Wirtschaft

Unterschätzter Rohstoff: Der globale Kampf ums deutsche Holz

Die globale Nachfrage nach dem Baustoff Holz heizt in Deutschland den Export an. Droht ein Ausverkauf des Waldes?
10.05.2021 15:48
Aktualisiert: 10.05.2021 15:48
Lesezeit: 2 min

Im eigentlich dicht bewaldeten Deutschland wird Holz immer teurer. Bauindustrie und Handwerker klagen über stark gestiegene Preise für Bauholz, während gleichzeitig der Export von rohen Stämmen und von bearbeitetem Schnittholz kräftig anzieht.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland die Rekordmenge von 12,7 Millionen Kubikmetern Rohholz exportiert, wie das Statistische Bundesamt am Montag berichtete. Über die Hälfte davon ging in die Volksrepublik China, wo der Bauboom nach überwundener Corona-Krise noch einmal angezogen hat. Auch in den USA herrscht eine hohe Nachfrage, weil der traditionelle Nachschub aus Kanada nach Bränden und Trump-Strafzöllen stockt.

«Das Holz aus unseren Wäldern wird global verhökert, statt es regional zu nutzen», warnt die WWF-Waldexpertin Susanne Winter. Erste Politiker wie Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bringen temporäre EU-Exportbeschränkungen für Holz und andere Rohstoffe ins Gespräch, um die heimische Wirtschaft zu schützen. Die drastischen Preissteigerungen stellten viele Handwerksbetriebe vor enorme Probleme, erklärt auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer, der ebenfalls Exportbeschränkungen befürwortet, die in der Bundesregierung aber nicht auf viel Gegenliebe treffen.

Eigentlich müsste auch so genug Holz da sein, denn in den vergangenen Jahren haben Trockenheit, Stürme und Schädlinge wie der Borkenkäfer große Lücken in die deutschen Wälder gerissen. Im vergangenen Jahr wurden so viele Bäume geschlagen wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung, rund 80,4 Millionen Kubikmeter Holz. Schlecht für die Waldbesitzer: Das so genannte Schadholz machte weit mehr als die Hälfte aus, wie das Statistische Bundesamt weiterhin berichtete. Für «Käferholz» gibt es beim Händler deutlich weniger Geld, denn am Bau kann das Material nur verwendet werden, wo es nicht zu sehen ist.

Ohnehin fühlen sich die meist mittelständischen Waldbesitzer in einer schlechten Verhandlungsposition gegenüber Holzhändlern und Groß-Sägewerken. Trotz der global starken Nachfrage bewegen sich die Preise für Rohholz mit einem Minus von 27,3 Prozent weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2015, wie die Bundesstatistik bestätigt.

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, hat vor wenigen Tagen die Waldbesitzer in einem Zeitungs-Interview zu einem «Säge-Streik» aufgerufen und faire Preise gefordert. «Mit unserem Rohstoff werden Riesengewinne eingefahren, aber die Waldbauern profitieren kein Stück davon», schimpfte Schirmbeck. «Wir werden regelrecht abgezockt von den wenigen Holzhandelskonzernen, die den Markt dominieren.»

Deutlich besser stehen die Holzverarbeiter da. Laut Statistikamt erreichten die Säge-, Hobel- und Imprägnierwerke im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 6,5 Milliarden Euro, ein knappes Drittel davon im Auslandsgeschäft. Dazu beigetragen haben auch saftige Preissteigerungen beispielsweise für Nadelschnittholz, das im März dieses Jahres im Schnitt 20,6 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor. Rund 40 Prozent der deutschen Produktion gehen ins Ausland.

