Deutschland

Spritpreise nahe Rekordhoch, ADAC erwartet 2 Euro pro Liter

Tanken mit Benzin und Diesel wird immer teurer. Die Spritpreise sind auf die höchsten Werte seit 2012 gestiegen und dürften diese bald übertreffen.
13.10.2021 15:31
Aktualisiert: 13.10.2021 15:31
Lesezeit: 3 min

Die Spritpreise steigen immer weiter und machen die Fahrt zur Tankstelle zunehmend schmerzhaft. Inzwischen haben Diesel und Super E10 Neunjahreshochs erreicht, wie der ADAC am Mittwoch mitteilte. Nur im Rekordjahr 2012 war Sprit kurz noch einige Cent teurer, doch die Abstände schrumpfen zusehends.

Besonders Diesel legte zu: Am Dienstag kostete der Treibstoff im bundesweiten Tagesdurchschnitt laut ADAC 1,526 Euro pro Liter - 4,8 Cent mehr als vor einer Woche. Damit fehlen bei Diesel noch 2,8 Cent zum Allzeithoch aus dem August 2012. Auch E10 verteuerte sich deutlich. Am Dienstag war es mit 1,647 Euro pro Liter um 3,8 Cent teurer als vor Wochenfrist. Zum Allzeithoch aus dem September 2012 fehlen damit noch 6,2 Cent.

Wichtigster Treiber sind laut ADAC und Mineralölwirtschaftsverband (MWV) die Rohölpreise, die zuletzt im Bereich von Mehrjahreshochs gelegen hatten. Zudem mache sich der stärkere Dollar bemerkbar, da Rohöl in der US-Währung abgerechnet wird. Beim Diesel kommt hinzu, dass im Herbst auch die steigende Heizölnachfrage den Preis treibt.

Zudem verweisen beide Verbände auf den Kohlendioxid-Preis von 25 Euro je Tonne, der seit Jahresbeginn bezahlt werden muss. Das verteuert Treibstoff - je nach Sorte und Beimischung von Biosprit - um rund 6 bis 8 Cent pro Liter. Die Mineralölwirtschaft verdiene durch die gestiegenen Preise an den Zapfsäulen dagegen nicht mehr, betonte ein Sprecher des MWV.

Besonders drastisch ist die Entwicklung, wenn man sie mit dem Vorjahr vergleicht. Damals hatten Öl- und Spritpreise durch die Corona-Krise Tiefstände erreicht, bevor Anfang November 2020 die Trendwende bei den Spritpreisen kam. Seither hat sich Diesel um rund 50 Cent und E10 um rund 47 Cent verteuert.

ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand appellierte an die zukünftigen Regierungsparteien, «jegliche Gedankenspiele über ein schnelleres Ansteigen des CO2-Preises zu unterlassen». Derzeit ist geplant, ihn bis 2025 auf 55 Euro je Tonne anzuheben. Das würde Sprit je nach Sorte und Bioanteil um weitere 7 bis 9 Cent teurer machen.

Auch Menschen mit niedrigerem Einkommen müssten mobil bleiben können, betonte Hillebrand. Die Kosten erreichten für viele Menschen eine Belastungsgrenze. Zugleich fehlten günstige Alternativen, insbesondere auf dem Land. Hillebrand forderte zudem eine Anhebung der Entfernungspauschale. Sie decke die tatsächlichen Autokosten schon lange nicht mehr.

Von der scheidenden Regierung sind keine weiteren Maßnahmen gegen die steigenden Energiepreise zu erwarten. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, er könne solche Maßnahmen, die die nächste Regierung betreffen würden, nicht ankündigen. Es seien bereits Entlastungen wie eine Erhöhung der Pendlerpauschale beschlossen worden. Diese beträgt seit Anfang des Jahres ab dem 21. Kilometer 35 Cent pro Kilometer. 2024 soll sie auf 38 Cent steigen.

