Deutschland

Banken und Sparkassen vereinheitlichen ihre Online-Bezahlverfahren

Kunden deutscher Banken sollen es beim Shoppen im Internet künftig einfacher haben. Die heimische Kreditwirtschaft verzahnt ihre verschiedenen Angebote zum Online-Bezahlen.
08.05.2021 15:43
Lesezeit: 2 min

Banken und Sparkassen in Deutschland treiben die Vereinheitlichung ihrer Online-Bezahlverfahren voran. Von diesem Montag (10.5.) an werden die Institute Kunden und Handel schrittweise ein gebündeltes Bezahlangebot rund um das Girokonto anbieten. «Wir machen das Girokonto zur Drehscheibe», sagte Joachim Schmalzl, Mitglied im Vorstand des Deutsche Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. «Die Kunden wollen mehr Transparenz über ihre Zahlungsvorgänge haben - egal ob sie beim Einkaufen im Internet bezahlen oder ihren Freuden per App Geld überweisen.»

Die in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) zusammengeschlossenen fünf großen Bankenverbände hatten im März angekündigt, ihre Online-Bezahlverfahren Paydirekt, Giropay und Kwitt unter der Marke Giropay zu verschmelzen. Öffentlich-rechtliche, genossenschaftliche und private Institute ziehen dabei an einem Strang. Ziel sei «die Bündelung der Zahlungsangebote in der deutschen Kreditwirtschaft, man könnte auch sagen: das Aufräumen unserer verschiedenen Ansätze», erklärte Schmalzl. Der DSGV ist in diesem Jahr DK-Federführer.

Die Verbraucher werden in einer mehrmonatigen Übergangsphase an die neue Marke herangeführt. Zum Start an diesem Montag (10.5.) stellen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken ihr Handy-zu-Handy-Zahlsystem Kwitt auf «Giropay Geld-Senden» um. Von Mittwoch (12.5.) an können Kunden dann bei Händlern, die Paydirekt nutzen, das Giropay-Bezahlverfahren auswählen.

Die heimische Kreditwirtschaft will mit dem neuen gemeinsam Anlauf Verbrauchern ermöglichen, auf möglichst einfachem Weg zu bezahlen sowie schnell Geld von Konto zu Konto zu überweisen - unabhängig davon, bei welcher Bank das Konto letztlich geführt wird. Das auch unter «#DK» oder «XPay» bekannte Projekt will eine Alternative zu Paypal, Apple Pay und Co. etablieren.

Bisher spielen die Online-Bezahlangebote der deutschen Banken und Sparkassen im Vergleich zum US-Konkurrenten Paypal eine Nebenrolle. Während Paypal Ende 2020 gut 29 Millionen aktive Kunden in Deutschland zählte, kommt der im Herbst 2015 von der heimischen Bankenbranche ins Leben gerufene Zahldienst Paydirekt nach jüngsten Angaben gerade einmal auf etwa 4,1 Millionen registrierte Nutzer.

«Wir haben sicher als deutsche Kreditwirtschaft unterschätzt, wie sehr die Kunden es mögen, nur mit einem Nutzernamen und einem Passwort zu bezahlen», räumte Schmalzl ein. «Wir haben aus den Erfahrungen mit Paydirekt gelernt und machen den Zugang für Kunden nun sehr viel einfacher», erklärte der DSGV-Vorstand. «Kunden müssen sich nicht mehr separat registrieren, sondern können mit ihren normalen Zugangsdaten für das Online-Banking eine Zahlung auslösen.» Zugleich werde weiterhin das Paydirekt-Netz genutzt, das bereits mit der Hälfte der großen E-Commerce-Shops geknüpft sei.

«Paydirekt als operative Betriebsgesellschaft werden wir weiter mit zusätzlicher Verantwortung ausbauen und verstärken. Das ist weiterhin die Einheit für uns, die die Bezahlverfahren im E-Commerce für uns organisiert», erläuterte Schmalzl.

