Finanzen

Reale Inflations-Ängste treffen Europas Börsen

Die von der aktuellen Ölpreis-Rally angefachten Inflationsängste setzen den europäischen Aktienmärkten zu.
06.07.2021 15:24
Lesezeit: 2 min

Die von der aktuellen Ölpreis-Rally angefachten Inflationsängste setzen den europäischen Aktienmärkten zu. Dax und EuroStoxx50 büßten am Dienstag jeweils ein knappes halbes Prozent auf 15.613 beziehungsweise 4078 Punkte ein. Gefragt war dagegen Gold, das sich um ein Prozent auf 1810 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Gleichzeitig kletterte das europäische Inflationsbarometer, der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch.

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg in der Spitze um 0,9 Prozent auf 77,84 Dollar je Barrel (159 Liter), den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Die US-Sorte WTI gewann bis zu 2,4 Prozent und war mit 76,98 Dollar so teuer wie zuletzt im November 2014. Ausgelöst wurden die aktuellen Käufe durch die geplatzten Gespräche der Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, über die Produktionsquoten. Damit bleiben Börsianern zufolge die aktuellen Beschränkungen in Kraft. „Es wäre nicht überraschend, wenn sich Brent der Marke von 100 Dollar nähert“, warf Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade ein.

„Der Einfluss der höheren Ölpreise wird vorübergehen“, prognostizierte Anlagestratege Sebastien Galy von der Vermögensverwaltung der Nordea Bank. „In einigen Wochen werden beide Seiten sicher zu einer Einigung kommen.“ Denkbar wäre auch, dass sich einige Opec-Mitglieder nicht mehr an die Förderbremse gebunden fühlten und die Produktion rasch hochfahren, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Der Ölpreis-Anstieg machte Unternehmen aus der Branche für Investoren attraktiver. Der europäische Sektor-Index stieg um bis zu 0,9 Prozent. Der russische Leitindex erreichte sogar ein Rekordhoch.

Am deutschen Aktienmarkt steuerten die Titel von Shop Apotheke dagegen mit einem Minus von zeitweise knapp 14 Prozent auf den größten Tagesverlust seit einem knappen Dreiviertel Jahr zu. Die Online-Apotheke habe enttäuschende Quartalsergebnisse vorgelegt und sehe wegen Personalmangels die Gesamtjahresziele in Gefahr, kommentierte Analyst Alexander Thiel von der Investmentbank Jefferies. Offenbar verliere das Unternehmen Marktanteile an den Rivalen Zur Rose. Dessen Aktien fielen in Zürich um 1,3 Prozent, meldet Reuters.

In London konnten die Titel von Ocado ihre Anfangsgewinne von bis zu vier Prozent nicht halten und gaben rund ein Prozent nach. Der operative Halbjahresgewinn des Online-Supermarkts liege mit umgerechnet 71 Millionen Euro zwar über den Markterwartungen, sagte ein Börsianer. Die Firma mache unter dem Strich aber immer noch hohe Verluste.

Aufwärts ging es dagegen für das Pfund Sterling. Sein Kurs stieg um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 1,3853 Dollar beziehungsweise 1,1699 Euro. Die britische Währung profitiere von der geplanten Aufhebung der restlichen Corona-Restriktionen in England zum 19. Juli, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. „Andere Staaten werden genau beobachten, wie sich das britische Experiment entwickelt.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-News: Kryptowährungen brechen ein – Bitcoin-Kurs auf tiefstem Stand seit Trumps Wahlsieg
05.02.2026

Am Donnerstag geht der Krypto-Crash weiter, Star-Investor Michael Burry warnt bereits vor einer "Todesspirale". Der Bitcoin-Kurs gerät...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Alphabet verdoppelt Milliarden-Ausgaben für Rechenzentren
05.02.2026

Alphabet verdoppelt seine KI-Investitionen und erhöht den Druck auf Wettbewerber. Der Internet-Riese setzt Milliarden in Rechenzentren und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrie: Unerwarteter Auftragsboom weckt neue Hoffnung
05.02.2026

Die deutsche Industrie erlebte zum Jahresende einen überraschend kräftigen Auftragsboom – und nährt damit die Hoffnung auf ein Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen OMV-Aktie aktuell: Hohe Dividendenrendite, doch Analysten warnen
05.02.2026

Die OMV-Aktie polarisiert: starke Dividende, schwankende Zahlen und skeptische Analysten. Während sich der Kurs der OMV-Aktie auf hohem...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie unter Druck: Konkurrenzprodukt schwächt Kurs
05.02.2026

Die Novo Nordisk-Aktie gerät massiv unter Druck, nachdem ein US-Konkurrent Wegovy kopiert. Anleger reagieren auf sinkende Umsätze und...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Zinsen bleiben bei 2 Prozent bei sinkender Inflation im Euroraum
05.02.2026

Die EZB bleibt ruhig - doch neue Herausforderungen warten - beispielsweise der Dollarkurs. Während Energie billiger wird, ziehen andere...

DWN
Finanzen
Finanzen Silbermarkt: Zwischen Boom, Knappheit und hoher Volatilität
05.02.2026

Der Silberpreis stürmte monatelang nach oben – dann folgte ein abrupter Absturz. Hinter der Achterbahnfahrt stehen knappe Reserven,...

DWN
Immobilien
Immobilien Absage bei der Wohnungssuche: Wann ist eine Wohnungsabsage rechtswidrig?
05.02.2026

Die Wohnungssuche kann frustrierend sein, selbst wenn Einkommen und Bonität stimmen. Manchmal steckt hinter Absagen mehr als nur Zufall....