Politik

Pakt mit russischen Söldnern? Bundesregierung droht Mali mit Konsequenzen

Die Bundesregierung droht der malischen Regierung mit Konsequenzen, bei denen es sich faktisch nur um ein Ende der Zusammenarbeit handeln kann.
15.09.2021 17:02
Aktualisiert: 15.09.2021 17:02
Lesezeit: 3 min
Pakt mit russischen Söldnern? Bundesregierung droht Mali mit Konsequenzen
Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2019 in Mali. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat der malischen Regierung mit Konsequenzen gedroht, sollte sie russische Söldner in dem nordafrikanischen Land einsetzen. „Sollte sich die Zusammenarbeit von Mali mit russischen Söldnergruppen bestätigen, stellt das die Grundlagen des Mandats der Bundeswehr für Minusma und EUTM in Frage und gemeinsam mit dem Bundestag müssten wir Konsequenzen ziehen“, schrieb die CDU-Politikerin am Mittwoch auf Twitter. „Wenn Malis Regierung mit Russland solche Vereinbarungen trifft, widerspricht das allem, was Deutschland, Frankreich, die EU und die UN in Mali seit acht Jahren leisten“, fügte sie hinzu.

Nach Informationen von Reuters aus diplomatischen Kreisen stehen das Militärregime in Mali und die russische Wagner-Söldner-Gruppe kurz vor einer Einigung über einen Einsatz, bei dem das malische Militär trainiert und führende Vertreter des Regimes geschützt werden sollen. Am Dienstag hatte bereits Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian gesagt, dass ein Einsatz der russischen Söldner in Mali nicht kompatibel mit der französischen Militärpräsenz in der früheren französischen Kolonie wäre. Frankreich ist militärisch der stärkste Unterstützer der malischen Regierung im Kampf gegen Islamisten.

„Wagner ist eine Miliz, die sich in der Vergangenheit in Syrien und der Zentralafrikanischen Republik mit Misshandlungen und allerlei Verstöße bewiesen hat, dass sie kein Teil einer Lösung und daher mit unserer Präsenz unvereinbar ist“, hatte der französische Außenminister erklärt. „Ich sage dies, damit es verstanden wird“, fügte er in Anspielung auf die Regierung in Bamako hinzu.

Am Mittwoch hat sich auch das Auswärtige Amt besorgt geäußert. „Wir finden dies äußerst besorgniserregend“, sagte eine Sprecherin in Berlin und verwies auf die enge Abstimmung mit Frankreich. Nach dem Abzug aus Afghanistan ist die Sahel-Zone der größte Militäreinsatz der Bundeswehr, die auf Grundlage von zwei Bundestags-Mandaten dort aktiv ist.

In der Region kämpfen malische, französische und europäische Streitkräfte, sowie UN-Friedenstruppen seit langem gegen Aufständische, die mit dem sogenannten Islamischen Staat und Al Kaida in Verbindung stehen. Durch deren Angriffe wurden in den vergangenen Jahren Tausende Zivilisten getötet und Millionen zur Flucht gezwungen.

Bundeswehrsoldaten sind Teil der UN-Truppe Minusma. Diese bemüht sich um Stabilisierung, nachdem Nordmali 2012 vorübergehend in die Hände islamistischer und anderer Rebellengruppen geraten war - bis Frankreich militärisch robust eingriff. Zudem stellt die Bundeswehr Männer und Frauen für die militärische EU-Ausbildungsmission EUTM. Ziel des seit 2013 laufenden Einsatzes ist es, die Streitkräfte in der Region durch Beratung und Ausbildung zu unterstützen, so dass sie Bedrohungen durch islamistische Terrorgruppen entgegentreten können.

Laut France24 geht es um 1000 Wagner-Söldner und Frankreich könnte das als Bruchlinie sehen. Frankreich hatte schon vorher angekündigt, einige Militärstandorte in der Region zu schließen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow kommentierte die Medienberichte so: „Es gibt dort keine Vertreter der russischen Armee“, sagte er der Staatsagentur Tass zufolge. Moskau führe zudem keine offiziellen Verhandlungen mit der Militärführung in Mali. Russland stehe aber in Kontakt mit afrikanischen Ländern, auch übers Militär. Ähnlich hatte sich Staatschef Wladimir Putin in der Vergangenheit geäußert, wenn er auf die Söldner-Gruppe „Wagner“ angesprochen wurde.

