Politik

Minister: Draghi wird Regierung Italiens nicht zusammenhalten können

Italiens Regierungschef Mario Draghi werde es nicht schaffen, die verschiedenen Kräfte in der Regierung zusammenhalten, könnte aber Staatspräsident werden.
27.09.2021 11:05
Lesezeit: 1 min
Minister: Draghi wird Regierung Italiens nicht zusammenhalten können
Mario Draghi, Premierminister von Italien. (Foto: dpa) Foto: Fabio Frustaci

In Italien gewinnt die Debatte um die politische Zukunft von Regierungschef Mario Draghi an Fahrt. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob der derzeit von vielen Parteien unterstützte Ministerpräsident die Regierung so lange wie möglich weiter führen oder Staatspräsident werden sollte.

Industrieminister Giancarlo Giorgetti von der Lega-Partei sagte der Zeitung "La Stampa" (Montagausgabe), es sei im Interesse Italiens, dass Draghi der nächste Staatspräsident werde und das Land schnellstmöglich Neuwahlen abhalte. Draghi werde es nicht schaffen, die verschiedenen Kräfte zusammenzuhalten, die derzeit seiner Regierung angehörten: "Sobald sensible politische Entscheidungen erforderlich sind, wird Draghis Koalition platzen."

Draghi, ehemals Präsident der Europäischen Zentralbank, hatte im Februar die Führung einer Einheitsregierung übernommen, die fast alle Parteien aus dem politischen Spektrum unterstützen. Die nächste reguläre Parlamentswahl wäre im März 2023.

Giorgetti sagte, Draghi werde die Kräfte im bereits Anfang 2022 beginnenden Wahlkampf nicht zusammenhalten können. "Der Ton wird sich ändern. Die Parteien werden ihn nicht mehr unterstützen, sondern sich auf ihre Wähler konzentrieren." Draghi sollte sich daher um die Nachfolge von Sergio Mattarella für das Amt des Staatspräsidenten bewerben. Mattarellas Amtszeit läuft Anfang 2022 aus.

In der vergangenen Woche hatte der Arbeitgeberverband Draghi aufgefordert, so lange wie möglich an der Macht zu bleiben und der Versuchung zu widerstehen, Staatsoberhaupt zu werden. Draghi hatte zuvor erklärt, auf Steuererhöhungen verzichten und einen Pakt mit Großkonzernen zum Wiederaufbau der durch die Virus-Pandemie gebeutelten Wirtschaft schließen zu wollen.

Eigentlich sind die Beziehungen zwischen Wirtschaft und Politik in Italien oft frostig. Arbeitgeber klagen über zu hohe Steuern, zu viel Bürokratie und politische Einmischung. Die Arbeitgeber haben die Parteien aufgefordert, sich nicht von Eigeninteressen leiten zu lassen, sondern Draghi bei der Umsetzung von Reformen in der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone zu unterstützen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mexiko: Dank niedriger Löhne sind sie wettbewerbsfähig
04.07.2026

Im vergangenen Jahr wurden dort 4,09 Millionen Fahrzeuge produziert, womit das Land weltweit den siebten Platz einnimmt. Die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Blitzer, Fahrverbot, Unfallschäden: Die wichtigsten Verkehrsrechtsurteile für Autofahrer in Deutschland
04.07.2026

Einen Moment unaufmerksam, ein Blitzer – und wenig später liegt der Bescheid im Briefkasten. 2025 haben mehrere Gerichte entschieden,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mini JCW im Test: Kleiner Flitzer mit großem Preis
04.07.2026

Der Mini JCW fährt sich sportlich, direkt und auffällig wie kaum ein anderes Auto seiner Größe. Doch der Fahrspaß hat seinen Preis,...

DWN
Panorama
Panorama 250 Jahre USA: Warum viele nicht mehr an den amerikanischen Traum glauben
04.07.2026

Die Vereinigten Staaten blicken auf 250 Jahre Geschichte zurück. Doch während das Land sein Jubiläum begeht, wächst die Skepsis über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmen setzen auf KI: Wer braucht schon Horden von Managern?
04.07.2026

Unternehmen bauen weltweit mittlere Führungsebenen ab und setzen stärker auf KI, Daten und flachere Strukturen. Was das konkret für die...

DWN
Panorama
Panorama Sechs tote Mitarbeiter in Stade – Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen
03.07.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Mitarbeiter erschossen wurden. Nun werfen sowohl die Recherchen zur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Varso Tower: Zweite Glasscheibe fällt vom höchsten Gebäude der EU
03.07.2026

Erst fiel Glas auf eine Straße, jetzt beschädigte eine Scheibe ein Auto: Am Varso Tower in Warschau häufen sich Vorfälle an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Ethisches Investieren: Der Vatikan predigt Moral und kauft Tech-Aktien
03.07.2026

Der Vatikan will Geld nach moralischen Kriterien anlegen und landet dabei ausgerechnet bei Meta, Nvidia, Apple, Amazon und Alphabet. Was...