Deutschland

THÜRINGEN SPEZAL – Nach Aufruf zu Aufmarsch: Polizei sichert Wohnhaus von Innenminister

„Widerwärtig“ oder „unerträglich“ – so nennen Politiker den Aufruf zu einem „Spaziergang“ vor dem Haus des Thüringer Innenministers. Es folgten eine Hausdurchsuchung und ein Polizeieinsatz.
22.12.2021 01:05
Aktualisiert: 22.12.2021 01:05
Lesezeit: 1 min

Nach einem Aufruf in sozialen Netzwerken zu einer Demonstration vor dem Wohnhaus von Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hat die Polizei das Gebäude am Dienstag gesichert. Sie war sowohl vor dem Haus in Friedrichroda (Landkreis Gotha) als auch im Ort verteilt im Einsatz, wie ein Sprecher sagte. Es sei alles ruhig geblieben. Gegen 20.00 Uhr zog die Polizei nach Beobachtungen eines dpa-Reporters ab.

Politiker mehrerer Parteien hatten sich über den Aufruf entsetzt gezeigt. In dem verbreiteten Post war auch dazu aufgerufen worden, mit Quarzhandschuhen zum „Spaziergang“ zu kommen. Solche Handschuhe sind an bestimmten Stellen verstärkt, wodurch es bei körperlichen Auseinandersetzungen zu stärkeren Verletzungen kommen kann.

Die Polizei durchsuchte am Dienstag die Wohnung eines 38 Jahre alten Verdächtigen. Dem Mann werde die öffentliche Aufforderung zu Straftaten und die Beleidigung gegen Personen des politischen Lebens vorgeworfen, teilte die Polizei mit. Das Landeskriminalamt habe die Ermittlungen übernommen. Der Verdächtige stamme „offensichtlich aus dem Bereich der Corona-Leugner“, hieß es von der Polizei.

In sozialen Netzwerken kursierte am Dienstag ein Screenshot eines Facebook-Posts, in dem zu einem „Spaziergang“ vor dem Haus von Maier und seiner Familie aufgerufen wurde. Es sei unklar, welche Reichweite der Aufruf erlangt habe, hatte ein Sprecher am Nachmittag gesagt. Am Abend verzeichnete die Polizei dann jedoch eine „Null-Lage“. Es seien keine entsprechenden Personen in Erscheinung getreten, hieß es.

Der Fall erinnert an eine Demonstration vor dem Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) Anfang Dezember. Dort hatten rund 30 Gegner der Corona-Politik demonstriert und dabei Fackeln und Plakate getragen.

Georg Maier bezeichnete den Aufruf als eine Belastung für ihn und seine Familie. «Aber ich lasse mich nicht einschüchtern. Dann hätten solche Leute ihr Ziel erreicht.» Maier ist in Thüringen auch Vize-Ministerpräsident und Chef des SPD-Landesverbands.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nannte es „unerträglich“, wenn Menschen gezielt dazu aufriefen, „vor den Privathäusern von Verantwortungsträgern aufzumarschieren“. Das sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dies erinnere an die Methoden der SA. Die SA war eine paramilitärische Organisation im Nationalsozialismus.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Mario Voigt, nannte den Aufruf «widerwärtig». „Das hat mit einem legitimen Protest nichts mehr zu tun und erinnert an eine dunkle Zeit in Deutschland“, sagte er. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) twitterte: „Solche Aufrufe sind inakzeptabel.“ Im Grunde versuchten Demokratiefeinde, so das Land zu erschüttern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rhein Group: Draghi versammelt Europas Machtelite
19.09.2026

Mario Draghi hat Europas wirtschaftliche Schwächen analysiert. Jetzt will er handeln: Mit der Rhein Group versammelt der frühere...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Das müssen Sie unbedingt wissen
19.09.2026

Mecklenburg-Vorpommern wählt einen neuen Landtag – und diesmal könnte sich das politische Kräfteverhältnis grundlegend verschieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Niedrigwasser am Rhein: Wenn der deutschen Wirtschaft das Wasser fehlt
19.09.2026

Der Rheinpegel in Kaub ist der wichtigste Pegel für die Schifffahrt zwischen Rotterdam und Basel. Dort fiel der Wasserstand im August 2026...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
19.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Politik
Politik Berlin wählt: Diese Koalitionen sind möglich – und was sonst noch wichtig ist!
19.09.2026

Rund 2,5 Millionen Berliner entscheiden am Sonntag über die politische Zukunft ihrer Stadt. Nach einem von Wohnungsnot, Verkehr und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Safran-Anbau: KI und Roboter sollen Europas Abhängigkeit beenden
19.09.2026

Safran ist das teuerste Gewürz der Welt, doch seine Lieferkette ist anfällig und kaum transparent. Ein schwedisches Start-up will das...

DWN
Technologie
Technologie Gefälschte IT-Mitarbeiter: Remote-Jobs werden zum Einfallstor für Spione
19.09.2026

Sie sehen aus wie ganz normale Bewerber, doch hinter Lebensläufen, Videogesprächen und vermeintlich echten Identitäten können...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi-Krise: „In zehn Jahren muss es Volkswagen noch geben“
19.09.2026

China holt Europas Autobauer nicht mehr nur ein. In wichtigen Technologiebereichen ist die Konkurrenz bereits vorbeigezogen. Audi-Chef...