Finanzen

Deutsche Inflationsrate klettert auf höchsten Stand seit 28 Jahren

Die deutsche Inflationsrate ist im August auf 3,9 Prozent geklettert. Das ist der höchste Stand seit Dezember 1993.
10.09.2021 09:13
Aktualisiert: 10.09.2021 09:13
Lesezeit: 1 min

Die Inflation in Deutschland ist wegen steigender Benzin- und Nahrungsmittelpreise so stark wie seit fast 28 Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im August um durchschnittlich 3,9 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag eine frühere Schätzung bestätigte. "Eine höhere Inflationsrate gab es zuletzt im Dezember 1993 mit plus 4,3 Prozent", hieß es. Im Juli hatte sie noch bei 3,8 Prozent gelegen.

In den kommenden Monaten dürfte die Inflationsrate wegen Sondereffekten Richtung fünf Prozent anziehen, schätzen Experten. "Neben dem Auslaufen der temporären Mehrwertsteuersenkung sind hier vor allem eine Korrektur der Energiepreise von dem sehr niedrigen Krisenniveau 2020 sowie Lieferschwierigkeiten bei einigen Vorprodukten wie Halbleitern zu nennen", sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. "Da die Sondereffekte absehbar auslaufen, dürfte ab Januar kommenden Jahres die Inflation wieder spürbar nachgeben." Solange es keine neuen Energiepreisschocks gebe, sollte die Teuerungsrate zur Jahresmitte 2022 wieder nahe 2 Prozent liegen.

AUCH AUTOS KOSTEN MEHR

Ein großer Preistreiber war einmal mehr Energie. Sie kostete 12,6 Prozent mehr als im August 2020. Merklich teurer wurden Heizöl (+57,3 Prozent) und Kraftstoffe (+26,7 Prozent). Auch für Erdgas (+4,9 Prozent) und Strom (+1,7 Prozent) wurde mehr verlangt. Die Preise für Nahrungsmittel zogen um 4,6 Prozent an. Gemüse verteuerte sich dabei um 9,0 Prozent, Molkereiprodukte und Eier um 5,0 Prozent. Auch Gebrauchsgüter wie Fahrzeuge (+5,5 Prozent) oder Möbel und Leuchten (+4,0 Prozent) kosteten deutlich mehr.

Ein Grund dafür ist ein sogenannter Basiseffekt, der auf die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuersätze im Juli 2020 zurückzuführen ist. "Insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze und der Preisverfall der Mineralölprodukte in 2020 wirken sich im Vorjahresvergleich noch bis zum Jahresende 2021 erhöhend auf die Gesamtteuerung aus", sagte Christoph-Martin Mai vom Statistikamt. Hinzu kommt noch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe.

Die Bundesregierung hatte die Mehrwertsteuer in der zweiten Jahreshälfte 2020 im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent gesenkt, was viele Waren und Dienstleistungen günstiger machte. Jetzt kehrt sich dieser Effekt um.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis im Aufwärtsmodus: Während KI träumt, verdienen Ölkonzerne Milliarden
26.09.2026

Der Ölpreis steigt rasant und stellt die Weltwirtschaft vor unbequeme Fragen. Teure Energie kann Inflation anheizen, Wachstum bremsen und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmenskultur: Was Firmen von Netflix wirklich lernen können
26.09.2026

Netflix gilt vielen Unternehmen als Vorbild für Freiheit, Verantwortung und weniger Bürokratie. Doch wer erfolgreiche Managementmodelle...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
26.09.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo überrascht mit neuem Chef aus Deutschland: Eine große Chance für Volvo
26.09.2026

Der Verwaltungsrat von Volvo Cars überrascht erneut mit der Wahl eines Vorstandschefs, diesmal aber mit einem unerwartet starken Namen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kampf ums Wasser: Die wasserhungrigen Industrien
26.09.2026

Sechs Zentimeter am Rheinpegel Kaub, Lieferprobleme bei BASF, schwächelnde Wasserkraftwerke: Der Dürresommer 2026 macht endgültig klar,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...