Deutschland

Einstellungsbereitschaft steigt auf höchsten Stand seit Juni 2019

Die Bereitschaft der deutschen Unternehmen zu Neueinstellungen ist einer Ifo-Umfrage zufolge wegen der abflauenden Pandemie so groß wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Auch die Arbeitsagenturen erwarten eine deutliche Erholung.
27.05.2021 09:57
Aktualisiert: 27.05.2021 09:57
Lesezeit: 2 min
Einstellungsbereitschaft steigt auf höchsten Stand seit Juni 2019
Mitarbeiter des Logistikunternehmens DHL in Hamburg. (Foto: dpa) Foto: Daniel Bockwoldt

Das Beschäftigungsbarometer kletterte im Mai um 1,9 auf 100,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Juni 2019. "Der Impffortschritt und die Öffnungsperspektiven wirken sich positiv auf den Arbeitsmarkt aus", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Im exportabhängigen Verarbeitenden Gewerbe steigerte sich die Einstellungsbereitschaft seit dem Tiefpunkt vom Mai 2020 kontinuierlich. "Besonders hoch ist der Bedarf an neuen Mitarbeitern in der Elektroindustrie", sagte Wohlrabe.

Im Dienstleistungssektor gab es ebenfalls einen deutlichen Sprung nach oben. Hier benötigen insbesondere Logistiker und die IT-Dienstleister neues Personal. "Die Öffnungsperspektiven im Handel spiegeln sich in einem vorsichtigen Optimismus mit Blick auf die Beschäftigung", hieß es. Auch auf dem Bau gibt es demnach eine Tendenz zu mehr Personal.

Die Münchner Forscher rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Frühjahrsquartal um 2,6 Prozent zulegen wird, nachdem die deutsche Wirtschaft im Zuge des Lockdowns zu Jahresbeginn noch um 1,8 Prozent geschrumpft war. Im Sommer soll das Plus sogar noch etwas höher ausfallen. Die Chancen stehen der Bundesbank zufolge gut, dass die Konjunktur bereits im Herbst das Vorkrisenniveau überschreiten wird.

Arbeitsagenturen erwarten deutliche Erholung auf dem Jobmarkt

Mit dem Zurückfahren der Pandemie-Beschränkungen rechnen die Arbeitsagenturen in Deutschland mit einer deutlichen Erholung auf dem Arbeitsmarkt. "Die Aussicht auf deutliche Lockerungen der Corona-Einschränkungen lässt die Arbeitsmarkterwartungen nach oben springen", sagte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag.

Das Arbeitsmarktbarometer des IAB sei im Mai um 2,0 auf 104,6 Punkte gestiegen. In der monatlichen Umfrage des IAB unter den Ablegern der Bundesagentur für Arbeit habe die positive Einschätzung zur saisonbereinigten Arbeitslosigkeit besonders zugelegt. Sie liege mit 105,9 Punkten auf dem zweithöchsten jemals gemessenen Stand.

Allerdings stützt sich die positive Einschätzung nicht allein auf die Erwartung, dass mehr Arbeitslose eine Beschäftigung fänden. Zudem wird laut IAB auch ein Anstieg der Teilnahme an Förderprogrammen erwartet, die durch die Corona-Beschränkungen in den vergangenen Monaten nur eingeschränkt stattfanden. Die Teilnehmer etwa von Qualifizierungsmaßnahmen gelten in der Statistik nicht als arbeitslos. Bei der Beschäftigung stünden die Zeichen auf "Erholung, aber ein Rekordbeschäftigungswachstum wie in den Jahren vor der Krise ist noch nicht in Sicht", sagte Weber.

Die BA gibt ihre Arbeitsmarktbilanz für Mai am Dienstag bekannt. Üblich ist für die Jahreszeit ein Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit. Im April war die Arbeitslosenzahl um 56.000 auf 2,771 Millionen gesunken. Das waren 127.000 mehr als ein Jahr zuvor. Zugleich wurde millionenfach kurzgearbeitet. Zahlen der BA dafür liegen bis Februar vor: In dem Monat gab es etwa 3,27 Millionen Kurzarbeitende.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

DWN
Technologie
Technologie Deutscher KI-Markt verdoppelt Ausgaben für generative KI
23.09.2026

KI-Software bleibt Wachstumstreiber: Deutsche Unternehmen investieren 2026 deutlich mehr, um Prozesse zu beschleunigen und Produkte zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
23.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: US-Indizes schließen uneinheitlich, da Trump ein Iran-Abkommen nach den Zwischenwahlen für möglich hält
22.09.2026

Politische Signale und starke Einzelwerte bewegen die Märkte im späten Handel.

DWN
Politik
Politik Mehrheit fordert Rücktritt von Kanzler Merz
22.09.2026

Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Rücktritt des Kanzlers aus. Unter den Anhängern einer Partei ist der Anteil...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Planet Labs: Berlin bekommt eine neue Satellitenfabrik
22.09.2026

In der Hauptstadt soll ein neuer Produktionsstandort für Satelliten entstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den USA, will aber...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...