Russland will aber wieder mehr Stärke in Afrika zeigen, so wie vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Erst vor zwei Jahren hatte Putin einen Gipfel ausgerichtet, zu dem damals Vertreter von mehr als 30 afrikanischen Staaten angereist waren.

Die Gruppe Wagner soll in Syrien, Libyen, der Ukraine, Mosambik und der Zentralafrikanischen Republik gekämpft haben.

Das Agieren in Afrika wird in Berlin seit geraumer Zeit beobachtet. „Ich kann für das Auswärtige Amt sagen, dass wir Kenntnis über russische Gespräche mit der malischen Regierung haben und auch die jüngsten Medienmeldungen über mögliche bilaterale Militärkooperationen zur Kenntnis genommen haben“, sagte eine Sprecherin am Mittwoch und bezeichnete die Möglichkeit als äußerst besorgniserregend. „Wir befinden uns zu diesem ganzen Themenkomplex im Austausch mit unseren europäischen Partnern, natürlich auch mit Frankreich.“ Mit der malischen Führung werde nun über die gesamte Bandbreite der bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit des Landes mit der EU und Drittstaaten gesprochen.

Zunächst - so erwarten es Militärexperten in Berlin - werden Paris, Berlin und ihre Partner also versuchen, der mit einem Militärputsch an die Macht gekommenen malischen Führung Daumenschrauben anzulegen und sie von der Kooperation mit Russland abzubringen. Ein Abzug aus Mali steht demnach noch nicht auf dem Programm. Er wäre nach Afghanistan eine weitere bittere Niederlage.

Das Engagement in Mali steckt nach dem Scheitern am Hindukusch aber sowieso auf dem Prüfstand. Im Mai kommenden Jahres müsste der Bundestag die zwei Mali-Mandate verlängern. Für die künftige Bundesregierung ist es die erste verteidigungspolitische Herausforderung, weil die Wirksamkeit des Engagements in Frage steht - und überhaupt: Welche Ziele sollen bis wann erreicht werden? Die Enttäuschung ist greifbar.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Drei Mächte, ein Krisengebiet: Neue Verhandlungen über den Donbass
23.01.2026

Nach langer Funkstille nehmen die Ukraine und Russland erstmals wieder direkte Gespräche auf – unter Beteiligung der USA. Im Zentrum...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt United Manufacturing Hub: Wie ein Kölner Startup den Datenschatz der Industrie hebt
23.01.2026

Daten gelten als Treibstoff der Industrie 4.0 – doch in vielen Fabriken bleiben sie ungenutzt. Das Start-up United Manufacturing Hub will...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Nach Allzeithoch nimmt Gold 5.000 Dollar in den Blick – Silberpreis kratzt an 100 Dollar
23.01.2026

Nach dem Goldpreis-Rekordhoch im frühen Donnerstagshandel oberhalb der Marke von 4.900 Dollar geht die Aufwärtsrallye des gelben...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autonomes Fahren: Musk sieht zeitnahe Fortschritte bei der EU-Genehmigung
23.01.2026

Globale Machtverschiebungen und technologische Umbrüche verdichten sich derzeit spürbar. Welche Folgen ergeben sich daraus für Europas...

DWN
Politik
Politik Grönlands Ressourcen: NATO und USA sprechen über Zugriff auf seltene Erden
23.01.2026

Die strategische Bedeutung Grönlands rückt stärker in den Fokus westlicher Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen. Welche Folgen hat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zalando-Aktie: Osten ringt um Erfurter Logistikzentrum – Ramelow setzt auf Rettung
23.01.2026

Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht die Zukunft des von Schließung bedrohten Zalando-Standorts in Erfurt mit 2.700...

DWN
Politik
Politik Kriegstüchtigkeit in Europa: Deutschland und Italien stärken Rüstungspartnerschaft
23.01.2026

Kanzler Merz und Ministerpräsidentin Meloni bauen die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien in den Bereichen Rüstung,...

DWN
Finanzen
Finanzen Intel-Aktie fällt vorbörslich stark - von Lieferengpässen ausgebremst
23.01.2026

Intel kämpft auf seinem Sanierungskurs weiterhin mit Kapazitätsengpässen. Die für das laufende Quartal prognostizierten Umsätze von...