Wirtschaft

Deutschland und Frankreich unterstützen weltweite Mindeststeuer von 15 Prozent für Konzerne

Die Pläne für eine globale Mindeststeuer nehmen Gestalt an. Die USA schlugen dafür am Donnerstagabend einen Satz von mindestens 15 Prozent vor. Deutschland und Frankreich unterstützen diesen Vorstoß.
21.05.2021 10:56
Lesezeit: 1 min
Deutschland und Frankreich unterstützen weltweite Mindeststeuer von 15 Prozent für Konzerne
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhaltet sich mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron vor Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Die Pläne für eine globale Mindeststeuer nehmen Gestalt an. Die USA schlugen dafür am Donnerstagabend einen Satz von mindestens 15 Prozent vor. Experten zufolge ist eine internationale Einigung damit leichter zu erreichen. Diese wird bis zum Sommer angepeilt.

Unter dem Dach der Industriestaaten-Organisation OECD streben knapp 140 Länder eine Steuerreform mit zwei Säulen an, einer globalen Mindeststeuer und eine neue Form der Besteuerung von digitalen Dienstleistungen. Nach einer OECD-Sitzung zum Thema hatte das US-Finanzministerium mitgeteilt, für mindestens 15 Prozent zu sein. Bislang waren es 21 Prozent. Nun hieß es, die 15 Prozent seien eine Untergrenze, idealerweise solle mehr angestrebt werden. „Die 15 Prozent sind sicherlich realistischer“, sagte der KPMG-Steuerexperte Manal Corwin zu Reuters.

Deutschland und Frankreich unterstützen den US-Vorschlag einer globalen Mindeststeuer von 15 Prozent. „Das ist wirklich ein Durchbruch“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Freitag in Lissabon vor Beginn der dortigen Beratungen der Eurogruppe. „Wir brauchen eine Verständigung. Und das wird jetzt geschehen.“ Mit dem US-Vorschlag sei dies sehr realistisch geworden. Die neue US-Regierung mache einen Unterschied und damit eine Einigung auf internationaler Ebene bis zum Sommer möglich. Eine bessere Chance dafür habe es bislang noch nicht gegeben.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire äußerte sich ähnlich: 15 Prozent könne ein guter Kompromiss sein. Es komme aber nicht allein auf die konkrete Zahl an. Zusätzlich zur Mindeststeuer für Konzerne müsse es ein neues Rahmenwerk zur Besteuerung digitaler Dienstleistungen geben. Das müsse spätestens beim Treffen der G20-Finanzminister im Juli in Venedig gelingen.

Der Wert ist allerdings in der EU umstritten gewesen. Vor allem die Niederlande, Luxemburg und Irland bremsen, weil dort vergleichsweise niedrige Steuersätze gelten. In den USA hatte der frühere Präsident Donald Trump die Körperschaftssteuer radikal von 35 auf 21 Prozent gesenkt und international eine Einigung auf eine Mindeststeuer blockiert, weil davon viele amerikanische Internet-Riesen betroffen wären. Trumps Nachfolger Joe Biden will die Unternehmenssteuer nach der Corona-Krise und zur Finanzierung riesiger Investitionen in die Infrastruktur aber auf 28 Prozent erhöhen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
28.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...