Politik

Putin: „Wir wollen keinen Krieg und kein Blutvergießen“

Im Streit über Sicherheitsgarantien der Nato erhebt Russlands Präsident Wladimir Putin schwere Vorwürfe gegenüber den USA.
21.12.2021 14:59
Aktualisiert: 21.12.2021 14:59
Lesezeit: 2 min

Im Streit über Sicherheitsgarantien der Nato erhebt Russlands Präsident Wladimir Putin schwere Vorwürfe gegenüber den USA. Die Vereinigten Staaten betrachteten sich als Sieger des Kalten Krieges und hätten in ihrer Euphorie politische Fehlentscheidungen getroffen, sagte Putin am Dienstag vor hochrangigen russischen Militärvertretern. Er bezog sich dabei auf die Ost-Erweiterung der Nato und das Ende von Abkommen zur Rüstungskontrolle. Zugleich betonte Putin, er hoffe auf konstruktive Gespräche mit Vertretern aus Washington und Brüssel, meldet Reuters. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, das Bündnis wolle seine Sorge über das Verhalten Russlands in baldigen Gesprächen zum Ausdruck bringen. Russland ziehe weiter Truppen an der Grenze zur Ukraine zusammen.

Mehr zum Thema: Droht der Ukraine eine Teilung entlang des Dnepr-Flusses?

„Bewaffnete Konflikte und Blutvergießen sind absolut nichts, was wir uns aussuchen würden“, sagte Putin. „Wir wollen ein solches Szenario nicht.“ Die Forderungen nach Sicherheitsgarantien stellten kein Ultimatum dar, aber bei der Ukraine gebe es keinen Verhandlungsspielraum. Russland werde angemessen auf jede Aggression des Westens reagieren und sein Militär weiter stärken, betonte Putin vor Militärs. Bei derselben Veranstaltung erklärte Vize-Verteidigungsminister Sergej Schoigu, die USA hätten rund 8000 Soldaten nahe der russischen Grenze stationiert und würden dort mit ihren Nato-Verbündeten häufig Übungen mit Kampfflugzeugen abhalten.

Mehr zum Thema: USA warnen Europa: Russland erwägt Invasion der Ukraine

Die Moskauer Regierung verlangt Garantien, dass die Nato sich nicht weiter nach Osten ausdehnt, die Ukraine trotz deren Wunsch nicht als Mitglied aufnimmt und dort weder Truppen und noch Waffen stationiert. Die Ukraine strebt seit geraumer Zeit eine Mitgliedschaft in der Nato an. Das Land hat im Konflikt mit seinem Nachbarn Russland bereits Militärhilfen der USA erhalten. Die russische Führung argumentiert, eine Ost-Erweiterung der Nato bedrohe Russland und widerspreche den Zusicherungen, die die Nato 1991 beim Zusammenbruch der Sowjetunion gegeben habe.

Der Nato zufolge sind ihre eigenen Aktivitäten rein defensiver Natur und dienen der Abschreckung neuer Aggressionen Russlands. Die Regierung in Kiew befürchtet eine Offensive des russischen Militärs, das nach ukrainischen Angaben rund 100.000 Soldaten zu deren Vorbereitung in Grenznähe zusammengezogen hat.

Trotz Appellen zur Deeskalation würden diese Truppenbewegungen fortgesetzt, sagte Nato-Generalsekretär Stoltenberg weiter. Jeder Dialog mit Russland müsse die grundlegenden Prinzipien respektieren, auf denen die europäische Sicherheit aufgebaut sei. Er wolle im neuen Jahr so schnell wie möglich ein Treffen des Nato-Russland-Rates einberufen.

Mehr zum Thema: Intermarium: Wie die USA und Russland Europa in Einfluss-Zonen aufteilen

Einem russischen Diplomaten zufolge haben Russland und die USA Kontakt aufgenommen, um über die Forderung nach Sicherheitsgarantieren zu beraten. Es bestehe die Möglichkeit, dass sich beide Seiten einigen. Russland müsse noch entscheiden, welche Schritte es unternehme, sollte die von den USA dominierte Nato sich weigern, ihre Position zu überdenken, sagte laut der russischen Nachrichtenagentur Ria der ranghohe Unterhändler in Sicherheitsfragen, Konstantin Gawrilow. Aber das westliche Militärbündnis wisse, dass Russland nicht bluffe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Mehr tödliche Fahrradunfälle: Zahlen alarmieren - Ältere besonders stark gefährdet
27.04.2026

Immer mehr Menschen steigen in Deutschland aufs Fahrrad oder E-Bike um. Doch parallel dazu wächst die Zahl tödlicher Unfälle deutlich...

DWN
Politik
Politik Wegen Iran-Krieg: Pentagon prüft Suspendierung von NATO-Verbündeten - ist das überhaupt möglich?
27.04.2026

Der Iran-Krieg verschärft die Spannungen innerhalb der NATO deutlich. Washington prüft derzeit Maßnahmen gegen Verbündete, die...

DWN
Panorama
Panorama White House Correspondents Association: Sicherheitslücken bei Trump-Gala sorgen für Kritik
27.04.2026

Schüsse bei einer Gala mit Donald Trump erschüttern Washington und werfen drängende Fragen zur Sicherheit auf. Hochrangige Politiker...

DWN
Politik
Politik Russland bestellt deutschen Botschafter ein: "Völlig haltlose Maßnahme"
27.04.2026

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau verschärfen sich erneut. Nach einem umstrittenen Treffen in der Ukraine erhebt Russland schwere...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsen überwiegend in Grün trotz Iran-Konflikt: Hoffnung auf Öffnung der Straße von Hormus
27.04.2026

Ein möglicher Vorschlag Irans zur Öffnung der Straße von Hormus sorgt für Bewegung an den Märkten. Anleger in Deutschland reagieren...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Steigende Energiepreise belasten Handel: Umfrage zeigt massive Kostenprobleme
27.04.2026

Weiter steigende Energiepreise verschärfen die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage des Einzelhandels. Laut aktueller HDE-Umfrage ist...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Ladesäulen: Kritik an teuren Prüfregeln - Verbände fordern Ladesäulen-Reform
27.04.2026

Deutschlands Weg zur Elektromobilität gilt als zentral für die Energiewende. Doch neue Vorwürfe aus der Branche stellen bestehende...

DWN
Politik
Politik Sipri-Analyse: Globale Aufrüstung - warum die Militärausgaben explodieren
27.04.2026

Die weltweiten Militärausgaben steigen weiter und erreichen neue Höchststände. Konflikte, Unsicherheit und geopolitische Rivalitäten...