Politik

„Defender Europe 21“: Startschuss für massives Militärmanöver in Europa

In Europa ist eine riesiges US-geführtes Manöver angelaufen. Nach Angaben der amerikanischen Streitkräfte werden in den nächsten Wochen im Rahmen von „Defender Europe 21“ mehr als 28.000 Soldaten aus Nato- und Partnerländern gemeinsam üben.
06.05.2021 12:00
Lesezeit: 2 min
„Defender Europe 21“: Startschuss für massives Militärmanöver in Europa
Ein Poster mit der Aufschrift "Defender Europe" hängt anlässlich einer Pressekonferenz zur Militärübung "Defender Europe 2020" hinter zwei Fahnen. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Kahnert

In Europa ist ein riesiges US-geführtes Manöver angelaufen. Nach Angaben der amerikanischen Streitkräfte werden in den nächsten Wochen im Rahmen von „Defender Europe 21“ mehr als 28.000 Soldaten aus Nato- und Partnerländern gemeinsam üben. Hauptschauplätze sind Kroatien, Bulgarien, Ungarn, Griechenland, Rumänien sowie Estland.

Die Pressestelle der U.S. Army Europe teilte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit, dass am 10. Mai 2021 die 173. Luftlandebrigade in Bulgarien eine Nachtsprung-Aktion durchführen wird. Dabei wird sie von der 12. Kampfflugzeugbrigade wird unterstützt.

Am 6. Mai 2021 werden das US-Schiff „Yuma“ und das britische Schiff „Hurst Point“ mehr als 300 militärische Ausrüstungsgegenstände im kroatischen Hafen von Gazenica abladen. Ausgangspunkt des Transports ist Durres in Albanien. Am 7. Mai 2021 werden in Estland multinationale Streitkräfte nächtliche Luftangriffsmissionen in getrennten Trainingsbereichen durchführen, in denen sie gemeinsame Übungen auf Einheitenebene durchführen. Am selben Tag sollen Ausrüstungsgegenstände für die Manöver „Immediate Response“ und „Sabre Guardian“ im griechischen Hafen von Alexandroupoli abgeladen werden. US-amerikanische und polnische Fallschirmjäger werden im Rahmen der Übung „Swift Response“ Flugoperationen im rumänischen Boboc durchführen.

Am 11. Mai 2021 wird die 173. Luftlandebrigade auf der ungarischen „Papa Air Base“ eine große Luftlandeübung durchführen.

In Deutschland sollen gegen Ende des Monats Soldaten aus den USA eintreffen, und zwar in Nürnberg. Anfang Juni 2021 ist dann auf dem Truppenübungsplatz Baumholder in Rheinland-Pfalz eine Übung zum Abtransport von Verletzten geplant. Die Bundeswehr beteiligt sich vor allem durch Unterstützungsleistungen für die Verlegung der amerikanischen Streitkräft. Zudem sind Fallschirmjäger des Heeres bei einer der Teilübungen dabei.

„Defender Europe 21“ werde die beteiligten Streitkräfte vor allem dazu bringen, ihre Kampffähigkeiten und ihr militärisches Verständnis zu verbessern, kommentierte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, Tod D. Wolters am Dienstag bei der Eröffnungszeremonie im Hafen von Durres in Albanien. Am Ende werde man in allen Bereichen die Einsatzbereitschaft verbessert haben.

Die „Defender“-Übung im vergangenen Jahr war eigentlich als die größte Verlegeübung der US-Streitkräfte seit dem Ende des Kalten Krieges angelegt gewesen. Ursprünglich sollten an ihr insgesamt rund 37.000 Soldaten teilnehmen. Wegen der Corona-Pandemie wurde der Großteil der Übungsteile aber abgesagt.

EU billigt Teilnahme der USA, Norwegens und Kanadas an Pesco

Die Verteidigungsminister der EU-Staaten haben erstmals die Teilnahme der USA, Kanadas und Norwegens an einem Projekt der Militärkooperation Pesco gebilligt. Konkret geht es nach Angaben der EU um eine politisch-strategische Plattform, die einen raschen Transport von militärischem Personal und militärischer Ausrüstung innerhalb und außerhalb Europas ermöglichen soll. Derzeit wird dieser zum Beispiel durch bürokratische und rechtliche Auflagen bei Grenzübertritten erschwert.

Die reibungslose Verlegung von Truppen durch ganz Europa sei gerade für Deutschland als logistische Drehscheibe ganz wichtig, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Donnerstag zu der Entscheidung. Zudem sehe man in der Entscheidung auch einen weiteren großen Schritt in der transatlantischen Verbundenheit und in der Zusammenarbeit zwischen Europäischer Union und Nato.

Die Kooperationsplattform Pesco war im Dezember 2017 gestartet worden - auch um die EU im Bereich der Verteidigung flexibler und unabhängiger von den USA zu machen. Sie ist als tragende Säule der europäischen Verteidigungsunion gedacht und wird von allen EU-Staaten mit Ausnahme von Malta und Dänemark unterstützt.

Derzeit gibt es rund 50 Pesco-Projekte. Die ersten laufen bereits seit März 2018. Bei ihnen geht es unter anderem um den Aufbau eines Sanitätskommandos sowie die Entwicklung von Prototypen für Infanteriefahrzeuge.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street erholt sich nach Fed-Zinserhöhung
17.09.2026

Nach turbulenten Tagen fassen die Anleger wieder Mut – das sind die wichtigsten Treiber der jüngsten Kursbewegung.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Landgericht Frankfurt entscheidet: Meta muss für betrügerische Social-Media-Anzeigen haften
17.09.2026

Fake-Werbung auf Plattformen wie Facebook und Instagram bleibt für Meta nicht länger ohne rechtliche Folgen. Nach einer Entscheidung des...

DWN
Politik
Politik Unerwartete Wende: Russland behält Kontrolle über wichtige Basen am Mittelmeer
17.09.2026

Nach dem Sturz von Bashar al-Assad schien Russlands militärische Präsenz in Syrien infrage zu stehen. Doch nun zeigt sich eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiekrise in Europa: Warum Anleger plötzlich profitieren können
17.09.2026

Die Ruhe an Europas Energiemärkten war offenbar nur geliehen. Öl und Gas verteuern sich wieder, die Inflation bleibt hartnäckig und die...

DWN
Panorama
Panorama Zuwanderung bremst Trend: Immer mehr Menschen in Deutschland leben wieder in Familien
17.09.2026

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnt zusammen mit Eltern oder Kindern in einem Haushalt. Nach einer langen Phase des...

DWN
Politik
Politik Überwachung und Chat-Weitergabe: BGH lässt EuGH-Datenschutzregeln im Privatleben klären
17.09.2026

Darf man Angehörige heimlich filmen oder private WhatsApp-Nachrichten an Dritte weiterleiten? Zwei verfahrene Alltagsstreitigkeiten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Comeback mit Verbrennungsmotoren: Volvo schaltet auf gemischten Antrieb um
17.09.2026

Volvo will den Weg aus der Krise schaffen und setzt dabei wieder verstärkt auf Verbrenner. Neue Fahrzeugmodelle sollen dem schwedischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerkschaftsstudie: Gesenkte Gastronomie-Mehrwertsteuer bringt Gästen keine Preisvorteile
17.09.2026

Seit Jahresbeginn gilt für Restaurantspeisen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Trotzdem verzeichnen Verbraucher...