Technologie

Batteriespeicher: Warum RWE den Takt für Europas Netze vorgibt

Ein deutscher Energiekonzern baut in Wales den größten Batteriespeicher Großbritanniens und verschiebt damit die Kräfteverhältnisse in Europas Energiemarkt. Die Anlage soll Schwankungen im Netz abfedern und zeigt, wie rasant der Ausbau solcher Speicher voranschreitet. Die Entwicklung wird auch in Deutschland aufmerksam verfolgt, weil sie künftige Stabilitätsanforderungen im Stromsystem vorzeichnen könnte.
28.12.2025 11:00
Lesezeit: 2 min
Batteriespeicher: Warum RWE den Takt für Europas Netze vorgibt
Die Batteriespeicheranlage des Kraftwerks Pembroke wird aus 212 Lithium-Ionen-Batteriecontainern bestehen. Im Hintergrund sind die fünf gasbetriebenen Einheiten des 2.000-Megawatt-Kraftwerks Pembroke zu sehen. (Foto: RWE)

RWE setzt auf massiven Ausbau der Energiespeicherung

Der deutsche Energiekonzern RWE treibt die Entwicklung großer Batteriespeicher in Europa voran. Auf dem Gelände der Gaskraftwerksanlage Pembroke im Süden von Wales entsteht ein Batteriepuffer, der mit einem Investitionsvolumen von 200 Millionen Pfund beziehungsweise rund 227 Millionen Euro zum größten Projekt seiner Art in Großbritannien wird. Der Konzern bestätigte die Pläne am Firmensitz und sieht im Batteriespeicher einen zentralen Baustein für die Stabilität des britischen Strommarktes. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Der neue Speicher erreicht eine Spitzenleistung von 350 Megawatt und eine Kapazität von 700 Megawattstunden. RWE gilt als größter Stromproduzent in Wales und betreibt dort drei Gigawatt an Erzeugungskapazitäten, verteilt auf zwölf Standorte. Etwa ein Gigawatt davon entfällt auf erneuerbare Energien. Das Gaskraftwerk Pembroke Power Station verfügt über fünf Module à 400 Megawatt mit Gasturbinen von Alstom, einem Dampferzeuger sowie einer weiteren Gasturbine. Die Anlage kann bis zu 3,5 Millionen britische Haushalte versorgen.

Bis zu 212 Batteriemodule und zweistündige Vollleistung

Der geplante Batteriepuffer Pembroke Battery Station besteht aus zweihundertzwölf Containern mit Lithium-Ionen-Batterien. Sobald das System errichtet und an das Netz gekoppelt ist, kann es zwei Stunden lang 350 Megawatt Leistung bereitstellen. In dieser Zeit lassen sich ungefähr dreihunderttausend britische Haushalte versorgen. Der Bau beginnt in der ersten Hälfte des Jahres 2026 und soll in der zweiten Jahreshälfte 2028 abgeschlossen werden.

Batteriespeicher stabilisieren das Stromnetz, das zunehmend von Windparks und Solaranlagen geprägt wird. "Batteriespeicher ermöglichen eine schnelle, effiziente und wettbewerbsfähige Netzführung", erklärt Nikolaus Valerius, Vorstandsvorsitzender der RWE Generation SE. Vor allem Wales spiele eine wichtige Rolle beim britischen Übergang zu erneuerbaren Energien. Speicher federn Schwankungen ab, die durch wechselhafte Wind- und Solarproduktion entstehen, und gleichen Produktions- und Verbrauchsspitzen in Echtzeit aus. RWE entwickelt und errichtet Batteriespeicher in den Vereinigten Staaten, Europa und Australien. Das Unternehmen hat bislang 1,2 Gigawatt an Speicherkapazität aufgebaut und arbeitet an weiteren Projekten im Umfang von 2,7 Gigawatt. In den kommenden Jahren plant RWE eine deutliche Beschleunigung des globalen Ausbaus der Batterietechnologie.

