Unternehmen

VW-Pläne mit chinesischem Autobauer JAC verärgern seine Partner

Mehreren Insidern zufolge wendet sich VW seinem neuem China-Partner JAC stärker zu. Damit riskiert der deutsche Autobauer aber Konflikte mit anderen Partnern.
13.09.2021 16:55
Lesezeit: 1 min

Volkswagen will beim Ausbau der E-Mobilität in China offenbar seinen Einfluss auf eines seiner Gemeinschaftsunternehmen verstärken und riskiert damit Konflikte mit anderen Partnern. Der deutsche Konzern führe Gespräche über den Kauf einer weiteren Fabrik des chinesischen Unternehmens JAC, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Der weltweit zweitgrößte Autobauer hatte sich im vergangenen Jahr die Mehrheit an dem Joint Venture JAC-Anhui gesichert, nachdem die Regierung in Peking die Regeln für Auslandsbeteiligungen gelockert hatte. Dabei hatte VW bereits die Kontrolle über eines der Werke in der ostchinesischen Stadt Hefei übernommen. Dort entsteht derzeit ein Zentrum für E-Autos von VW.

Die beiden staatlichen Partner SAIC und FAW befürchten Nachteile, sollte sich Volkswagen JAC stärker zuwenden. Sie verlangten Eingeweihten zufolge Zusicherungen, dass ihre Geschäfte nicht leiden, wenn VW seine Investitionen in Hefei ausweitet. "Wir haben für Volkswagen in China eine gute Basis geschaffen, sodass sie uns in Zukunft nicht im Stich lassen können", sagte ein hochrangiger FAW-Insider. Man sei enttäuscht, dass Volkswagen eine so wichtige Frage ankündige, ohne sich vorher abzustimmen.

FAW und SAIC arbeiten seit Jahrzehnten mit Volkswagen zusammen und haben dem Konzern zu seiner führenden Stellung in der Volksrepublik verholfen. Am Gemeinschaftsunternehmen mit SAIC ist VW zur Hälfte beteiligt, an dem mit FAW halten die Wolfsburger 40 Prozent.

Sollte Volkswagen seine Beteiligung von 75 Prozent an JAC-Anhui ausbauen, müsste der Konzern weniger Gewinn mit dem Partner teilen. Experten gehen davon aus, dass VW seinen Vorstoß in die Elektromobilität dadurch beschleunigen kann.

Der Konzern teilte Reuters auf Anfrage mit, das Portfolio des Joint Ventures mit JAC stehe nicht in direkter Konkurrenz zu den anderen Partnern, sondern sei komplementär. "Die Investition ist eine langfristige strategische Entscheidung, da wir davon ausgehen, dass der Gesamtmarkt in China bis 2030 auf rund 30 Millionen Einheiten anwachsen wird", erklärte das Unternehmen. Darin enthalten sind mehr als zwölf Millionen New Energy Vehicles (NEV).

Im vergangenen Jahr waren in China rund 1,4 Millionen NEVs verkauft worden. Unter NEV werden in der Volksrepublik rein batteriegetriebene Autos, Plug-in-Hybride und Wasserstoff-Fahrzeuge zusammengefasst.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Innovations-Turbo: Wildberger zieht positive Bilanz nach KI-Gipfel in Indien
20.02.2026

Mit einer klaren Vision für die digitale Zukunft kehrt Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) vom KI-Gipfel aus Indien zurück....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland setzt wieder auf China: Handelsvolumen lässt die USA hinter sich
20.02.2026

China ist erneut Deutschlands bedeutendster Handelspartner. Wie das Statistisches Bundesamt mitteilt, erreichte das Handelsvolumen mit der...

DWN
Politik
Politik CDU-Parteitag in Stuttgart: Richtungsentscheidungen, Machtfragen und prominenter Besuch
20.02.2026

Beim Bundesparteitag der CDU in Stuttgart richtet sich der Blick nicht nur auf das Abschneiden von Parteichef Friedrich Merz. Neben seiner...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 08: Die wichtigsten Analysen der Woche
20.02.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 08 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Politik
Politik Nukleare Wende in Europa: Deutschland und Polen blicken auf Frankreichs Atomschirm
20.02.2026

Europas Sicherheitsarchitektur gerät unter Druck, während Deutschland und Polen über nukleare Abschreckung und höhere...

DWN
Politik
Politik NATO vor dem Zerfall: Topforscher warnt vor historischem Bruch
20.02.2026

Die NATO gerät zunehmend unter strukturellen Druck, während sich die Machtstrukturen zwischen Europa und den USA verschieben. Bedeutet...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street schließt im Minus: Ölpreisrallye und Schwäche der Tech-Giganten belasten die Märkte
19.02.2026

Die US-Aktienmärkte beendeten den Handelstag am Donnerstag überwiegend im Minus, da Investoren versuchten, widersprüchliche Signale...

DWN
Politik
Politik "Fröhlichkeit bei der Arbeit": Merz strebt zweite Amtszeit an
19.02.2026

"Alle mal zusammen ins Rad packen": Bundeskanzler Friedrich Merz will, dass die Deutschen mehr arbeiten - und eine zweite Amtszeit.