Wirtschaft

Mangel an Lastwagenfahrern sorgt für leere Regale in Großbritannien

In Großbritannien fehlen Lastwagenfahrer, die Güter von A nach B befördern. In vielen Supermärkten ist das nicht mehr zu übersehen, doch auch andernorts hapert es. Das hat auch mit dem Brexit zu tun.
23.08.2021 10:25
Aktualisiert: 23.08.2021 10:25
Lesezeit: 2 min
Mangel an Lastwagenfahrern sorgt für leere Regale in Großbritannien
Blick auf leere Regale und Schilder im Gang für alkoholfreie Getränke in einer Sainsbury's-Filiale. (Foto: dpa) Foto: Matthew Cooper

Ein massiver Mangel an Lastwagenfahrern sorgt in Großbritannien zunehmend für Probleme. „Wir sind in Schwierigkeiten“, sagte Rod MacKenzie, Chef des Logistikverbandes Road Haulage Association, der Deutschen Presse-Agentur. „Und es wird noch schlimmer werden. Wir steuern auf die geschäftigste Zeit des Jahres zu. Es ist keine Besserung in Sicht.“

In britischen Supermärkten sind große Lücken in den Regalen seit Wochen nicht zu übersehen. Das British Retail Consortium bestätigte „geringfügige Störungen in den Lieferketten“. Auch von einer der größten britischen Supermarktketten, Tesco, hieß es, man erlebe sporadische Störungen aufgrund des branchenweiten Mangels an Fahrern. Das führe dazu, dass es bei einigen bestimmten Produkten Engpässe gebe. Die Kette Sainsbury's verweist darauf, dass zwar einzelne Produkte fehlen könnten, aber man dennoch eine große Auswahl habe. Auch Tankstellen oder Fabriken, die ihre Produktion aussetzen müssten, sind betroffen. „Alles, was wir in Großbritannien bekommen, kommt auf der Tragfläche eines Lastwagens zu uns“, so MacKenzie.

Der Mangel an Fahrern, der MacKenzie zufolge bedeutet, dass viele große Supermärkte statt etwa drei Lieferungen pro Tag nur noch eine bekommen, hat auch mit dem Brexit zu tun. Etwa 20 000 europäische Fahrer seien seitdem nicht mehr in Großbritannien tätig, weil sie seit dem EU-Austritt das Land verlassen hätten. Für neue Bewerber gibt es große Hürden, da teure und komplizierte Visa-Verfahren notwendig sind. Außerdem gehen der Road Haulage Association zufolge jeden Monat Tausende ältere Fahrer in Rente. Durch die Pandemie seien zudem Zehntausende Fahrprüfungen ausgefallen, die für Nachwuchs hätten sorgen können. Insgesamt fehlten aktuell rund 100 000 Fahrer, so MacKenzie. „Die Regierung ist wie paralysiert bei diesem Thema.“

London hat bislang die maximalen Fahrzeiten am Steuer von Lastwagen gelockert. Branchenvertreter MacKenzie zufolge ist das jedoch längst nicht genug. Es brauche kurzfristige Visa für Fahrer aus der EU und die Ausbildung müsste stärker subventioniert werden, damit sie auch für Menschen infrage kommt, die nicht 5000 bis 10 000 Pfund investieren könnten. Das British Retail Consortium und der Verband Logistics UK stellen ähnliche Forderungen. Die britische Regierung verweist jedoch auf das Ende der Freizügigkeit für EU-Bürger nach dem Brexit und ruft britische Firmen auf, Briten zu engagieren.

Während der vergangenen Wochen sind die Störungen in vielen Berichten der sogenannten „Pingdemic“ zugeschrieben worden - also den massenhaften Personalausfällen, nachdem Kontaktpersonen von Corona-Infizierten „gepingt“, also per Corona-App benachrichtigt wurden. „Mit der Pingdemic hat das kaum etwas zu tun“, sagte MacKenzie über die Probleme seiner Branche. In der kommenden Zeit dürfte sich dies noch klarer zeigen: Seit einer Woche müssen Kontaktpersonen von Infizierten nicht mehr verpflichtend in Quarantäne gehen, sofern sie vollständig geimpft sind.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Sondervermögen Schulden: Milliarden werden zur Stopfung von Haushaltslöchern missbraucht
17.03.2026

Etikettenschwindel bei den Staatsfinanzen? Das Münchner Ifo-Institut wirft der Bundesregierung vor, neue Milliardenschulden massiv...

DWN
Politik
Politik Nach Iran und Venezuela: Trump erhöht massiv den Druck auf Kuba
17.03.2026

US-Präsident Donald Trump nimmt nach Teheran und Caracas nun offenbar das nächste Ziel in den Fokus: Kuba. Mit einer offen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Brennende Tanker, blockierte Routen: Wie gelangt das Golf-Öl jetzt noch zum Kunden?
17.03.2026

Die Schlagader der Weltwirtschaft ist fast zum Erliegen gekommen: Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs wagen nur noch wenige Schiffe die...

DWN
Finanzen
Finanzen Wertpapiere statt Tagesgeld: Sparkassen planen eigenes Neo-Broker-Modell
17.03.2026

Deutschlands Sparkassen blasen zum Angriff auf die moderne Konkurrenz: Um mehr Kunden vom klassischen Sparbuch an den Aktienmarkt zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preissprung am Gasmarkt: Golf-Krise gefährdet Winter-Vorsorge
17.03.2026

Die Eskalation im Persischen Golf erreicht die deutschen Heizungskeller: Durch die Angriffe auf Energieträger steigen die Gaspreise massiv...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ZEW Index aktuell: Stimmung der deutschen Wirtschaft bricht wegen Iran-Krieg ein
17.03.2026

Die wirtschaftliche Zuversicht in Deutschland hat einen drastischen Rückschlag erlitten: Der aktuelle ZEW-Index, der die Stimmung unter...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Frauen fördern, Zukunft sichern: So schließen Unternehmen ihre Personallücken
17.03.2026

Der internationale Frauentag am 8. März bietet regelmäßig Anlass, Frauen und ihre Karriereförderung stärker in den Blick zu nehmen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW-Aktie: Tochter Audi überrascht mit Gewinnplus und neuer Margen-Strategie
17.03.2026

Starker Impuls für den Volkswagen-Konzern: Während die Branche mit Gegenwind kämpft, liefert die Tochtergesellschaft Audi glänzende...