Politik

Daten zu Pfizer-Impfstoff sollen bis 2076 unter Verschluss bleiben

Die US-Lebensmittelbehörde FDA will die Dokumente, auf denen die Zulassung des Pfizer-Impfstoffs basiert, erst in 55 Jahren öffentlich machen.
02.12.2021 12:16
Aktualisiert: 02.12.2021 12:16
Lesezeit: 2 min

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Australien und Kanada hatte im September die Freigabe der Daten beantragt, auf die sich US-Regierung bei der Zulassung des Corona-Impfstoffs von Pfizer und BioNTech gestützt hat. In der Regel brauchen derartige Auskunftsersuchen, zu deren Bearbeitung die Behörden gesetzlich verpflichtet sind, durchaus eine gewisse Zeit.

Doch in dem vorliegenden Fall hat die verantwortliche US-Lebensmittelbehörde "Food & Drug Administration" eine äußerst lange Frist von 55 Jahren vorschlagen, bis sie die angeforderten Informationen liefern könne. Wenn ein Bundesrichter in Texas dem Antrag der Lebensmittelbehörde zustimmt, können die Antragsteller die vollständigen Unterlagen erst im Jahr 2076 einsehen, wie Reuters berichtet.

Nach dem Freedom of Information Act (FOIA / zu deutsch: Informationsfreiheitsgesetz) aus dem Jahr 1967 müssen US-Regierungsbehörden auf Bundesebene Informationsanfragen innerhalb von 20 Werktagen beantworten. Doch wann die Dokumente tatsächlich verfügbar sind, "hängt von der Komplexität der Anfrage und einem eventuellen Rückstau von bereits bei der Behörde anhängigen Anfragen ab", heißt es auf der FOIA-Website.

Im vorliegenden Fall weisen die Anwälte der US-Lebensmittelbehörde in den Gerichtsunterlagen darauf hin, dass die Antragsteller eine große Menge an Material anfordern - etwa 329.000 Seiten. Die Unterlagen müssten überprüft werden, um "vertrauliche Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse von Pfizer oder BioNTech zu entfernen sowie persönliche Daten von Patienten, die an klinischen Versuchen teilgenommen haben".

Die Antragsteller, die sich als Public Health und Medical Professionals for Transparency zusammengeschlossen haben, sind eine wachsende Gruppe von mehr als 70 Professoren, Wissenschaftlern und Ärzten von renommierten Universitäten wie Yale, Harvard, UCLA und Brown. Im September beantragten sie beim U.S. District Court for the Northern District of Texas einen beschleunigten Zugang zu den Unterlagen.

Die Wissenschaftler sagen, dass die Freigabe der Informationen dazu beitragen könnte, Impf-Skeptiker davon zu überzeugen, dass der Corona-Impfstoff von Pfizer und BioNTech tatsächlich "sicher und wirksam ist und somit das Vertrauen in den Pfizer-Impfstoff erhöht". Die Organisation will die Daten nicht bewerten, sondern sie lediglich öffentlich zugänglich machen, damit sie unabhängig geprüft werden können.

Die US-Lebensmittelbehörde hat vorgeschlagen, jeden Monat 500 Seiten freizugeben und weist darauf hin, dass die für die Überprüfung zuständige Abteilung nur zehn Mitarbeiter hat und derzeit etwa 400 andere FOIA-Anfragen bearbeitet. Die Anwälte der Antragsteller argumentieren hingegen, dass ihr Antrag oberste Priorität haben sollte und dass die FDA das gesamte Material bis spätestens 3. März 2022 freigeben sollte.

"Diese 108-Tage-Frist entspricht der Zeit, die die FDA brauchte, um die entsprechenden Dokumente für die weitaus kompliziertere Aufgabe der Lizenzierung des Impfstoffs COVID-19 von Pfizer zu prüfen", schreiben die Anwälte der Antragsteller. Zudem weisen sie darauf hin, dass die US-Lebensmittelbehörde 18.000 Mitarbeiter und ein Budget von 6 Milliarden Dollar hat. Und weiter:

"Es ist schwer vorstellbar, dass es ein größeres Bedürfnis nach Transparenz gibt, als die sofortige Offenlegung der Dokumente, auf die sich die FDA stützt, um ein Produkt zu lizenzieren, das nun über 100 Millionen Amerikanern unter Androhung des Verlusts ihrer Karriere, ihres Einkommens, ihres Status als Militärdienstleistender und von weitaus Schlimmerem vorgeschrieben wird."

Zudem argumentieren die Antragsteller, dass Titel 21, Unterkapitel F der eigenen Vorschriften der US-Lebensmittelbehörde vorschreibt, dass sie "alle Dokumente, die der Zulassung eines Impfstoffs zugrunde liegen, 'unverzüglich zur Verfügung' stellen muss". Wegen des großen öffentlichen Interesses hätte die FDA nach Ansicht der Antragsteller ihre Daten zum Impfstoff eigentlich zusammen mit seiner Zulassung veröffentlichen müssen.

US-Senator Ted Cruz bezeichnete das Vorgehen der FDA auf Twitter als "vollkommen unverschämt." Weiter schreibt er: "Die FDA muss transparent sein, damit die Menschen eine fundierte Entscheidung treffen können." US-Bezirksrichter Mark Pittman hat für den 14. Dezember in Fort Worth eine Terminkonferenz anberaumt, um den Zeitplan für die Bearbeitung der Dokumente festzulegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SanDisk und Micron führen Erholung der Chipaktien an, während Großbanken nachgeben
19.10.2026

Verfolgen Sie die entscheidenden Entwicklungen an der Wall Street und entdecken Sie, welche Sektoren die Märkte am Montag bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
19.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
19.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...