Politik

Warnschüsse im Schwarzen Meer: Russland zeigt Großbritannien seine Grenzen auf

Ein britischer Zerstörer ist russischen Angaben zufolge mit Warnschüssen am Befahren russischer Hoheitsgewässer gehindert worden. Nach britischen Angaben haben die Russen hingegen Schießübungen abgehalten.
23.06.2021 13:47
Aktualisiert: 23.06.2021 13:47
Lesezeit: 2 min

Wie die russische staatliche Nachrichtenagentur Ria berichtet, hat ein russisches Patrouillenboot den britischen Zerstörer HMS Defender am Eindringen in russische Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer gehindert. Eine russische Su-24-Maschine habe als Warnung zudem Bomben in der weiteren Fahrtrichtung der Briten abgeworfen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. AP zufolge war es das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass ein russisches Schiff Warnschüsse gegen ein Nato-Mitgliedsland einsetzte.

Den russischen Nachrichten zufolge hatte die HMS Defender Warnungen ignoriert, dass sie in Kürze in russische Gewässer eindringen werde. Das Schiff sei am Mittwochmittag unweit der Halbinsel Krim drei Kilometer weit in russische Hoheitsgewässer gefahren, meldete die Staatsagentur Tass unter Berufung auf das Ministerium in Moskau. Nach dem gemeinsamen Beschuss durch die russische Schwarzmeerflotte und den Grenzschutz des Inlandsgeheimdienstes FSB drehte das britische Schiff demnach ab. Es gab dem Vernehmen nach keine Verletzten.

"Wir glauben, dass die Russen Schießübungen vorgenommen haben im Schwarzen Meer", hieß es in einer Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums am Mittwoch auf Twitter. Diese seien vorab angekündigt worden. Es habe keine Schüsse gegeben, die auf den vor Ort eingesetzten Zerstörer HMS Defender gerichtet gewesen seien. Auch die Behauptung, dass Bomben auf dem Kurs des Schiffes abgeworfen worden seien, erkenne man nicht an. Die HMS Defender sei auf einer "harmlosen Durchfahrt" durch ukrainische Gewässer im Einklang mit internationalem Recht, so die Mitteilung weiter.

Nach dem Vorfall am Kap Fiolent im Südwesten der 2014 von Russland von der Ukraine annektierten Halbinsel Krim wurde der britische Militärattaché ins russische Verteidigungsministerium einbestellt, hieß es in Moskau. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen auf See und im Luftraum, weil Russland seine Luft- und Seegrenzen verletzt sieht. Von den Nato-Staaten wird die Annexion der Krim nicht anerkannt, weshalb es sich aus Sicht der Regierung in Kiew um ukrainisches Hoheitsgebiet handelt.

Hintergrund: London und Kiew unterzeichnen Marinevertrag

Es war eben jene HMS Defender, auf der Großbritannien und die Ukraine am 21. Juni ein Marine-Kooperationsabkommen abgeschlossen hatten. Dieses sieht den gemeinsamen Bau von Schlachtschiffen und Stützpunkten vor, berichtet das Portal Southfront.

Begleitet wurde die Unterzeichnung des Abkommens von gemeinsamen Trainingseinheiten ukrainischer, britischer und amerikanischer Spezialkräfte.

Die HMS Defender war am 18. Juni in den ukrainischen Hafen Odessa eingelaufen. Sie war bereits das zweite britische Kriegsschiff innerhalb weniger Wochen, welches Odessa anlief. Zuvor war die HMS Trent dort aktiv.

Es wurde vermutet, dass die HMS Defender an einer internationalen Militärübung unter US-Führung teilnehmen wollte. Zuvor hatte Russland die USA und ihre Verbündeten aufgefordert, dieses Manöver im Schwarzen Meer nicht abzuhalten. "Das Ausmaß und die offensichtlich aggressive Art der militärischen Übungen entsprechen in keiner Weise den tatsächlichen Sicherheitsbedürfnissen in der Schwarzmeer-Region", teilte die russische Botschaft in den USA bei Twitter mit. Dadurch erhöhe sich das Risiko "unbeabsichtigter Vorfälle". Jedes Problem könne von den Anrainerstaaten selbst gelöst werden, ohne dass "Hilfe von außen "aufgezwungen"" werde.

Das zweiwöchige Manöver "Sea Breeze" (Seebrise) im Schwarzen Meer soll nach US-Angaben an diesem Montag beginnen. Mit 32 beteiligten Ländern aus sechs Kontinenten, 5000 Soldaten, 32 Schiffen, 40 Flugzeugen sowie 18 Spezialoperationen und Tauchteams sei es die bisher größte derartige Übung. Die Ukraine ist Austragungsort des Manövers. Diese jährlich angesetzten Übungen gibt es bereits seit 1997.

Diesmal wird das Manöver vor dem Hintergrund neuer Spannungen zwischen Moskau und dem Westen abgehalten. Im Frühjahr hatten russische und ukrainische Truppenaufmärsche entlang des Konfliktgebiets Ostukraine Sorge ausgelöst, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erneut eskalieren könnte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW-Aktie unter Druck: Der 60-Milliarden-Plan gegen die Absatzkrise
16.02.2026

Es ist eine Summe, die die gesamte Branche aufhorchen lässt: Mit einem neuen 60-Milliarden-Euro-Sparprogramm will VW das Ruder...

DWN
Politik
Politik Europas nukleares Dilemma: Zwischen Paris und Washington
16.02.2026

Wirtschaftlich ist Europa ein Riese, militärisch jedoch – gerade im nuklearen Bereich – noch immer ein Juniorpartner der USA. Kanzler...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI als Jobkiller? Wo Unternehmen zukünftig wieder Personal einstellen
16.02.2026

Mit KI Kosten und Personal sparen scheint für viele Unternehmen die Sparmaßnahme Nummer Eins zu werden – vor allem im Bereich...

DWN
Politik
Politik Europäischer Atomschirm kann die NATO in Stücke sprengen
16.02.2026

In München treiben Frankreich, Großbritannien und Deutschland Gespräche über eine europäische Atomschirm voran, doch der dänische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russlands Leitzins: Warum Moskau jetzt gegen den Markt handelt
16.02.2026

Die russische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer Zinssenkung, obwohl viele Ökonomen davor warnten. Sinkende Inflation trifft...

DWN
Panorama
Panorama Studie: Hunderttausende Jugendliche leiden unter Social-Media-Sucht
16.02.2026

Die digitale Abhängigkeit unter Heranwachsenden erreicht einen neuen Höchststand. Laut einer aktuellen Studie der DAK-Gesundheit, die der...

DWN
Panorama
Panorama Digitalisierung des Deutschlandtickets: Verkehrsverbände fordern einheitliche Standards
16.02.2026

Die Debatte um die Weiterentwicklung des Deutschlandtickets nimmt an Fahrt auf. Während die Politik zur Erhöhung der Sicherheit für das...

DWN
Politik
Politik Grenzkontrollen verlängert: Bundesinnenminister Dobrindt setzt auf Sicherheit bis September
16.02.2026

Die Bundesregierung hält an der Überwachung der deutschen Staatsgrenzen fest. Wie das Bundesinnenministerium bestätigte, werden die...