Wirtschaft

Rosneft soll Gazproms Gasmonopol brechen, um Nord Stream 2 in Betrieb zu nehmen

Nach europäischem Recht dürfen Erzeuger und Netzbetreiber für mehr als 50 Prozent der Transportkapazität nicht dieselbe juristische Person sein. Deshalb soll Rosneft das Gasmonopol von Gazprom brechen, um Nord Stream 2 in Betrieb nehmen zu können.
22.09.2021 16:00
Lesezeit: 1 min

Die Inbetriebnahme der deutsch-russischen Pipeline Nord Stream 2 könnte scheitern. Rechtliche Hindernisse dämpfen den russischen Optimismus. Zunächst muss die Bundesnetzagentur (BNetzA) den Zertifizierungsantrag von Nord Stream 2 genehmigen, bevor das Gas durch die Pipeline geleitet werden kann. Der Entscheidungsentwurf muss an die Europäische Kommission gesendet werden, die die BNetzA beraten wird. Danach wird die BNetzA eine endgültige Entscheidung treffen. Dieser Prozess dürfte bis zum 8. Januar 2022 andauern, berichtet „Oilprice.com“.

Darüber hinaus ist die europäische Entflechtungsgesetzgebung ein weiteres ernsthaftes Hindernis für die Aktivierung von Nord Stream 2. Nach EU-Recht dürfen Erzeuger und Netzbetreiber für mehr als 50 Prozent der Transportkapazität nicht dieselbe juristische Person sein.

Die Kapazität der Pipeline kann nur dann vollständig genutzt werden, wenn ein anderer Hersteller Nord Stream 2 nutzen darf. Doch seit dem Zerfall der Sowjetunion besteht Moskau auf dem Monopol von Gazprom für den Export von Erdgas durch die massive Pipeline-Infrastruktur des Landes nach Europa. Durch die Sicherung des Unternehmensmonopols will die russische Regierung ihr finanzielles Potenzial und die Einnahmen des Staates maximieren.

Rosneft hatte zuvor versucht, dieses Monopol durch seine guten Beziehungen zu Moskau zu brechen. Im Laufe der Jahre wurde das Staatsunternehmen aufgrund seiner Erfolge im In- und Ausland zum Aushängeschild der russischen Energiewirtschaft. Rosnefts Chef Igor Setschin ist ein Vertrauter von Präsident Waldimir Putin und folgt regelmäßig den Geboten des Staates, indem er trotz bescheidener finanzieller Gewinne Investitionen tätigt, die der Politik Moskaus entsprechen.

Diesmal könnte der Staat seine Position dann auch ändern - das Energieministerium ist bereits dabei, einen Bericht über die Beendigung des Exportmonopols von Gazprom durch Nord Stream 2 vorzubereiten. Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur „Interfax“ hat Rosneft die Genehmigung zur Nutzung der restlichen 50 Prozent der Pipeline beantragt.

Indem es Rosneft erlaubt, die Pipeline zu nutzen, könnte Moskau eine versöhnliche Botschaft an die EU senden, wo das Europäische Parlament die Kommission aufgefordert hat, eine Untersuchung zu einer möglichen Marktmanipulation durch Gazprom einzuleiten, so der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur „Reuters“.

Trotz Moskaus Ausrichtung auf Asien bleibt die russische Energiewirtschaft stark vom lukrativen europäischen Markt abhängig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Kimmel, Fallon, Stewart: Die wichtigsten Late-Night-Shows in den USA – und ihre Wirkung
31.05.2026

Von Johnny Carson bis Jimmy Kimmel: Late-Night-Shows gehören fest zur US-Unterhaltungskultur. Heute kämpfen die Formate jedoch mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Psychische Belastung im Beruf: Wie Beschäftigte mentale Belastung besser bewältigen
31.05.2026

Pflegekräfte, Polizisten oder Rettungssanitäter erleben täglich belastende Situationen. Viele nehmen den emotionalen Druck mit nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Euro: Europas Banken bauen eigene Stablecoin-Alternative
31.05.2026

Europäische Banken wollen mit einem Euro-Stablecoin die digitale Zahlungsinfrastruktur verändern. Dahinter steht die Sorge, dass der...

DWN
Panorama
Panorama Kölner Dom: Eintrittsgeld geplant – verliert ein Wahrzeichen seinen Zauber?
31.05.2026

Der Kölner Dom zieht jedes Jahr Millionen Menschen an – Gläubige, Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ab Juli soll der Eintritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Diagnose in Minuten: Irisches Startup will ADHS schneller erkennen
31.05.2026

Ein irisches KI-Startup will ADHS und andere Erkrankungen mit Hirnscans deutlich schneller erkennen. Die Technologie könnte Diagnosen...

DWN
Panorama
Panorama Schlafprobleme im Alltag: Welche Maßnahmen wirklich zu besserem Schlaf führen
31.05.2026

Schlafmangel entwickelt sich für viele Menschen zu einem strukturellen Problem des modernen Alltags. Welche Faktoren spielen dabei eine...

DWN
Technologie
Technologie Wasserstofffabrik auf Rädern: Kleine Anlage soll Generatoren und Drohnen versorgen
30.05.2026

In Nord-Tallinn, in der Laevastiku-Straße, steht ein Gebäude aus roten Ziegeln. Von außen wirkt der Ort verlassen, doch im Inneren wird...

DWN
Panorama
Panorama Entwarnung beim Klimawandel? Forscher korrigieren Worst-Case-Szenario
30.05.2026

Die schlimmsten Klima-Prognosen gelten inzwischen als weniger wahrscheinlich. US-Präsident Donald Trump sieht sich dadurch bestätigt.