Europas größter Batteriespeichermarkt wächst rasant

In Europa entstehen derzeit mehrere Großprojekte. In Belgien wird mit dem Projekt Green Turtle ein Speicher mit 700 Megawatt Leistung aufgebaut, dessen erste Phase im Jahr 2028 abgeschlossen sein soll. Der größte aktive Batteriespeicher steht in Schottland in Blackhillrock, wo die im März gestartete erste Ausbaustufe 200 Megawatt Leistung und 400 Megawattstunden Kapazität erreicht. Nach Abschluss der zweiten Phase steigt die Gesamtleistung auf 300 Megawatt und die Kapazität auf 600 Megawattstunden. Der Standort gilt als zentral für die Netzstabilität im Norden Großbritanniens, da dort große Windparks einspeisen. Ein weiteres Großprojekt befindet sich im belgischen Vilvoorde, das zunächst 200 Megawatt Leistung erreicht und später auf 800 Megawattstunden erweitert wird.

Der europäische Markt für Batteriespeicher wächst rasant. Ende des Jahres 2024 waren bereits mehr als zehn Gigawatt Speicherkapazität angeschlossen. Bis zum Jahr 2030 benötigt Europa nach aktuellen Schätzungen mindestens zweihundert Gigawattstunden, um die nächste Ausbauphase von Windkraft und Photovoltaik sicher zu integrieren. Die Entwicklung betrifft auch den deutschsprachigen Raum. In Slowenien befinden sich nach aktuellen Berechnungen rund 200 Megawatt an Speichern im Übertragungsnetz und etwa 150 Megawatt im Verteilnetz. Die Zahl der Anträge für neue Speicher steigt rasant. Der größte zusammenhängende Standort ist Talum, wo mehrere Unternehmen Batteriespeicher installiert haben. Dazu gehören zwei Anlagen des Unternehmens NGEN mit 15 und 20 Megawatt sowie ein im Bau befindlicher Speicher mit 70 Megawatt und 140 Megawattstunden Kapazität.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Nataša Koražija

Zum Autor:

Nataša Koražija ist leitende Journalistin und Redakteurin bei der slowenischen Wirtschaftszeitung Casnik Finance und hat sich auf die Bereiche Energie, Umwelt, Infrastruktur und Logistik spezialisiert. 

DWN
Politik
Politik Ende des Brexit? Britischer Premier schließt Wiedereintritt in EU nicht aus
30.09.2026

Der Brexit bleibt auch Jahre nach dem Austritt ein Dauerthema im Vereinigten Königreich. Mit seiner Haltung dazu sorgt der britische...

DWN
Politik
Politik Erster AfD-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt? Siegmund stellt sich zur Wahl
30.09.2026

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich nach seinem Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Dezember als Ministerpräsident...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aus für Bohai-Automotive: Werksschließung in Harzgerode
30.09.2026

Der Autozulieferer Bohai Automotive schließt sein Werk im Harz endgültig. Rund 550 Arbeitsplätze verschwinden an dem traditionsreichen...

DWN
Politik
Politik Neuordnung Pflegeversicherung beschlossen: Regierung bringt Pflegereform auf den Weg
30.09.2026

Die Bundesregierung gibt nach langem Ringen von Union und SPD grünes Licht für die geplante Pflegereform. Das Kabinett beschließt den...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Immobilienberatung: ChatGPT wählt einen Immobilienkredit – sinnvoll oder nicht?
30.09.2026

Ein Wohnungskauf für rund 803.000 Euro, eine hohe Eigenleistung und der Wunsch nach Kindern: Kann ChatGPT bei der Wahl des passenden...

DWN
Finanzen
Finanzen LPKF-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein: Verzögerte Aufträge belasten Ausblick
30.09.2026

Die LPKF-Aktie ist am Mittwoch kräftig unter Druck geraten. Der Laserspezialist hat seine Prognose für 2026 deutlich gesenkt, weil sich...

DWN
Politik
Politik Russland erhöht Militärausgaben um 27 Prozent. Putin: Krieg mit Europa wäre kurz
30.09.2026

Medwedew spricht von Angriffen auf deutsche Fabriken. Russland beschlagnahmt deutsches Vermögen. Russische Fluggeräte sorgen an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell: Rally verliert an Schwung vor US-Inflationsdaten
30.09.2026

Der Bitcoin-Kurs hält sich am Mittwochmorgen über 83.000 US-Dollar, doch unter der Oberfläche verliert die jüngste Rally an Kraft....