Finanzen

Türkische Geldpolitik versinkt im Chaos: Nächster Notenbankchef soll kurz vor Rauswurf stehen

Lesezeit: 1 min
08.10.2021 10:54  Aktualisiert: 08.10.2021 10:54
Unbestätigten Berichten zufolge soll der türkische Staatspräsident Recep Erdogan mit dem amtierenden Zentralbankchef unzufrieden sein. Es bahnt sich der vierte Rauswurf innerhalb weniger Jahre an.
Türkische Geldpolitik versinkt im Chaos: Nächster Notenbankchef soll kurz vor Rauswurf stehen
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. (Foto: dpa)
Foto: Mustafa Kaya

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Nach den Entlassungen von drei türkischen Notenbankchefs binnen zweieinhalb Jahren durch Präsident Recep Tayyip Erdogan wird es offenbar auch für den jetzigen Amtsinhaber eng. Der Staatschef habe das Vertrauen in Zentralbankchef Sahap Kavcioglu verloren, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von mehreren angeblich mit der Sache vertrauten aber namentlich nicht genannten Personen. "Das Vertrauen des Präsidenten in den Zentralbank-Gouverneur ist beschädigt", sagte einer der Insider.

"Von ihm wurde eine rasche Zinssenkung erwartet. Stattdessen wurde monatelang derselbe Zinssatz beibehalten", fügte eine andere eingeweihte Person hinzu. "Es herrscht ein ernsthaftes Unbehagen über dieses Thema. Erdogan trifft sich nicht mehr so oft mit Kavcioglu." Noch eine weiterer Insider bestätigte die Uneinigkeit.

Die türkische Landeswährung Lira rutschte nach dem Reuters-Bericht auf ein Rekordtief ab. Sie notierte nur noch bei 8,95 zum Dollar. In den vergangenen drei Jahren hat die Lira mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Schuld daran hat Beobachtern zufolge nicht zuletzt auch die ständige Einmischung Erdogans in Zentralbank-Angelegenheiten, die das Vertrauen in die Währungshüter und in die Lira untergrabe. Erdogan hatte Kavcioglu erst im März ins Amt gehoben, nachdem sein Vorgänger Naci Agbal den Leitzins wegen der hohen Inflation auf 19 Prozent angehoben hatte. Das kam bei Erdogan nicht gut an, der mit niedrigen Zinsen die Konjunktur anschieben will.

Die Inflationsrate erreichte zuletzt mit 19,58 Prozent den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Sie entfernte sich damit weiter vom offiziellen Ziel, das nur bei fünf Prozent liegt. Die Abwertung der Lira birgt ein Inflationsrisiko, da das rohstoffarme Land auf hohe Importe angewiesen ist, die meist in Devisen bezahlt werden müssen. Dennoch wurde der Leitzins im vergangenen Monat offenbar auf betreiben Erdogans auf 18 Prozent gesenkt. Bei einer hohen Inflation müsste die Zentralbank nach Expertenmeinung eigentlich ihre Zinsen erhöhen. Das könnte den Kurs der Landeswährung Lira stützen, die dann für Anleger attraktiver würde.


Mehr zum Thema:  

DWN
Politik
Politik "Zeit läuft davon": Wirtschaft fordert von Scholz schnelle Entlastungen und Reformen
01.03.2024

Die deutsche Wirtschaft klagt über hohe finanzielle Belastungen und andere Wachstumshemmnisse. Der Forderungskatalog der Verbände an den...

DWN
Panorama
Panorama CO2-Speicherung: Norwegen wird europäisches Drehkreuz – Deutschland ändert seine Haltung
01.03.2024

Auf der norwegischen Insel Blomoyna entsteht Europas größtes Projekt zur CO2-Abscheidung. Auch Deutschland, als größter...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch in greifbarer Nähe - DAX erneut mit Bestmarke
01.03.2024

Der deutsche Leitindex DAX hat im Freitagshandel das siebte Rekordhoch in Folge erobert - und auch der Goldpreis ist von seinem Allzeithoch...

DWN
Panorama
Panorama Die 4-Tage-Arbeitswoche: Steigert sie die Produktivität um 40 Prozent?
01.03.2024

Der allgemein verbreitete Wunsch deutscher Arbeitnehmer könnte zur Realität werden: Viele mittelständische Unternehmen testen schon...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX vor 18.000 Punkten - ist es an der Zeit, aus dem Markt auszusteigen?
01.03.2024

Der deutsche Leitindex nähert sich der Marke von 18.000 Punkten. Der Bullenmarkt hat Dimensionen erreicht, die irrational wirken. Ist es...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russlands Wirtschaft geht es prächtig
01.03.2024

Trotz oder gerade wegen des anhaltenden Krieges in der Ukraine läuft Russlands Wirtschaft immer besser. Die Sanktionen des Westens...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft US-Magazin Bloomberg: „Deutschlands Tage als industrielle Supermacht sind gezählt“
01.03.2024

Das führende US-Wirtschaftsmagazin Bloomberg gibt eine niederschmetternde Prognose für die Zukunft Deutschlands ab: Deutschlands Tage als...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie rutscht ab: Volkswagen steckt viel Geld in Technik und China
01.03.2024

Die VW-Aktie ist zum Wochenschluss mächtig unter Druck geraten. Der Grund: Der Volkswagen-Konzern rechnet in diesem Jahr mit einem hohen...