Noch-Verkehrsminister Andreas Scheuer forderte von der künftigen Regierung, bei zu hohen Spritpreisen gegenzusteuern. «Rund zwei Drittel des Benzinpreises sind vom Staat mit Steuern und Abgaben beeinflusst», sagte der CSU-Politiker der «Bild». «Spätestens bei einem Preis von 1,99 Euro pro Liter muss der Staat deshalb eingreifen und im Gegenzug die Steuern senken.»

Davon ist man - zumindest bei den Tagesdurchschnittswerten für E10 - allerdings noch weit entfernt. Steigende Ölpreise machen sich nämlich nur gedämpft an der Tankstelle bemerkbar. Laut Daten des MWV entfällt der Großteil des Spritpreises auf Steuern und Abgaben: Bei Superbenzin macht alleine die Energiesteuer gut 65 Cent pro Liter aus. Hinzu kommen die Mehrwertsteuer - beim aktuellen Preisniveau rund 26 Cent - sowie der CO2-Preis.

Jürgen Albrecht, Spritpreisexperte des ADAC, hält Benzinpreise von 2 Euro bei E10 alleine durch einen steigenden Ölpreis kurzfristig für sehr unwahrscheinlich. Wenn der Wechselkurs des Dollar konstant bleibe und es keine zusätzlichen Steuern oder Abgaben gebe, müsste sich der Ölpreis dafür sich fast verdoppeln, sagt er. Das sei aber nicht zu erwarten, denn die Opec+ habe kaum Interesse daran, die Preise noch weiter steigen zu lassen. Zudem würde dies auch Fracking attraktiver machen, was die Preise zusätzlich bremse.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Vielleicht ist alles, was man Ihnen über Geld erzählt hat, falsch?
12.07.2026

Vielleicht gelten die jahrhundertealten Investitionsweisheiten nicht mehr? Vielleicht sind es Mythen, die früher einmal funktioniert...

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungswirtschaft: Neubau droht der "Kollaps"
12.07.2026

Schon 2025 sank die Fertigstellung neuer Quartiere auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Auch für dieses Jahr schlägt...

DWN
Technologie
Technologie Cyberrisiken erkennen: 5 typische Schwachstellen im Mittelstand und was Unternehmen tun können
12.07.2026

Cyberangriffe treffen den Mittelstand oft nicht durch spektakuläre Hackertricks, sondern durch alltägliche Versäumnisse. Eine Analyse...

DWN
Panorama
Panorama Von der Pandemie zur erschöpften Gesellschaft: Verschwindet die Menschlichkeit immer mehr?
12.07.2026

Alles begann mit der COVID-19-Pandemie, seitdem geht es weiter bergab. Es entstehen immer neue militärische Konflikte, wirtschaftliche...

DWN
Technologie
Technologie Verliebt in einen Bot – Sind KIs die besseren Partner?
12.07.2026

Immer verfügbar, stets zuvorkommend, keine Ego-Touren: Im Gespräch mit KI-Bots fehlt der menschliche Faktor. Kann das unter Umständen...

DWN
Immobilien
Immobilien Vom Leerstand zum Lebensraum – der Staat will leere Büros in Wohnraum verwandeln
12.07.2026

Die deutschen Innenstädte stecken in einer bizarren Identitätskrise: Auf der einen Seite suchen Menschen verzweifelt nach bezahlbarem...

DWN
Panorama
Panorama Porträt: Er erbte Milliarden und ein Schloss – so hält er das Erbe seines berühmten Großvaters am Leben
12.07.2026

Er erbte Tausende von Werken des vielleicht größten Künstlers der Welt. Nun widmet er seine Zeit dem Verleihen dieser Werke an Museen...

DWN
Politik
Politik Renteneintritt: Die Babyboomer-Welle trifft den Arbeitsmarkt hart
11.07.2026

Der bevorstehende Rentenboom der Babyboomer-Generation wird die deutsche Wirtschaft weitaus härter treffen als bislang prognostiziert. Zu...