Marktbericht

Opec+ einigt sich auf höhere Ölproduktion - Preise geben nach

Lesezeit: 2 min
19.07.2021 11:00  Aktualisiert: 19.07.2021 11:02
Ab August wollen wichtige Ölförderländer die Produktion erhöhen. Nach der Entscheidung vom Sonntag - die auch für Kritik sorgt - fallen die Preise am Markt. Die Folgen für Verbraucher sind noch schwer abzusehen.
Opec+ einigt sich auf höhere Ölproduktion - Preise geben nach
Die Erdölraffinerie Leuna bei Nacht. (Foto: dpa)
Foto: Sebastian Willnow

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Die Ölpreise haben am Montag nach der Einigung wichtiger Ölförderländer auf eine Erhöhung der Produktion nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 72,92 US-Dollar. Das waren 67 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 67 Cent auf 71,14 Dollar.

Das Ölkartell Opec und seine Partnerländer (Opec+) einigten sich angesichts der Erholung der Weltkonjunktur am Wochenende auf eine deutliche Erhöhung der Ölproduktion. Ab August werde die Öl-Allianz ihre Tagesproduktion bis auf weiteres um jeweils monatlich 400 000 Barrel steigern, teilte die Opec am Sonntag nach einem kurzfristig einberufenen Online-Ministertreffen mit. Sollten die Marktbedingungen es zulassen, werde die noch bestehende Produktionskürzung damit im September 2022 enden, hieß es.

Eine Erhöhung der Fördermenge belastet tendenziell die Preise. Die Reaktionen an den Märkten hielten sich jedoch in Grenzen. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg kritisierte die Entscheidung und bezeichnete sie auf Twitter sarkastisch als «positive Nachrichten» mit Blick auf die jüngsten Extremwetterereignisse auf der Welt.

«Wir haben es mit Ungewissheiten zu tun», sagte der saudische Energieminister Abdulasis bin Salman mit Blick auf die Gefahr neuer Corona-Wellen. Er wies darauf hin, dass die Öl-Allianz an ihren monatlichen Treffen zur Einschätzung der Marktlage festhalten werde. Die nächste Beratung der Öl-Allianz ist für den 1. September geplant.

Die Folgen der Entscheidung für die Käufer von Heizöl und für Autofahrerinnen und Autofahrer sind noch schwer abzusehen, tendenziell wird sie die Preise eher drücken. Sprit ist inzwischen so teuer wie zuletzt im Herbst 2018. Im Vergleich zum von der Corona-Krise geprägten Sommer 2020 kostet Kraftstoff gut 20 Prozent mehr.

Die 23 Staaten einigten sich auf einen neuen Zuschnitt bei den Förderanteilen, der ab Mai 2022 wirksam werden soll. Davon profitieren Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Irak sowie Russland als wichtigstes Partnerland. Eine Einigung hatte sich bereits vor dem Wochenende abgezeichnet. Ein Streit zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten über Förderquoten hatte eine Einigung vor zwei Wochen noch verhindert.

Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte die Allianz Opec+ die Tagesproduktion um rund 9,7 Millionen Barrel gekürzt. Dadurch gelang es, die Ölpreise zu stützen, die wegen des Einbruchs der Weltkonjunktur stark gefallen waren. Inzwischen wurde der Ölhahn nach und nach aufgedreht. Die Produktionskürzung liegt nun noch bei etwa 5,7 Millionen Barrel am Tag. Auch dank des Förderlimits ist der Preis für Rohöl seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent gestiegen.

Die Opec geht davon aus, dass 2022 wieder ein weltweiter Ölbedarf herrscht wie vor der Corona-Krise. Das würde eine Nachfrage von rund 100 Millionen Barrel am Tag bedeuten. Die Allianz Opec+ liefert davon etwa 45 Prozent.


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