Wirtschaft

Heizkosten-Explosion erwartet: Importpreise mit stärkstem Anstieg seit Ölkrise 1981

Die deutschen Importe haben sich im Juni wegen höherer Preise für Öl, Gas und andere Energieprodukte so stark verteuert wie seit fast 40 Jahren nicht mehr.
28.07.2021 12:58
Lesezeit: 1 min
Heizkosten-Explosion erwartet: Importpreise mit stärkstem Anstieg seit Ölkrise 1981
Euroscheine liegen auf einer Heizung in einer Wohnung. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Die deutschen Importe haben sich im Juni wegen höherer Preise für Öl, Gas und andere Energieprodukte so stark verteuert wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Die Einfuhrpreise stiegen um 12,9 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Eine höhere Zunahme hatte es zuletzt im Oktober 1981 in der zweiten Ölkrise gegeben (plus 13,6 Prozent) gegeben. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 12,6 Prozent gerechnet, nachdem es im Mai ein Plus von 11,8 Prozent gegeben hatte. Experten erwarten, dass diese Entwicklung bei den Verbrauchern ankommen wird.

„Der Anstieg ist so stark ausgefallen, weil der Rückgang zuvor so groß war“, sagte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Trotzdem muss der Verbraucher natürlich davon ausgehen, dass er den Effekt im Portemonnaie zu spüren bekommt. Nicht so sehr im Modehaus, aber auf der Heizkostenabrechnung. Der Winter wird teurer.“

Schon im ersten Halbjahr waren die deutschen Verbraucherpreise teilweise so stark gestiegen wie seit rund zehn Jahren nicht mehr. Für die zweite Jahreshälfte wird ein weiterer Schub erwartet, da dann der Mehrwertsteuereffekt hinzukommt: Die Bundesregierung hatte die Sätze im zweiten Halbjahr 2020 gesenkt, um Wirtschaft und Verbraucher in der Corona-Krise zu entlasten und den Konsum anzukurbeln. Nun werden die Preise mit den damals gesenkten verglichen. „Die spannende Frage ist, wie schnell die Inflation 2022 zurückgehen wird“, sagte Niklasch.

Der starke Anstieg der Importpreise geht vor allem auf die Entwicklung bei der Energie zurück: Sie verteuerte sich um 88,5 Prozent im Vergleich zum Juni 2020. „Dieser Anstieg begründet sich durch das außerordentlich niedrige Preisniveau des Vergleichsmonats“, erklärten die Statistiker diesen sogenannten Basiseffekt. Damals hatte die Nachfrage aufgrund der Corona-Rezession ihren Tiefpunkt erreicht, bei einem gleichzeitig starken Angebotsüberhang. Erdgas verteuerte sich mit 150,0 Prozent besonders stark, Erdöl um 81,8 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Energie stiegen die Einfuhrpreise im Juni nur um 7,2 Prozent.

Vorleistungsgüter verteuerten sich mit 17,1 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich stark. Dabei kosteten vor allem Eisenerze (plus 97,4 Prozent), Rohkupfer (plus 49,9 Prozent) sowie gesägtes und gehobeltes Holz (plus 43,9 Prozent) deutlich mehr. „Hauptgrund für den starken Anstieg der Preise für Eisenerz und infolgedessen der Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen dürfte die weiterhin starke weltweite Nachfrage sein“, führten die Statistiker aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

DWN
Politik
Politik Berlin wählt: Diese Koalitionen sind möglich – und was sonst noch wichtig ist!
19.09.2026

Rund 2,5 Millionen Berliner entscheiden am Sonntag über die politische Zukunft ihrer Stadt. Nach einem von Wohnungsnot, Verkehr und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Safran-Anbau: KI und Roboter sollen Europas Abhängigkeit beenden
19.09.2026

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt, doch seine Lieferkette ist anfällig und kaum transparent. Ein schwedisches Start-up will das...

DWN
Technologie
Technologie Gefälschte IT-Mitarbeiter: Remote-Jobs werden zum Einfallstor für Spione
19.09.2026

Sie sehen aus wie ganz normale Bewerber, doch hinter Lebensläufen, Videogesprächen und vermeintlich echten Identitäten können...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi-Krise: „In zehn Jahren muss es Volkswagen noch geben“
19.09.2026

China holt Europas Autobauer nicht mehr nur ein. In wichtigen Technologiebereichen ist die Konkurrenz bereits vorbeigezogen. Audi-Chef...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Krypto-Rally an der Wall Street
18.09.2026

Unerwartete Entwicklungen bewegen die US-Märkte und sorgen für Aufsehen unter Anlegern.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Suezkanal: Warum Maersk jetzt die riskante Abkürzung nimmt
18.09.2026

Die Sicherheitslage im Roten Meer verschärft sich, doch ausgerechnet jetzt kehren große Reedereien auf die Route durch den Suezkanal...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Aus einem Hobby wird ein Unternehmen: Sie hatte eine Idee, er musste seinen Job kündigen
18.09.2026

Aurelija Mališauskienė, Gründerin des Unternehmens „Minimali“, begann während ihres Elternurlaubs mit der Herstellung von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
18.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...