Politik

Deutschland stellt 600 Millionen Euro für Afghanistan bereit

Afghanistan wird laut UN Hilfsgelder in Höhe von mehr als 1 Milliarde Dollar erhalten. Mit Abstand das spendabelste Geberland ist Deutschland.
13.09.2021 19:26
Lesezeit: 2 min

Afghanistan hat laut den Vereinten Nationen (UN) Aussicht auf Hilfsgelder in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar. So viel sei von den Geberländern insgesamt zugesichert worden, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Auf einer Afghanistan-Konferenz am Montag in Genf wollte Guterres allein für die kommenden Monate 606 Millionen Dollar aufbringen. Wie viel der Gesamtsumme auf diesen Appell zurückgehe, könne nicht beziffert werden, so Guterres.

Bundesaußenminister Heiko Maas erklärte, Deutschland werde neben 100 Millionen Euro (118 Mio. Dollar) humanitäre Hilfe weitere 500 Millionen Euro (590 Mio. Dollar) für Afghanistan und seine Nachbarländer bereitstellen. Die USA sagten in Genf knapp 64 Millionen Dollar zu.

"Wenn sich alle so beteiligen würden wie Deutschland, wäre das gut für die Menschen in Afghanistan", betonte Maas. "Ich wünsche mir, dass der Beitrag, der zur Verfügung gestellt wird, der Dramatik der Situation entspricht." Von der UN-Konferenz müsse die klare Botschaft ausgehen, dass man Afghanistan weiter helfe. "Und wir stehen solidarisch an der Seite der Länder, die von der Krise in Afghanistan betroffen sind — allen voran Pakistan, Iran und die zentralasiatischen Republiken." In der EU arbeite man zudem an einem Pakt mit den Nachbarstaaten, um diese zu stärken, sagte der SPD-Politiker in Anspielung auf erwartete Flüchtlingsbewegungen aus Afghanistan.

Angesichts der drohenden Hungersnot in Afghanistan sagte UN-Generalsekretär Guterres, der Bevölkerung dort stehe nach jahrzehntelangen Kriegen möglicherweise jetzt ihre schwerste Stunde bevor. Das ganze Land drohe zu kollabieren. Die Lebensmittelversorgung könne schon vor Ende September zusammenbrechen. Laut dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) stehen in Afghanistan 14 Millionen Menschen - ein Drittel der Bevölkerung - am Rande des Hungers.

Während die humanitäre Hilfe ohne Bedingungen nach Afghanistan fließt, knüpft die Bundesregierung die künftige Entwicklungszusammenarbeit nach der Machtübernahme der Taliban an Bedingungen. Außenminister Maas bekräftigte die Forderung an die neue Regierung, dass sie weiter Ortskräfte ausreisen lassen, grundlegende Menschenrechte achten und terroristische Aktivitäten unterbinden müsse. Die Zukunft Afghanistans sei eine außerordentlich dunkle, wenn die Anforderungen nicht erfüllt würden. "Die Bildung einer Übergangsregierung unter Ausschluss anderer Gruppen letzte Woche war hier nicht das richtige Signal für internationale Zusammenarbeit", kritisierte er.

BACHELET: TALIBAN HABEN VERSPRECHEN GEBROCHEN

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet warf den radikalen Islamisten unterdessen vor, Versprechen zur Wahrung von Freiheitsrechten gebrochen zu haben. "Im Gegensatz zu den Zusicherungen der Taliban, die Rechte der Frauen zu wahren, wurden die Frauen in den vergangenen drei Wochen zunehmend aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen", sagte Bachelet in einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Auch hielten sich die Islamisten nicht an eine Amnestie für Beamte der vorherigen Regierung und an ein Verbot von Hausdurchsuchungen. Afghanistan befinde sich in einer "neuen und gefährlichen Phase", in der viele Frauen und Angehörige ethnischer Gruppen und religiöser Gemeinschaften sehr besorgt um ihre Rechte seien, so Bachelet.

Eine Rückkehr von Diplomaten in die deutsche Botschaft in Kabul wird nach Angaben des Auswärtigen Amtes nur zusammen mit den westlichen Partnern entscheiden. Eine Sprecherin verwies auf Gespräche am Rande der UN-Vollversammlung Ende des Monats. Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani hatte als erster ausländischer Vertreter bereits Gespräche mit der neuen Regierung in Kabul geführt. Viele Kontakte des Westens zu den Taliban finden derzeit in Katars Hauptstadt Doha statt. Die Sprecherin teilte zudem mit, dass über das Wochenende 60 weitere Personen, darunter deutsche Staatsangehörige, aus Afghanistan ausgeflogen worden seien.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Immobilien
Immobilien Sachwert, Ertragswert, Vergleichswert: Wie Profis eine Immobilie bewerten
11.10.2026

Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte sich mit dem Vokabular rund um den Wert der Immobilie auskennen. Was Sachwert, Ertragswert und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Auto kaufen oder leasen? Der Fünf-Minuten-Check
11.10.2026

Ein E-Auto kaufen klingt einfacher, als es ist. Reichweite, Laden, Leasing, Garantien und eine Fülle neuer Technik können Einsteiger...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schutzmaßnahmen wegen KI: Deutsche Firmen auf KI-Angriffe unzureichend vorbereitet
11.10.2026

Etwa jeder zweite Betrieb nutzt Künstliche Intelligenz. Spezielle Prozesse, um das eigene Unternehmen gegen KI-gestützte Cyberangriffe zu...

DWN
Technologie
Technologie Bekannter Allrounder: 80 Jahre Unimog - wichtiger denn je?
11.10.2026

Der Unimog ist ein Allrounder: Einst auf dem Acker zur Kartoffelernte, heute bei Kommunen, Feuerwehr oder dem Militär im Einsatz. Warum er...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Krise der deutschen Automobilindustrie: Wo geht die Reise hin?
11.10.2026

Die deutsche Automobilindustrie, das historische Rückgrat des nationalen Wohlstands, steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umgang mit Cookies: BGH verhandelt zu Cookie-Speicherung – darum geht's
10.10.2026

Der Bundesgerichtshof prüft, ob Unternehmen für das Speichern von Cookies auf fremden Internetseiten ohne Einwilligung haften müssen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Uber-Robotaxis in Deutschland: Erst Stellen streichen, dann Jobs versprechen
10.10.2026

Uber streicht Tausende Stellen und verspricht gleichzeitig neue Arbeitsplätze in Deutschland. Was widersprüchlich klingt, folgt einer...

DWN
Finanzen
Finanzen Revolut-Bank greift an: Dieser Fintech-Riese will Europas Banken überholen
10.10.2026

Die Revolut-Bank wächst in einem Tempo, von dem klassische Geldhäuser nur träumen können: fast 70 Millionen Kunden, Milliardenbewertung...