Politik

Enthüllung: Massive Sexuelle Übergriffe unter Abgeordneten im Bundestag

Eine Abgeordnete aus Bayern fühlt sich im Deutschen Bundestag als Frau nicht sicher. Sie berichtet über sexuelle Übergriffe durch Personen, die entscheidende Funktionen haben.
25.08.2021 18:22
Aktualisiert: 25.08.2021 18:22
Lesezeit: 1 min
Enthüllung: Massive Sexuelle Übergriffe unter Abgeordneten im Bundestag
Abgeordnete sitzen im Bundestag. (Foto: dpa) Foto: Sonja Wurtscheid

Die bayerische SPD-Abgeordnete Bela Bach berichtet von Belästigung und sexuellen Übergriffen im Deutschen Bundestag. „Ein Kollege in entscheidender Funktion sicherte mir Unterstützung bei einem Antrag zu, wenn ich für ein privates Treffen zur Verfügung stünde“, sagte die 30-Jährige, die für den Landkreis München im Bundestag sitzt, der Zeitschrift „Bunte“. Und es sei nicht nur bei Sprüchen geblieben: „Im Plenum hat ein anderer Kollege, der mir gegenüber mehrfach mit sexistischen Sprüchen aufgefallen ist, sich so über den Sitz gebeugt, dass er mir über das Gesäß streifen konnte. Das sind Momente, da kann man nicht glauben, dass das passiert.“

Die in Magdeburg geborene Wahl-Münchnerin Bach war 2020 als Nachrückerin in den Bundestag eingezogen, kandidiert allerdings nicht mehr für die neue Legislaturperiode, nachdem sie in einer Kampfabstimmung um einen Platz auf der Wahlliste der Bayern-SPD unterlegen war. Der Deutsche Bundestag kündigte auf Anfrage eine Antwort zu den Vorwürfen an, die zunächst aber noch nicht eingegangen war. Das Parlament hat derzeit 709 Abgeordnete, davon sind 223 Frauen (Stand Januar 2021).

„Ich war wütend. Auf mich selbst, weil ich nicht sofort etwas gesagt habe“, sagte Bach der „Bunten“. „Aber auch auf die Situation, weil ich mich als Frau im Plenum des Deutschen Bundestags nicht sicher fühlen kann.“ Sexismus in der Politik werde aus ihrer Sicht zu wenig thematisiert. „Es gibt keine Kontrollinstanz, das Thema wird nicht als wichtig wahrgenommen, und das muss sich schnell ändern“, sagte sie. „Wir brauchen die Öffentlichkeit und eine Gesellschaft, in der es nicht länger hingenommen wird, dass Sexismus als Banalität abgetan wird.“

Sie sei kein Einzelfall, betont Bach. „Es gibt viele Kolleginnen und Parteifreundinnen, die Übergriffe oder Sprüche zu gut kennen“, sagte sie. Und diese Mandatsträgerinnen seien nur die Spitze des Eisbergs. „Das geht weiter auf lokaler Ebene. Ich traue mich zu sagen: Es gibt keine jüngere Frau in einem Ortsverband, die noch nie einen schlüpfrigen Spruch, eine anzügliche WhatsApp oder einen Popo-Streichler erlebt hat. Auf Parteitagen, auf Konferenzen, auf Parteiabenden - da gibt es unzählige Geschichten.“

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