Wirtschaft

Top-Ökonom spricht von Putschversuch gegen die Chefin des IWF

Der renommierte Ökonom Joseph Stieglitz hat einen großen Putschversuch gegen die IWF-Chefin Kristalina Georgiewa ausgemacht. Der Chef der Weltbank, der von Donald Trump auf seinen Posten gehievt wurde, soll dabei eine herausragende Rolle spielen.
27.09.2021 14:51
Aktualisiert: 27.09.2021 14:51
Lesezeit: 1 min
Top-Ökonom spricht von Putschversuch gegen die Chefin des IWF
Kristalina Georgiewa, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), nimmt an einer Plenarsitzung im Rahmen der 49. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos teil. (Foto: dpa) Foto: Xu Jinquan

„Es sind Schritte im Gange, Kristalina Georgiewa, die seit 2019 die Geschäftsführerin des Internationalen Währungsfonds ist, zu ersetzen oder zumindest stark zu schwächen. Dies ist dieselbe Georgieva, deren hervorragende Reaktion auf die Pandemie schnell Mittel bereitgestellt hat, um Länder über Wasser zu halten und die Gesundheitskrise zu bewältigen (…) Darüber hinaus hat sie den Fonds positioniert, um eine weltweit führende Rolle bei der Reaktion auf die existenzielle Krise des Klimawandels einzunehmen“, so der Ökonom Joseph Stiglitz in einem Beitrag des Portals „Project Syndicate“.

Anlass ist ein Untersuchungsbericht der Kanzlei WilmerHale, demzufolge führende Vertreter der Weltbank - darunter die jetzige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa – „unangemessenen Druck“ ausgeübt haben sollen, um China im Ranking des „Doing Business“-Berichts für 2018 besser abschneiden zu lassen. China landete schließlich auf Platz 78, nachdem es im ersten Entwurf zunächst auf Rang 85 gelegen hatte. Georgiewa, die damals Geschäftsführerin der Weltbank war, wies die Vorwürfe entschieden zurück.

Stiglitz wörtlich: „Nachdem ich den WilmerHale-Bericht gelesen, direkt mit den beteiligten Schlüsselpersonen gesprochen habe und den gesamten Prozess kenne, erscheint mir die Untersuchung wie ein Hexenwerk.“

Es überrasche nicht, dass einige unzufrieden sind mit der Richtung, die der IWF unter Georgiewas Führung eingeschlagen hat. Manche würden meinen, dass sich der IWF nicht so sehr um den Klimawandel kümmern solle. Andere fügen hinzu, dass sich der IWF mehr um Sparmaßnahmen, anstatt auf Armutsbekämpfung und Entwicklung kümmern müsse.

Stiglitz führt aus: „Viele Finanzmarktakteure sind unzufrieden, dass der IWF offenbar nicht so energisch als Krediteintreiber agiert – ein zentraler Bestandteil meiner Kritik am Fonds in meinem Buch ,Globalisierung und ihre Unzufriedenheit‘. Bei der 2005 eingeleiteten argentinischen Umschuldung zeigte der Fonds deutlich die Grenzen dessen auf, was das Land zahlen kann, d.h. wie viel Schulden tragfähig sind. Da viele private Gläubiger wollten, dass das Land mehr zahlt, als es tragbar war, änderte dieser einfache Akt den Verhandlungsrahmen.“

Darüber hinaus gebe es seit längerer Zeit institutionelle Rivalitäten zwischen dem IWF und der Weltbank. Stiglitz zufolge liegt das unter anderem an dem aktuellen Weltbank-Chef David Malpass. Diese wurde von Donald Trump ernannt. Es gebe das Bestreben, die Arbeit von Joe Biden, die im Einklang mit dem IWF erfolgt, zu untergraben.

Der Ökonom schließt mit den Worten: „Aber politische Intrigen und bürokratische Rivalität sind das Letzte, was die Welt in einer Zeit braucht, in der die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen viele Länder mit Schuldenkrisen konfrontiert haben. Die Welt braucht heute mehr denn je Georgiewas ruhige Hand beim IWF.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Rekord-Schlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Dow leicht nachgibt
27.04.2026

Spannung an der Wall Street: Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Technologie
Technologie 6G-Standard: Ericsson und Forschungszentrum Jülich starten KI-Kooperation
27.04.2026

Ericsson und das Forschungszentrum Jülich entwickeln gemeinsam KI-Verfahren für den kommenden 6G-Standard. Grundlage ist JUPITER, der...

DWN
Panorama
Panorama Mehr tödliche Fahrradunfälle: Zahlen alarmieren - Ältere besonders stark gefährdet
27.04.2026

Immer mehr Menschen steigen in Deutschland aufs Fahrrad oder E-Bike um. Doch parallel dazu wächst die Zahl tödlicher Unfälle deutlich...

DWN
Politik
Politik Wegen Iran-Krieg: Pentagon prüft Suspendierung von NATO-Verbündeten - ist das überhaupt möglich?
27.04.2026

Der Iran-Krieg verschärft die Spannungen innerhalb der NATO deutlich. Washington prüft derzeit Maßnahmen gegen Verbündete, die...

DWN
Panorama
Panorama White House Correspondents Association: Sicherheitslücken bei Trump-Gala sorgen für Kritik
27.04.2026

Schüsse bei einer Gala mit Donald Trump erschüttern Washington und werfen drängende Fragen zur Sicherheit auf. Hochrangige Politiker...

DWN
Politik
Politik Russland bestellt deutschen Botschafter ein: "Völlig haltlose Maßnahme"
27.04.2026

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau verschärfen sich erneut. Nach einem umstrittenen Treffen in der Ukraine erhebt Russland schwere...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsen überwiegend in Grün trotz Iran-Konflikt: Hoffnung auf Öffnung der Straße von Hormus
27.04.2026

Ein möglicher Vorschlag Irans zur Öffnung der Straße von Hormus sorgt für Bewegung an den Märkten. Anleger in Deutschland reagieren...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Energiepreise belasten Handel: Umfrage zeigt massive Kostenprobleme
27.04.2026

Weiter steigende Energiepreise verschärfen die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage des Einzelhandels. Laut aktueller HDE-Umfrage ist...