Deutschland

Ursula von der Leyens Klimapaket wird zur Belastungsprobe für den deutschen Mittelstand

Das jüngste EU-Klimapaket beäugt der deutsche Mittelstand mit Argwohn. Die Pläne von „Kommissionspräsidentin von der Leyen werden den unternehmerischen Mittelstand in Deutschland als Herz der klimaneutralen Wirtschaftstransformation besonders hart treffen“, so der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft.
15.07.2021 13:15
Aktualisiert: 15.07.2021 13:15
Lesezeit: 1 min

Die EU will mit einem Paket von neuen Klima-Auflagen den Weg zu einem völligen Verzicht auf den Treibhausgas-Ausstoß ebnen. „Wir fordern viel von unseren Bürgern, wir fordern viel von unserer Industrie“, sagte Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans am Mittwoch bei der Vorlage des Konzepts Fit for 55. So sieht der Plan der EU-Kommission einen europaweiten CO2-Preis auf Sprit, Heizöl oder Gas vor. Erneuerbare Energien sollen stärker als bisher geplant ausgebaut und Häuser schneller saniert und gedämmt werden. Die Industrie bekommt weniger Rechte zum CO2-Ausstoß zugeteilt, soll im weltweiten Wettbewerb im Gegenzug aber durch einen CO2-Zoll an den Grenzen vor „schmutzigen“ Importen geschützt werden.

Doch der Plan dürfte einen weiteren Rückschlag für den deutschen Mittelstand darstellen. „Die heute vorgestellten Pläne von Kommissionspräsidentin von der Leyen werden den unternehmerischen Mittelstand in Deutschland als Herz der klimaneutralen Wirtschaftstransformation besonders hart treffen.“ Dies erklärte der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BMVW), Markus Jerger, am 14. Juli 2021 zur Vorstellung des Fit for 55-Pakets der Europäischen Kommission.

„Bereits unter den geltenden Flottengrenzwerten wären bis 2030 bis zu 215.000 Arbeitsplätze im Automobilsektor von der tiefgreifenden Transformation zur E-Mobilität betroffen. Das Verbot von Neuzulassungen für Verbrennungsmotoren ab 2035 wird diesen Druck weiter erhöhen. Davon werden vor allem die vielen mittelständischen Zulieferbetriebe betroffen sein. Das europäisches Klimapaket wird so zur Belastungsprobe für den deutschen Mittelstand“, warnte Jerger.

Der vorgesehene Schutz vor Abwanderung energieintensiver Industrie geht Jerger nicht weit genug: „Schon heute tragen mittelständische Industriebetriebe in Deutschland über den nationalen Brennstoffemissionshandel Zusatzkosten, die ihre europäischen Mitbewerber nicht haben. Nach den Plänen der Kommission soll nun die Ausweitung des Emissionshandels auf die Sektoren Verkehr und Wärme erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Wenn die Bundesregierung hier nicht nachsteuert und einen effektiven Schutz vor Carbon Leakage schafft, droht vielen Mittelständlern das Aus.“

„Das Fit for 55-Paket kann der Startschuss sein für eine historische Transformation, an deren Ende ein klimaneutraler europäischer Kontinent steht. Damit dies gelingt, erwartet der BVMW von der europäischen Politik und vor allem auch von der Bundesregierung einen klaren und verbindlichen Fahrplan, wie dieser umfassende Strukturwandel mittelstandsfreundlich gestaltet werden kann. Hierfür steht der deutsche Mittelstand jederzeit beratend zur Verfügung“, so Jerger.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Batterie-Boom treibt Deutschland in neue China-Abhängigkeit
16.06.2026

Deutschlands Batterieproduktion erreicht einen Rekordwert – doch mit dem Boom wächst zugleich die Abhängigkeit von China. Die Branche...

DWN
Politik
Politik Der EU-Waffenchef warnt eindringlich: "Wir produzieren die falschen Waffen!"
16.06.2026

Der EU-Verteidigungskommissar warnt vor einem gefährlichen Missverhältnis in Europas Rüstungsstrategie. Während Donald Trumps...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bund lehnt Unicredit-Angebot für Commerzbank ab
16.06.2026

Der Bund stellt sich offen gegen die Übernahme der Commerzbank durch die Unicredit und verschärft damit den Machtkampf um Deutschlands...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tankrabatt verpufft: Millionen bleiben bei den Konzernen
16.06.2026

Der Tankrabatt sollte Autofahrer entlasten – doch nach Einschätzung von Experten kam ein Teil der Milliarden gar nicht bei ihnen an.

DWN
Politik
Politik EU stimmt US-Zolldeal zu – und droht mit Gegenzöllen
16.06.2026

Die EU macht den Weg für das Zollabkommen mit den USA frei, baut aber ein Sicherheitsnetz gegen neue Alleingänge aus Washington ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kostenfalle Deutschland: Was Betriebe heute wirklich zahlen
16.06.2026

Energie doppelt so teuer wie in den USA, Lohnstückkosten 22 Prozent über globalem Schnitt, Bürokratie bindet 7 Prozent der Arbeitszeit,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autokrise in China setzt VW und Mercedes unter Druck
16.06.2026

China galt jahrelang als Wachstumsmotor der Autoindustrie – doch nun brechen die Verkäufe massiv ein und setzen auch deutsche Hersteller...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
16.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...