Kurzfristig sei im Online-Handel ein Marktanteil «im hohen einstelligen Bereich» alleine durch das neue einheitliche Bezahlangebot angestrebt, sagte Schmalzl. Derzeit decken Giropay und Paydirekt zusammen nach seinen Angaben etwa zwei Prozent des deutschen Marktes für Online-Zahlungen ab. Mittelfristig sieht die heimische Branche Potenzial, ihren Marktanteil auf bis zu 50 Prozent zu steigern.

Ob das neue Angebot wirklich flächendeckend ausgerollt wird, hängt von den einzelnen Instituten ab. «Am Ende ist das immer eine unternehmerische Entscheidung», sagte Schmalzl. «Es gibt aber einen breiten Konsens, dass es Sinn macht, kreditwirtschaftliche Systeme weiterzuentwickeln und Bezahlverfahren aus einem Guss anzubieten.»

Perspektivisch soll auch die Girocard - die in Deutschland am meisten genutzte Debitkarte - integriert werden. «Natürlich arbeiten wir auch an der Zusammenlegung der Bezahlverfahren an der Ladenkasse», bekräftigte Schmalzl. Bei der Girocard gebe es aber keinen vergleichbaren Handlungsdruck. «Die Girocard ist ein extrem beliebtes Produkt. Allerdings verlangen Kunden und der Handel mittelfristig eine Omnikanallösung. Da gibt es für uns noch Konzeptarbeit zu tun.»

Der nun beginnenden schrittweisen Zusammenführung der Online-Bezahlverfahren hatte das Bundeskartellamt im Dezember zugestimmt. Allerdings hatten die Wettbewerbshüter deutlich gemacht, dass im weiteren Verlauf noch Detailfragen zu klären sind.

Schmalzl zeigte sich zuversichtlich, dass es einen konstruktiven Dialog mit der Bonner Behörde geben wird. Es sei etwa «nicht mehr zeitgemäß, dass Händler auf der Paydirekt-Basis bei Vertragsverhandlungen mit jeder einzelnen Bank oder Verbundgruppe sprechen müssen», erläuterte Schmalzl. «Das ist auch eine Frage der Effizienz, dass man da nicht mehrere Verträge aushandeln muss. Wir werden das Bundeskartellamt in unsere entsprechenden Planungen natürlich rechtzeitig einbinden und etwaige Schritte abstimmen.»

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Studie: Weniger Rückhalt der Deutschen für Energiewende
11.02.2026

Fossile Energieträger wie Kohle und Gas sollen in Deutschland schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden - für mehr...

DWN
Politik
Politik Neuwahlen Ukraine: Selenskyj könnte Präsidentenwahl für 15. Mai ansetzen
11.02.2026

Die USA wollen ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs: Einem Bericht der Financial Times zufolge könnte Präsident Selenskyj die Flucht...

DWN
Politik
Politik Epstein Files: Von Adel bis Politik - das „Wer ist wer“ der Epstein-Akten
11.02.2026

Royals, Regierungsmitglieder und Diplomaten: Das Netzwerk des US-Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umspannte die Welt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polizeieinsatz in Grünheide: Tesla gegen IG Metall
11.02.2026

Wenige Wochen vor der Betriebsratswahl kommt es im Werk von US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide zu einem Eklat. Damit spitzt sich der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stahlhütte HKM soll bleiben - aber starker Stellenabbau
11.02.2026

Salzgitter will die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) schon bald komplett übernehmen. Der größte Anteilseigner Thyssenkrupp Steel ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung 2025: Wie Sie außergewöhnliche Belastungen richtig nutzen
11.02.2026

Die Steuererklärung bietet mehr Sparpotenzial, als viele vermuten. Wer außergewöhnliche Belastungen korrekt angibt, kann seine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft „Europa fällt zurück“: Bündnis richtet Appell vor EU-Gipfel
11.02.2026

Mit dem Erstarken Chinas und dem Kurs von Donald Trump wächst der Druck auf Europa. Vor einem EU-Gipfel warnen Unternehmen vor Bedrohungen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wacker Neuson-Aktie: Margenziel verfehlt, moderates Wachstum erwartet
11.02.2026

Bei Wacker Neuson hat die gescheiterte Doosan Bobcat-Übernahme belastet. Im Schlussquartal drückten Kosten im Zusammenhang mit den dann...