Finanzen

Anleihemärkte auf dem Weg zum schlechtesten Jahr seit 1999

Investoren haben mit Anleihen im zurückliegenden Jahr vor allem Verluste erwirtschaftet. Die Aussichten für das nächste Jahr hängen stark vom Kurs der US-Zentralbank ab.
31.12.2021 11:57
Lesezeit: 2 min
Anleihemärkte auf dem Weg zum schlechtesten Jahr seit 1999
Ein Händler an der New Yorker Börse. (Foto: dpa) Foto: Justin Lane

Die mit Anleihen erzielten Renditen sind im laufenden Jahr in den negativen Bereich abgesackt - das gesamte Anlagesegment steuert sogar auf das schlechteste Jahr seit 1999 zu, berichtet die Financial Times.

Der Financial Times zufolge zeigt der Barclays Aggregate Bond Index, welcher die Entwicklung von Staats- und Unternehmensanleihen im Gesamtumfang von fast 70 Billionen US-Dollar weltweit abbildet, im laufenden Jahr bislang eine negative Rendite von 4,8 Prozent an.

Hauptgrund für das schlechte Abschneiden seien demzufolge die hohen Inflationsraten auf der ganzen Welt. Der damit einhergehende Kaufkraftverlust und steigende Preise schmälern die Renditen von Anleihen-Investments und lasten auf den Kursen der Papiere.

„Wir sollten nicht allzu überrascht sein, dass Anleihen derzeit eine schlechte Anlage sind, wenn die Inflation bei 6 Prozent liegt“, zitiert die FT James Athey, Portfoliomanager bei Aberdeen Standard Investments. „Die schlechte Nachricht für Anleiheinvestoren ist, dass das nächste Jahr auch schwierig aussieht. Wir haben das Potenzial für einen weiteren Schock, wenn die Zentralbanken schneller handeln als erwartet, und ich glaube nicht, dass [risikoreichere Anleihen] besonders attraktiv bewertet sind.“

Im Klartext: Der Analyst erwartet auch im kommenden Jahr eine hohe Inflation und das Segment der riskanten Anleihen (etwa von Staaten und Unternehmen mit schlechter Kreditwürdigkeit) ist aus seiner Sicht sehr anfällig für Bankrotte und Insolvenzen und daran anschließend Zahlungsausfällen gegenüber den Anleihegläubigern.

In den vergangenen Jahren rutschte der Barclays Aggregate Bond Index immer wieder einmal in den negativen Bereich ( so etwa 2018, 2015, 2013, 2005 und 1999). Doch nur im Jahr 1999 lag die negative Rendite mit minus 5,2 Prozent noch niedriger als derzeit.

Analysten warnen vor High Yield-Anleihen

Atheys Warnungen vor Anleihen, denen Emittenten mit schwacher Kreditwürdigkeit zu Grund liegen und die deswegen höhere Zinsen offerieren, wird von anderen Analysten geteilt.

Seit einigen Jahren sinken die Zinsen dieser Hochrisiko-Anleihen deutlich und nähern sich weiter dem Zinsniveau für vermeintlich „sichere“ Papiere wie Staatsanleihen der USA an. Der Grund hierfür ist die verzweifelte Suche nach Rendite im Niedrig- und Nullzinsumfeld, welche Investoren in riskante Anleihen treibt und das Sinken der Zinsen auslöste, weil die Nachfrage nach den Anleihen deutlich zunimmt. Inzwischen, so zitiert das Portal Think Advisor Kathy Jones, eine Anleiheanalystin des Schwab Center for Financial Research, belaufe sich der Unterschied zwischen High Yield-Papieren und US-Staatsanleihen nur noch auf rund 300 Basispunkte, also etwa 3 Prozent. In geldpolitisch „normalen“ Zeiten war die Differenz mindestens doppelt so stark ausgeprägt.

Doch gerade Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit sind besonders stark betroffen, wenn die US-Zentralbank ihre seit Jahren extrem laxe Geldpolitik wie nun angekündigt wieder verschärfen sollte. So sollen die Käufe von Staatsanleihen - mit denen die Federal Reserve jeden Monat dutzende Milliarden Dollar aus dem Nichts geschaffen und ins Bankensystem gespült hatte - im März auslaufen. Auch die Leitzinsen sollen kommendes Jahr mindestens zwei Mal angehoben werden.

Geldpolitik bleibt vorerst extrem lasch

Beobachtern zufolge wird die geldpolitische Situation im amerikanischen Finanzsystem trotz der von der Federal Reserve eingeleiteten Straffung noch auf Monate hinaus vergleichsweise vorteilhaft bleiben. Der von Goldman Sachs-Analysten berechnete "Goldman Sachs US Financial Conditions Index", welcher eine Reihe von Parametern zur Einschätzung der Lage untersucht - bleibt auf historische niedrigen Niveaus, berichtet die Financial Times.

Die FT berichtet weiterhin, dass offenbar auch viele Spekulanten an der Wallstreet damit rechnen, dass die Zentralbank ihren Straffungskurs abrupt beenden werde, falls dieser die extrem hohen Bewertungen an den Aktienmärkten unter Druck bringt oder sich negativ auf die Realwirtschaft auswirken sollte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die kommende Woche wird eine der wichtigsten dieser Berichtssaison.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi baut US-Werk für SUVs: Jobverluste in Deutschland drohen  
25.10.2026

US-Präsident Donald Trump verkündet den Bau eines neuen Autowerks von Audi in den USA. Daraufhin entzündet sich am Auftritt des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalismus lebt: Warum Yanis Varoufakis mit seiner Theorie vom Technofeudalismus zugleich falsch und richtig liegt
25.10.2026

Der Kapitalismus ist tot. An seine Stelle ist ein neofeudales System getreten, in dem sich die Macht in den Händen der Eigentümer...

DWN
Finanzen
Finanzen OpenAI-IPO: Die wahre Sorge der Finanzchefin vor dem Börsengang
25.10.2026

Während die Finanzwelt auf den milliardenschweren OpenAI-Börsengang wartet, treibt Finanzchefin Sarah Friar eine ganz andere Sorge um:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Arbeitnehmer in der Dauerkrise: Immer mehr psychische Erkrankungen
25.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
25.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...