank.

Die flüssigen Mittel zum Quartalsende betrugen 10,6 Milliarden Euro im Vergleich zu 11,1 Milliarden Euro zum Jahresende 2020. Der Konzern hat von Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz im vergangenen Jahr 9 Milliarden Euro Staatshilfe erhalten, von denen 5,4 Milliarden Euro noch nicht genutzt seien. Ein darin enthaltener Kredit der KfW-Bank in Höhe von einer Milliarde Euro wurde bereits zurückgezahlt, auf der anderen Seite hat Lufthansa aber auch neue Schulden aufgenommen. Auf der Hauptversammlung am 4. Mai will sich der Vorstand mit einem Vorratsbeschluss einen Rahmen von 5,5 Milliarden Euro für neues Eigenkapital genehmigen lassen, um bei Bedarf die teuren Staatsbeteilgungen ablösen zu können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Globale Staatsverschuldung auf Rekordniveau: Was Anleger jetzt wissen sollten
12.04.2026

Die globale Verschuldung nimmt weiter zu und übertrifft zunehmend das Wachstum der Weltwirtschaft, während steigende Zinsen die...

DWN
Panorama
Panorama A leader is a dealer in hope: Warum wir Führung heute neu denken müssen
12.04.2026

Leadership gilt als moralischer Kompass unserer Zeit: empathisch, inklusiv, kontrolliert. Doch passt dieses Ideal zur Realität...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Arbeitsverträge als Risiko: So vermeiden Unternehmen teure Fehler
12.04.2026

Arbeitsverträge gelten in vielen Unternehmen als Formalität, doch fehlerhafte oder veraltete Vereinbarungen können schnell rechtliche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Geely Cityray im Test: Was stimmt eigentlich nicht mit dem günstigen Chinesen?
12.04.2026

Der Geely Cityray gehört zu den vernünftigsten Familien-SUV auf dem Markt. Für einen Preis von 27.000 Euro, der eher dem Segment...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Rüstungsprojekte unter Druck: Milliardeninvestitionen geraten ins Stocken
12.04.2026

Europa investiert Milliarden in neue Verteidigungssysteme, doch zentrale Projekte geraten durch Konflikte, Verzögerungen und steigende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreis-Prämie als Direktzahlung geplant? Bundesregierung prüft Entlastung für Autofahrer
12.04.2026

Die deutsche Regierung prüft neue Wege, um die hohen Kraftstoffpreise der Bürger auszugleichen und setzt möglicherweise mit einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Richtlinien im E-Commerce: One-Click-Return setzt neue Standards
12.04.2026

Neue EU-Vorgaben setzen den Onlinehandel unter Druck, da Rückgaben künftig genauso einfach funktionieren müssen wie der Kaufprozess...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation und Wachstum unter Druck: EZB warnt vor Risiken durch Energiepreise
12.04.2026

Die wirtschaftlichen Risiken im Euroraum nehmen durch steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen spürbar zu, während die EZB...