Politik

Der Mittelstand redet Klartext: „Söders Schmusekurs mit den Grünen ist unverantwortlich“

Der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft kritisiert, dass Markus Söder in der Frage um die Schuldenbremse auf die Linie der Grünen einschwenkt. Die Grünen wollen, dass die Bundesregierung ohne Rücksicht auf eine Schuldenbremse Geld ausgibt.
15.08.2021 16:11
Aktualisiert: 15.08.2021 16:11
Lesezeit: 2 min
Der Mittelstand redet Klartext: „Söders Schmusekurs mit den Grünen ist unverantwortlich“
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, isst am Wöhrder See ein Malaga-Eis. (Foto: dpa) Foto: Daniel Karmann

Der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Markus Jerger, teilte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit: „Herrn Söders Schmusekurs mit den Grünen ist unverantwortlich. Das Aufgeben der Schuldenbremse ist ein vergiftetes Geschenk, um ein schwarz-grünes Bündnis möglich zu machen. Wer auf dem Rücken der Wählerinnen und Wähler Leistungsversprechen macht, die bislang nicht mal annähernd finanziert sind, verrät unsere Kinder und Enkel. Herr Söder sollte schleunigst auf den Pfad der haushaltspolitischen Tugend wieder zurückkehren.“

Söder hatte zuvor Zweifel an der Schuldenbremse geäußert. Das „Handelsblatt“ wörtlich: „Mit seinen Äußerungen, die erst an diesem Wochenende eine größere Beachtung fanden, stellt Söder die Schuldenbremse indirekt infrage. Nun steht die Frage im Raum, ob die Union es für denkbar hält, Ausgaben zur Bekämpfung des Klimawandels aus der Schuldenbremse herauszurechnen. Gegner der Schuldenregel fordern das schon lange.“

Der CSU-Chef erntete Beifall von den Grünen. Der Grünen-Co-Vorsitzende Robert Habeck sagte im Gespräch mit der „FAZ“: „Markus Söder scheint erkannt zu haben, dass es klimapolitisch und volkswirtschaftlich notwendig ist, dass Deutschland jetzt kräftig investiert.“

Die Grünen wollen keine Schuldenbremse, um massive staatliche Investitionen möglich zu machen. Große fiskalpolitische Maßnahmen im Sinne des EU-Klimapakets sind in Planung.

Robert Habeck auf dem Weltwirtschaftsforum: „Wir müssen mehr ausgeben.“

Im Januar 2020 nahm Robert Habeck am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos teil. Er selbst war überrascht, überhaupt eingeladen worden zu sein. Annalena Baerbock wurde nicht eingeladen.

Im Gespräch mit „Bloomberg“ sagte er: „Wir müssen mehr ausgeben. Wir, als Deutschland, sind das Land in Europa, das das ganze Geld spart. Doch so viele Dinge in Europa und Deutschland benötigen Ausgaben. Aber wir tun das nicht (…) Ich bin kein Fan von Donald Trump. Aber die US-Diskussion ist richtig. Deutschland tut zu wenig und Deutschland gibt zu wenig aus, um die Probleme der Zukunft zu lösen.“

Anschließend führte Habeck aus, dass Deutschland im Rahmen des Green New Deals mehr Geld in „grüne Infrastruktur“ stecken müsse. „Mehr Geld ausgeben. Die Veränderung des Systems durch das Ausgeben von Geld in neue grüne Infrastruktur“, so Habeck. Auf Nachfrage der Reporterin, ob das deutsche Volk das mittragen würde, sagte Habeck: „Jeder in Deutschland beschwert sich über das langsame Internet, über überfüllte und verspätete Züge. Wir hätten nicht genug erneuerbare Energien (…) Die Schulen könnten besser ausgestattet sein. Die Bildung könnte besser sein. Wir geben nicht genug für Forschung und Bildung aus. Sie (die Deutschen, Anm.d.Red.) wissen, dass ein Bedarf besteht. Aber da ist immer noch dieser Schwarze-Null-Fetischismus, würde ich sagen. Uns wurde in den vergangenen zehn Jahren beigebracht, dass das Sparen von Geld das Beste sei. Das war – bei allem Respekt – Angela Merkels Ansatz. Es wird einige Zeit benötigen, um zu verstehen, dass Fiskalpolitik anders funktioniert.“

Am 3. Januar 2021 berichtete das WEF, dass die Unterstützung für die Grünen in Deutschland stetig steige.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Abwicklung: Nach Hammer-Insolvenz wächst die Angst vor weiteren Pleiten
20.05.2026

Nach mehreren Insolvenzen und zahlreichen Filialschließungen steht die Hammer-Abwicklung offenbar endgültig bevor. Die traditionsreiche...

DWN
Politik
Politik Ölreserven vor dem Kipppunkt: IEA schlägt Alarm wegen neuer Ölpreisschocks
20.05.2026

Die weltweiten Ölreserven schrumpfen in einem Tempo, das selbst erfahrene Energiemanager alarmiert. Die IEA warnt vor knappen Beständen,...

DWN
Politik
Politik Drohnenalarm in Litauen: Staatsspitze in Sicherheit gebracht – Nato in Alarmbereitschaft
20.05.2026

Plötzlicher Luftalarm in der litauischen Hauptstadt sorgt für Unruhe: Behörden reagieren mit drastischen Maßnahmen, sogar die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Takata-Airbags zwingen BMW zu neuem Mega-Rückruf – was für Autofahrer jetzt wichtig ist
20.05.2026

Die Probleme rund um Takata-Airbags holen Millionen Autofahrer auch 2026 wieder ein. Nun muss BMW einen neuen Mega-Rückruf für...

DWN
Politik
Politik Putin bei Xi: Russland verspricht China stabile Energieversorgung in unsicheren Zeiten
20.05.2026

Während Konflikte im Nahen Osten die Weltmärkte verunsichern, setzen Moskau und Peking demonstrativ auf Zusammenarbeit. Putin lobt China...

DWN
Politik
Politik EU-USA-Zolleinigung: USA bekommen Zollvorteile unter Vorbehalt
20.05.2026

Mit einem neuen Kompromiss will die EU einen Handelskonflikt mit den USA verhindern. Doch die Einigung steht unter Vorbehalt, denn...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: UBS sieht trotzdem großes Potenzial für Goldpreisentwicklung
20.05.2026

Der Goldpreis steht am Mittwoch weiter unter Druck: Hohe US-Renditen, ein weiterhin starker Dollar und neue Zinssorgen verunsichern die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue Risiken für die Wirtschaft? Erzeugerpreise in Deutschland steigen so stark wie seit 2023 nicht
20.05.2026

Die deutschen Erzeugerpreise steigen überraschend stark – so kräftig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Vor allem geopolitische...