Wirtschaft
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Machtwechsel im Arbeitsmarkt 2025: Arbeitgeber geben wieder den Ton an

Der Wind am Arbeitsmarkt 2025 dreht sich offenbar: Nach Jahren der Bewerbermacht gewinnen Unternehmen wieder Spielraum. Jan-Niklas Hustedt, Recruiting-Experte und Geschäftsführer der Sparkassen-Personalberatung GmbH, erklärt, was hinter der neuen Dynamik steckt und wie Unternehmen sowie Jobsuchende darauf reagieren können.
08.12.2025 12:13
Lesezeit: 3 min
Machtwechsel im Arbeitsmarkt 2025: Arbeitgeber geben wieder den Ton an
Vorstellungsgespräch: Der aktuelle Arbeitgebermarkt wird voraussichtlich nicht von langer Dauer sein (Foto: dpa). Foto: insta_photos

Arbeitsmarkt im Wandel: Arbeitgeber drehen den Spieß um

Zuletzt befand sich der Arbeitsmarkt – und damit auch der Arbeitsmarkt – über lange Zeit klar in der Hand der Arbeitnehmer: Qualifizierte Fachkräfte konnten zwischen Angeboten wählen, Gehaltsvorstellungen durchsetzen und bei Arbeitgebern zunehmend in der Rolle der Kundschaft auftreten. Doch der Markt dreht sich nicht erst – er ist bereits gedreht: Wir befinden uns aktuell in einem Arbeitgebermarkt, der jedoch voraussichtlich nicht von langer Dauer sein wird. Diese Entwicklung bringt viele Jobsuchende in eine fast schon ungewohnte, weil schwierigere, Lage.

Warum der Wind sich dreht

Als wichtiger Treiber dieses Umschwungs im Arbeitsmarkt lässt sich die wirtschaftliche Zurückhaltung vieler Unternehmen benennen, denn die Konjunkturprognosen für 2025 waren ernüchternd und bestätigten sich zusehends: Verschiedene Wirtschaftsforschungsinstitute erwarteten kaum nennenswertes Wachstum, manche Modelle sehen sogar eine Rezession. Infolge der Unsicherheit drosselten Unternehmen ihre Personalausgaben, schrieben weniger Stellen aus und verschärften ihre Auswahlkriterien. Auch eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft bläst in dieses Horn. So heißt es, dass nur 18 Prozent der befragten Betriebe wachsen wollen – mehr als ein Drittel hingegen plant sogar sich zu verkleinern. Unter diesen Vorzeichen stellt sich der Trend im Recruiting deutlich dar: Druck auf Recruiter wächst, jeder neue Einstellungsschritt wird auch zukünftig akribisch abgewogen – es geht nicht mehr nur ums Finden, sondern vor allem ums Vermeiden von Fehlbesetzungen.

Gleichzeitig erweist sich die frühere Knappheit auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr in allen Bereichen so virulent wie noch vor wenigen Jahren. Zwar bleibt der Megatrend Fachkräftemangel langfristig relevant, etwa durch den demografischen Wandel, doch verteilt sich die Nachfrage derzeit sehr ungleich. Branchen wie Ingenieurwesen, Pflege und Handwerk weisen weiterhin hohe Bedarfslücken für Fachkräfte auf, in anderen, konjunktursensibleren Sektoren wie Marketing oder Projektmanagement jedoch sinkt die Nachfrage merklich. Ein weiteres, strukturelles Problem: Der Berufseinstieg gestaltet sich für viele Absolventinnen und Absolventen zunehmend schwierig. Medienberichte deuten zum Teil auf eine gestiegene Arbeitslosigkeit bei jungen Akademikerinnen und Akademikern hin – der Sprung ins Berufsleben gelingt nicht mehr so reibungslos wie vermutet.