Die Sägewerke arbeiten am Anschlag, versichert der Verband Deutsche Säge- und Holzindustrie (DeSH). Den Import haben die Betriebe demnach runtergefahren, um die großen Holzmengen aus den inländischen Waldschäden verarbeiten zu können. DeSH-Präsident Jörn Kimmich verweist auf einen leichten Exportrückgang zu Beginn des laufenden Jahres bei einer gleichzeitigen Produktionsausweitung. Eine dauerhafte Verknappung des nachhaltigen Baumaterials erwartet er nicht: «Nachfrage- und Preisschwankungen, wie wir sie aktuell erleben, wird es künftig vermutlich häufiger geben. Damit gesellt sich Holz zu den anderen Bauprodukten wie Stahl, Zement oder Kies, die schon länger volatil sind.»

Aktuell müssen Häusle-Bauer also mit deutlich höheren Holzpreisen rechnen, einen Ausverkauf des deutschen Waldes erwarten die Fachleute aber nicht. Kurioserweise führt gerade die geschwächte Widerstandskraft der Wälder in den nächsten Jahren zu einem kontinuierlichen Holz-Nachschub. «Holz ist hierzulande nicht knapp. Wegen des im Klimawandel notwendigen Waldumbaus wird in den kommenden Jahren weiterhin genügend Nadelholz anfallen», sagt ein Sprecher des Forstwirtschaftsrates. Man müsse allerdings rechtzeitig Strategien entwickeln, um Holz als Baumaterial effizienter einzusetzen.

Mehr zum Thema:

Deutsche Unternehmen berichten von akutem Materialmangel [Unternehmen]

Holzpreis-Explosion führt Zulieferer zunehmend „in prekäre Lage“

DWN-SPEZIAL – Insider: Rohstoffe sind erst in drei Monaten lieferbar, Lieferketten sind unterbrochen

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Jetzt juckt es mich beim Anthropics-IPO in den Fingern
01.11.2026

Als ich vor einem Monat darüber schrieb, warum ich derzeit nicht in Anthropic investieren möchte, waren meine wichtigsten Argumente der...

DWN
Politik
Politik Robert Habeck warnt vor Putins nächster Falle: „Wir dürfen nicht wieder wegsehen“
01.11.2026

Europa hat die Gefahr durch Putin lange unterschätzt. Der frühere Wirtschaftsminister Robert Habeck fürchtet, dass sich dieser Fehler in...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Logistikkonzern C.H. Robinson verblüfft mit KI-gestütztem Gewinnsprung: So ist das gelungen!
01.11.2026

28 Prozent weniger Mitarbeiter, über 60 Prozent mehr Produktivität und Frachtangebote in nur 31 Sekunden: Der US-Logistikkonzern C.H....

DWN
Technologie
Technologie Millionen Hackerangriffe wegen PHP-Sicherheitslücke: Wie sicher sind Websites noch und was ist zu tun?
01.11.2026

Millionen Hackerangriffe innerhalb weniger Stunden, abgeschaltete Regierungswebsites und eine PHP-Sicherheitslücke, die seit mehr als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quantum-Systems-Chef in Litauen: Drohnen kann man nicht im Lager anhäufen, Bedrohungen verändern sich
01.11.2026

Quantum Systems baut seine Präsenz in Litauen aus und wird dort die Bundeswehr-Brigade unterstützen. Produktionspläne hängen jedoch von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kupferpreise auf Rekordhoch: Warum das Kupfermetall knapp wird
01.11.2026

Das Industriemetall ist nicht nur bei Diebesbanden gefragt. Kaum eine Zukunftsbranche kommt ohne den Leiter zurecht. Nach Bewertung der IEA...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Server statt Spielzeug: Playmobil-Werk wird Rechenzentrum
01.11.2026

Die Mutter der bekannten Spielwarenmarke hat die Produktion ins Ausland verlagert. 350 Mitarbeitende verloren dabei ihren Arbeitsplatz....

DWN
Immobilien
Immobilien Preisschock am Bau: Neue KI soll explodierende Materialkosten und Baustopps verhindern
01.11.2026

Kriege, Krisen und explodierende Rohstoffpreise bringen die Baubranche zunehmend unter Druck. Bauprojekte werden teurer, Kalkulationen...