Wirtschaft

Ölpreis zieht trotz Freigabe staatlicher Reserven an

Trotz der Freigabe staatlicher Reserven durch mehrere Länder ist der Ölpreis am Dienstag sogar gestiegen.
23.11.2021 16:24
Aktualisiert: 23.11.2021 16:24
Lesezeit: 1 min
Ölpreis zieht trotz Freigabe staatlicher Reserven an
Die Freigabe staatlicher Ölreserven kann den Preisanstieg vorerst nicht stoppen. (Foto: dpa) Foto: Daniel Kubirski

--- Update ---

Die Freigabe staatlicher Reserven durch die USA und andere Länder bringt nicht die erhoffte Entspannung beim Ölpreis. Die Sorten Brent aus der Nordsee und WTI aus den USA drehten am Dienstag nach anfänglichen Verlusten sogar ins Plus und verteuerten sich um jeweils mehr als 2,5 Prozent auf 81,93 beziehungsweise 78,75 Dollar je Barrel (159 Liter).

Die USA wollen 50 Millionen Barrel auf den Markt werfen. Der Schritt erfolge in Absprache über ähnliche Maßnahmen mit China, Indien, Südkorea, Japan und Großbritannien, teilte das Präsidialamt in Washington mit.

"Der Markt ist von der Ankündigung der US-Regierung nicht beeindruckt", sagte Andrew Lipow, Chef der Beratungsfirma Lipow Oil Associates. So sei die freigegebene Menge lediglich eine Leihgabe an den Markt. Außerdem wäre sie im Rahmen der jüngst beschlossenen Gesetze zum Schuldenabbau ohnehin verkauft worden.

Die USA gäben strategische Ölreserven üblicherweise über Tauschgeschäfte frei, erläuterte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. "Demnach erhalten die Unternehmen Rohöl, das sie später oder in Form von Ölprodukten wieder einliefern müssen, einschließlich Zinszahlungen. Direkte Verkäufe, wie sie in China praktiziert werden, sind weniger üblich."

Die Freigabe strategischer Ölreserven könnte die Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, allerdings dazu zwingen, ihre Ausweitung der Produktionsmenge zu beschleunigen, gab Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade, zu bedenken. Sonst laufe die Gruppe Gefahr, Marktanteile zu verlieren.

--- Ende Update ---

Im Kampf gegen hohe Preise wollen die USA einem Insider zufolge ihre Ölreserven anzapfen. Dies solle noch am Dienstag bekanntgegeben werden, sagte die mit der Angelegenheit vertraute Person. Wie viel Öl freigegeben werden soll, blieb offen. Das sei Teil eines mit großen Energieverbrauchern in Asien ausgearbeiteten Plans.

Die US-Regierung hatte in den vergangenen Wochen unter anderem mit Japan, Südkorea, Indien und China Gespräche über eine konzertierte Aktion geführt. Das Förderkartell Opec und verbündete Produzenten wie Russland haben wiederholte Forderungen der USA zurückgewiesen, ihre Ölförderung schneller auszuweiten. US-Präsident Joe Biden steht wegen der steigenden Energiepreise und der hohen Inflation unter Druck, seine Zustimmungswerte in Umfragen sind gesunken.

Mehr zum Thema: Spekulation um Freigabe der strategischen Ölreserven setzt Preise unter Druck

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Politik
Politik Verlängerte Befristungen für Arbeitsverträge geplant: Platzt der Traum einer Festanstellung?
02.10.2026

Die Koalition will die sachgrundlose Befristung für Arbeitnehmer verlängern. Eine Befristung des Arbeitsvertrages soll bald vier statt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Micron führt Chip-Rallye an, während Wall Street leicht zulegt
01.10.2026

Überraschende Impulse an der Wall Street – Erfahren Sie, welche Kräfte den Markt heute bewegten.

DWN
Politik
Politik Frankreichs Schüler rebellieren: Knapp 2.000 Festnahmen bei Schulprotesten in Frankreich
01.10.2026

Seit Tagen demonstrieren Schüler an Frankreichs Gymnasien gegen kaputte Gebäude, zu wenig Lehrer und angekündigte Sparmaßnahmen in der...

DWN
Politik
Politik Innenministerkonferenz ändert Regeln: Bundesländer wollen mit Mehrheit gegen AfD entscheiden
01.10.2026

Die Innenministerkonferenz (IMK) verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Aus Angst vor der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Sachsen-Anhalt
01.10.2026

Erst nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die offizielle Nachricht: Der ostdeutsche Autozulieferer Bohai-Automotive schließt sein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Tierhandelsriese Fressnapf legt Pläne offen: Schnelles Wachstum in Polen
01.10.2026

Polen gehört zu den wichtigsten Märkten der Fressnapf-Gruppe, dem europäischen Marktführer im Zoofachhandel. Die zum Konzern gehörende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der schrumpfende Riese: Warum Deutschlands Arbeitsmarkt vor einer historischen Trendwende steht
01.10.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt galt über Jahre hinweg als Fels in der Brandung. Trotz globaler Krisen, geopolitischer Verwerfungen und einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Softwaretochter Cariad vor massivem Stellenabbau
01.10.2026

Volkswagen stellt seine Softwarestrategie weiter auf den Prüfstand. Bei Cariad droht ein neuer Stellenabbau, während Investitionen...