Arbeitsmarkt 2026: Blick in die Zukunft

Aus dieser Konstellation lässt sich ein vorsichtiger Ausblick formulieren: Auch wenn wir uns bereits in einem klaren Arbeitgebermarkt befinden, wird dieser Zustand voraussichtlich nicht dauerhaft bestehen. Recruiter profitieren momentan von einem größeren Bewerberpool und können sich selektiver positionieren. Die Investitionen in Employer Branding, die in der Ära des Arbeitnehmermarktes als fast alternativlos galten, verlieren etwas von ihrem Dringlichkeitsgrad – zumindest kurzfristig. Gleichzeitig bleibt die langfristige Struktur nicht statisch. Gesellschaftliche Herausforderungen wie der demografische Wandel und die Digitalisierung bleiben nach wie vor wirkmächtig.

Das lässt sich auch an der aktuellen Studie Recruiting-Strukturen – ein Benchmark der DGFP, der HTWK Leipzig und dem Online-Portal Wollmilchsau, ablesen: Unternehmen rüsten sich für diese zukünftigen Ausgaben, indem sie vermehrt auf eigene Recruiting-Abteilungen setzen. So stieg die Verbreitung von 62 Prozent im Jahr 2022 auf 65 Prozent in diesem Jahr. Auch in Zukunft wird die Nachfrage nach sogenannten ‚Future Skills‘ weiter steigen: Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft und soziale Kompetenz werden entscheidend sein, weil technologische Veränderungen und neue Arbeitsmodelle zunehmend den Arbeitsalltag prägen.

Was das für Jobsuchende heißt

Für Bewerberinnen und Bewerber im Arbeitsmarkt 2026 bedeutet dieser Wandel eine Rückkehr zu anspruchsvolleren Verhandlungsbedingungen. Forderungen nach Gehältern, die weit über das Marktübliche hinausgehen, maximaler Flexibilität oder Homeoffice-Versprechen lassen sich nicht mehr so leicht durchsetzen wie in den Hochzeiten des Arbeitnehmermarktes. Die Angleichung in den Verhandlungsmachtverhältnissen verlangt deshalb: sorgfältige Vorbereitung, strategisches Denken und eine realistische Einschätzung der eigenen Marktposition. Besonders Absolventinnen und Absolventen müssen sich bewusst machen, dass der Einstieg schwieriger geworden ist. Es reicht heute oft nicht mehr, einfach ‚gut genug‘ zu sein: Wer nicht nur Hardskills, sondern auch die Bereitschaft mitbringt, sich weiterzuentwickeln, hat bessere Chancen. Gleichzeitig sollten Jobsuchende die Bewerbungsprozesse strukturierter angehen – ein klarer Auswahlprozess, die Betonung von Soft Skills und ein gezieltes Netzwerk können hier den Unterschied machen. Darüber hinaus gewinnen alternative Karrierewege an Bedeutung. Quereinstiege, Skill-basierte Einstellungen oder Projektarbeit werden wichtiger. In diesem Zusammenhang interessieren sich viele Bewerber auch für Homeoffice-Jobs für Quereinsteiger, die einen flexiblen Einstieg in neue Tätigkeitsfelder ermöglichen und erste praktische Erfahrungen vermitteln können. Die Fähigkeit, sich in modernen, volatilen Arbeitsumgebungen zu orientieren, hat sich zu einem echten Asset gewandelt.

Für Unternehmen wiederum gilt: Jetzt ist der Moment, die bestehende Marktphase aktiv zu nutzen, bevor sich der Arbeitsmarkt erneut zugunsten der Arbeitnehmer verschiebt. Wir befinden uns in einem Übergang: nicht in einem Rückfall ins ‚alte‘ Arbeitgeberparadigma, sondern in einer Phase, in der Unternehmen und Arbeitnehmer ihre Rollen neu austarieren. Für Jobsuchende heißt das: Wer heute eine neue Stelle finden will, braucht nicht nur Fachwissen – sondern auch die Fähigkeit, sich in einem weniger komfortablen, aber dynamischeren Arbeitsmarkt zu behaupten.


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