Finanzen

IWF will Bargeld abschaffen, damit Zentralbanken den Leitzins tief in den Minusbereich ziehen können

Der IWF plädiert dafür, das Bargeld in die Schranken zu weisen. In einem digitalen Finanzumfeld hätten die Zentralbanken die Möglichkeit, eine drastische Negativ-Zinspolitik zu betreiben. Die Sparer wären dann gezwungen, ihre Einlagen auszugeben.
19.08.2021 17:25
Aktualisiert: 19.08.2021 17:25
Lesezeit: 2 min
IWF will Bargeld abschaffen, damit Zentralbanken den Leitzins tief in den Minusbereich ziehen können
Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne lassen das Frankfurter Bankenviertel am Donnerstag (25.11.2004) leuchten. (Foto: dpa)

Aus einem Beitrag des Blogs des IWFs geht hervor: „In einer bargeldlosen Welt gäbe es keine Untergrenze für die Zinssätze. Eine Zentralbank könnte den Leitzins von beispielsweise 2 Prozent auf minus 4 Prozent senken, um einer schweren Rezession entgegenzuwirken. Die Zinssenkung würde auf Bankeinlagen, Kredite und Anleihen übertragen. Ohne Bargeld müssten die Einleger den negativen Zinssatz zahlen, um ihr Geld bei der Bank zu behalten, was den Konsum und die Investition attraktiver machen würde. Dies würde (...) die Nachfrage und die Wirtschaft ankurbeln.“

Dass der IWF und die EZB eine vorsätzliche Kampagne gegen das Bargeld durchführen, geht aus einer kurzen Zusammenfassung des Buchs „Europäische Union und Währungsunion in der Dauerkrise“ hervor: „Aus den Reihen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) dringt die Idee, die Wertaufbewahrung in Bargeld zwecks Umgehung negativer Zinsen auf Depositen und Spareinlagen unattraktiv zu machen. Euro-Bargeld und Euro-Buchgeld würden als zwei Währungen mit festem Umtauschkurs zirkulieren. Das Euro-Bargeld würde in Höhe des negativen Leitzinses/Tagesgeldsatzes gegenüber dem Euro Buchgeld abgewertet – was quasi einer Steuer auf Bargeld entspricht.“

Doch nicht alle Zentralbanken möchten mitziehen. Eine Informationskampagne der österreichischen Zentralbank unterstreicht die Bedeutung von Euro-Bargeld. Dabei macht die Zentralbank keinen Hehl daraus, dass sie eine Verfechterin des Bargelds ist. Am 1. Jänner 2002 löste der Euro den Schilling als Bargeld ab und ist uns in diesen fast 20 Jahren ein alltäglicher Begleiter geworden. Die aktuelle Kampagne der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) unterstreicht die Bedeutung von Bargeld, das in Österreich nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel ist und einen Anteil von 79 Prozent an allen Zahlungsvorgängen hat, so die dpa. Durchschnittlich haben die Österreicherinnen und Österreicher 121 EUR in ihrer Brieftasche. OeNB-Direktor Eduard Schock verweist auf aktuelle Daten der Europäischen Zentralbank (EZB): „Wie wichtig Bargeld im Alltag der Menschen ist, zeigen auch die Ergebnisse der letzte Woche veröffentlichten SPACE-Studie der EZB.“

Wer profitiert von der Bargeldabschaffung?

Die weitgehende Abschaffung von Münzen und Scheinen würden vor allem die Armen in der Welt negativ zu spüren bekommen, berichtet Bloomberg. Profitieren dürften dagegen nur wenige Unternehmen und Individuen.

Zu den Gewinnern einer vollständigen Abschaffung des Bargelds würden Bloomberg zufolge die Besitzer und Aktionäre bestimmter Unternehmen und Institutionen gehören. Dazu zählt das Wirtschaftsmagazin auch Regierungen, weil diese jede finanzielle Transaktion überwachen und gegebenenfalls besteuern können.

Zu den Profiteuren würden auch Zentralbanken gehören, weil die allumfassende Kontrolle und Auswertung von Finanzströmen die Effizienz geldpolitischer Maßnahmen beträchtlich erhöht.

Gewinner wären auch Unternehmen, die keine Gebühren mehr für die Lagerung und den Transport von Bargeld bezahlen müssten und für die es keine Engpässe bei der Zahlungsabwicklung mehr gäbe.

Die Anbieter digitaler Bezahlmethoden und Kreditkartenfirmen wären ebenfalls positiv von der Abschaffung von Bargeld betroffen, weil sich die Nachfrage nach ihren Produkten immens erhöhen würde. Der Kreditkarten-Konzern Visa betreibt beispielsweise aktiv die Zurückdrängung von Bargeld und scheut dabei auch nicht vor ausgefallenen Aktionen zurück – etwa der Bezahlung von Restaurants, damit diese kein Bargeld mehr annehmen.

Zu den Verlierern der Bargeldabschaffung gehören insbesondere die Ärmsten in der Gesellschaft, schreibt Bloomberg. Weil sie gerade in armen und Entwicklungsländern oft nur kleine Ausgaben tätigen, würden sich für sie digitale Konten – deren Nutzung Gebühren erfordert – finanziell nicht lohnen.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ripple startet RWA-Strategie, AMT DeFi-Verträge für erneuerbare Energien gehen live – XRP beginnt einen neuen Aufwärtszyklus

Mit der beschleunigten Einführung der RWA-Strategie (Real World Assets) durch Ripple entwickelt sich die Blockchain-Branche von reinem...

DWN
Finanzen
Finanzen Kupferpreis treibt Fusion an: Rio Tinto plant Übernahme von Glencore
17.01.2026

Die Dynamik auf den Rohstoffmärkten verschiebt derzeit die strategischen Gewichte in der globalen Industrie. Entsteht hier ein neuer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreisgrenze: EU senkt Preisobergrenze für russisches Öl ab 1. Februar
17.01.2026

Der Westen zieht die Daumenschrauben bei russischem Öl weiter an: Ab Februar sinkt die Preisobergrenze erneut. Ziel ist es, Moskaus...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldanlage 2026: Welche Assets Anleger und Sparer im Blick behalten sollten
17.01.2026

2026 bringt Anlegern neue Unsicherheiten – und neue Chancen. Zwischen schwankenden Börsen, geopolitischen Risiken und persönlichen...

DWN
Immobilien
Immobilien Risiken für Hausbesitzer: Top-Ökonom Asmussen warnt vor Preisschock bei Versicherungsprämien
17.01.2026

Extreme Wetterereignisse verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa und belasten zentrale Sicherungssysteme. Warnt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW Research: Ausgaben bei Forschung und Entwicklung stagnieren – Deutschlands Vorsprung schmilzt
17.01.2026

Deutschland zählt noch immer zu den größten Forschungsnationen – doch der Vorsprung schmilzt. Während andere Länder ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen PayPal-Datenschutz: In drei Schritten zu mehr Privatsphäre beim Bezahlen
17.01.2026

PayPal weiß oft mehr über Ihre Zahlungen, als Ihnen lieb ist – und diese Informationen können für Werbung genutzt werden. Wer seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Drogeriemarkt DM expandiert: Omnichannel-Strategie treibt Auslandsgeschäft an
17.01.2026

Der DM-Konzern treibt den Ausbau seines Auslandsgeschäfts trotz hoher Anlaufkosten gezielt voran. Geht die Skalierungsstrategie des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...