Politik

Lagebericht Syrien: Russland zerstört Hauptquartier türkischer Söldner, Ankara bereitet Großangriff auf US-Verbündete vor

Während die türkische Armee einen neuen Feldzug gegen US-Verbündete in Syrien vorbereitet, verstärkt Russland den Druck auf die türkischen Söldner im Land.
28.10.2021 09:49
Aktualisiert: 28.10.2021 09:49
Lesezeit: 1 min
Lagebericht Syrien: Russland zerstört Hauptquartier türkischer Söldner, Ankara bereitet Großangriff auf US-Verbündete vor
Ein zweisitziger Jagdbomber des Typs Suchoi Su-34 fliegt am 14.08.2012 während einer Flugschau über Schukowski (Russland). (Foto: dpa) Foto: Lystseva Marina

Die russische Luftwaffe hat am gestrigen Mittwoch, den 27. Oktober, das Hauptquartier der sogenannten „Syrischen Nationalarmee“ in der nordwestlichen Region Idlib zerstört. Wie "Southfront" berichtet, soll der Gebäudekomplex im Zuge von sieben Angriffen komplett zerstört worden sein, es habe Opfer gegeben. Bei der „Syrischen Nationalarmee“ handelt es sich um die wichtigste Söldnergruppe des Nato-Staates Türkei in Syrien.

Ankara bereitet neuen Feldzug vor

Die russischen Angriffe auf die türkischen Proxi-Truppen finden in einer Phase statt, in der die türkische Armee offenbar einen neuen Feldzug gegen die im Nordosten Syriens herrschenden Kurdenmilizen YPG und SDF vorbereitet. Zu diesem Zweck wurden am 26. Oktober rund 200 militärische Fahrzeuge nach Idlib sowie in die Region Rakka verlegt.

Während die YPG als Ableger der kurdischen PKK gilt, handelt es sich bei der SDF (Syrian Democratic Forces) um die wichtigsten Verbündeten der USA in Syrien. Auch die YPG wurde vom US-Militär in der Vergangenheit unterstützt. Kommt es zu einer neuen Kampagne der Türkei gegen YPG und SDF, so würde faktisch ein Nato-Staat gegen die Truppen eines anderen Nato-Staates kämpfen.

Um weitere Hürden für den anstehenden Feldzug zu beseitigen, hatte das türkische Parlament den Einsatz des Militärs in Syrien und im Irak zuletzt erneut verlängert. Die Parlamentarier in Ankara stimmten für eine Fortsetzung um zwei Jahre bis Oktober 2023 aus, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstagabend berichtete.

Im Nordirak greift die türkische Armee mit Luft- und Bodenoffensiven immer wieder Ziele der kurdischen Arbeiterpartei PKK an, die in den Kandil-Bergen ihr Hauptquartier hat. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hatte in der Vergangenheit Zweifel darüber angemeldet, ob der Einsatz mit dem Völkerrecht vereinbar ist.

In Nordsyrien sind türkische Truppen seit 2016 bereits mehrmals einmarschiert und halten Gebiete in der Grenzregion besetzt.

Die Abstimmungsvorlage stammte von der regierenden AK-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Diese hat im Parlament gemeinsam mit dem Regierungspartner, der ultranationalistischen Partei MHP, eine Mehrheit. Abgeordnete beider Parteien sowie die Abgeordneten der oppositionellen nationalistischen Iyi-Partei stimmten für den Einsatz, wie Anadolu berichtete. Die Abgeordneten der kemalistischen CHP und der prokurdischen HDP hätten dagegen gestimmt. Zuvor war kritisiert worden, dass die Einsätze um zwei, statt - wie bisher üblich - um ein Jahr verlängert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Vier Jahre Ukraine-Krieg: Wie nah ist der Frieden wirklich?
23.02.2026

Vier Jahre nach Beginn des Ukraine-Kriegs ist ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Diplomatische Initiativen laufen, doch die Fronten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Konjunkturerholung gewinnt an Breite: Asien stark, Deutschland überrascht
23.02.2026

Immer mehr Indikatoren sprechen dafür, dass die Weltwirtschaft in eine Phase breiterer Erholung eintritt. Die ersten...

DWN
Politik
Politik Tausende Kinder von Sanktionen beim Bürgergeld betroffen
23.02.2026

Immer mehr Familien geraten durch Sanktionen beim Bürgergeld unter Druck – mit spürbaren Folgen für Kinder. Neue Zahlen zeigen eine...

DWN
Politik
Politik Geheimer Deal: Iran einigt sich mit Russland auf Kauf tragbarer Raketensysteme
23.02.2026

Ein geheimer Rüstungsdeal zwischen Iran und Russland sorgt für neue Spannungen im Nahen Osten. Für rund 500 Millionen Euro soll Teheran...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue US-Zölle: Wie riskant ist Trumps Kurs für die Finanzmärkte?
23.02.2026

Donald Trump bringt erneut globale Strafzölle ins Spiel – nur Tage nach einer juristischen Schlappe vor dem Supreme Court. Die Märkte...

DWN
Finanzen
Finanzen Salzgitter-Aktie profitiert von Milliardenförderung: Mehr Fördermittel für grünen Stahl aus Salzgitter
23.02.2026

Die Salzgitter-Aktie legt am Montag leicht zu: Milliardenförderung, grüner Stahl und politische Rückendeckung verändern die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Index steigt: Wirtschaft sendet erste Signale der Erholung
23.02.2026

Der Ifo-Index sendet ein positives Signal für die deutsche Wirtschaft. Nach langer Schwächephase hellt sich das Ifo-Geschäftsklima...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Demografischer Wandel: Europa und vor allem Deutschland altern schneller
23.02.2026

Niedrige Geburtenraten, steigende Lebenserwartung: Europa erlebt einen erheblichen demografischen Wandel. Aktuelle Daten belegen die...