Deutschland

Deutsche Exporteure verkaufen erstmals mehr als vor der Corona-Krise

Die deutschen Exporteure bleiben im Aufwind. Doch bei den Lieferketten gibt es weiterhin erhebliche Probleme.
09.08.2021 12:03
Lesezeit: 2 min

Dank einer langen Erfolgsserie haben die deutschen Exporteure im Juni erstmals mehr verkauft als vor Ausbruch der Corona-Krise. Trotz Engpässen bei wichtigen Materialien wie Mikrochips wuchsen die Ausfuhren bereits den 14. Monat in Folge, und zwar um überraschend starke 1,3 Prozent zum Mai. Damit lagen die Exporte kalender- und saisonbereinigt mit 1,1 Prozent erstmals wieder höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Pandemie in Deutschland, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte.

"Das Wachstum im Außenhandel wird in erster Linie durch die Nachfrage in den USA, China und nicht zuletzt der EU erzeugt", sagte der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner. Experten warnen, dass die Materialknappheit in der zweiten Jahreshälfte für Rückschläge sorgen dürfte.

"Die Spannungen in der Lieferkette haben die deutschen Exporte noch nicht beeinträchtigt", sagte ING-Ökonom Carsten Brzeski. "Künftig könnte sich dies jedoch noch ändern." Zwar seien die Auftragsbücher nach wie vor gut gefüllt. Doch insbesondere der Mangel an Mikrochips könnte in den kommenden Monaten zum Hemmnis für Schlüsselbranchen wie der Autoindustrie werden.

Der BGA sieht ebenfalls eine Reihe von Risiken für den Aufschwung. "Die Reihe der Widrigkeiten im Außenhandel konnte dabei kaum größer sein", sagte Börner. "Sie reichen auch weiterhin von Logistikproblemen mit steigenden Frachtkosten und fehlender Planbarkeit bei der Versendung bis hin zu anhaltenden Einreiseverboten und immer neuen bürokratischen Hürden für den Außenhandel.

"PRODUKTION STOCKT"

Die Industrie sitzt zwar auf prall gefüllten Auftragsbüchern. Allein im Juni legten die Bestellungen mit 4,1 Prozent zum Vormonat so kräftig zu wie seit zehn Monaten nicht mehr. Vielfach können sie aber nicht abgearbeitet werden. In der gesamten Industrie geben inzwischen fast zwei Drittel der Unternehmen an, dass ihnen Engpässe zu schaffen machen, wie das Ifo-Institut in seiner Firmenumfrage herausfand. "Da die Industrieproduktion noch immer stockt, ist allerdings zu befürchten, dass sich der Mangel an Vorprodukten schon bald deutlicher in den Exportzahlen niederschlagen wird", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Im Juni verkauften die Unternehmen Waren im Wert von 118,7 Milliarden Euro ins Ausland. Verglichen mit Juni 2020 ist das eine Zunahme von 23,6 Prozent, wobei hier Kalender- und Saisonschwankungen nicht herausgerechnet werden. Dabei wuchsen die Ausfuhren zum wichtigsten Exportkunden USA um fast 40 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro, die nach China um 16,0 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro und die nach Großbritannien um 11,0 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Das Auslandsgeschäft mit den EU-Ländern legte um 26,1 Prozent auf 64,5 Milliarden Euro zu.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte seine Exportprognose wegen der von den USA und China angeführten Erholung der Weltwirtschaft kürzlich erhöht. Deutsche Firmen dürften demnach 2021 acht Prozent mehr ausführen. Im gesamten ersten Halbjahr lag das Plus bei 16,7 Prozent, wobei sich die Ausfuhren auf 673 Milliarden Euro summierten. Wegen der Corona-Krise waren sie 2020 um mehr als neun Prozent eingebrochen.

Die Importe stiegen im Juni um 0,6 Prozent zum Vormonat. Sie lagen damit um 10,0 Prozent höher als im Februar 2020, also vor Ausbruch der Corona-Krise in Deutschland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr: Wehrdienst-Fragebogen ignoriert? Dann droht ein Bußgeld
23.10.2026

Seit Januar werden in Deutschland junge Menschen ab 18 von der Bundeswehr zu ihrer Bereitschaft eines möglichen Wehrdiensts angeschrieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DWN-Podcast Folge 48: Die Woche im Rückblick – KW 43
23.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Länderfinanzausgleich: Söder will AfD- und Linke-Ländern Geld streichen
23.10.2026

Mit einer sogenannten "Extremismusklausel" will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mögliche von der AfD oder der Linken geführten...